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Editorial zu Ausgabe 14: Intelligenz im Test und in der Praxis

Hallo zurück nach den Osterferien!
In den vergangenen Wochen hat sich viel getan – u.a. fand der 1. Community-Event am VISTA mit einer exklusiven Führung durch Christian Bertsch statt. Vielen Dank für die Gastfreundschaft, die Offenheit und die spannenden Diskussionen!

Neben dem Nachbericht dazu gibt’s in der aktuellen Ausgabe auch ein Fachbeitrag von Stefan Reichel über Intelligenztests, ein kurzes Interview mit Toni Kronke (Teach For Austria) sowie einen Terminhinweis auf die VAN-Konferenz in Göttingen.

Bereits am 8. April startet das Jahrestreffen von Mensa in Deutschland e.V. in München mit über 1.600 Gästen. Das Info-Team hat ein sehr vielseitiges (und ziemlich geniales) Programm zusammengestellt. Nachbericht folgt – in Ausgabe 15 in zwei Wochen!

FACHBEITRAG: IQ – testen, ignorieren oder transformieren?

von Stefan REICHEL (Psychologe, https://thomas-profiling.at)

 

Viele begabte Menschen stehen irgendwann vor der Frage: Soll ich meinen IQ testen lassen? Die Unsicherheit ist groß – was, wenn das Ergebnis enttäuschend ausfällt? Was, wenn der Test nicht das misst, was ich wirklich kann? Die Angst vor dem „Versagen“ bei einer solchen Testung ist weit verbreitet. Doch die entscheidende Frage ist nicht, ob man seinen IQ testen lässt, sondern was man mit dem Ergebnis anfangen möchte.

Ein Zahlenspiel mit Grenzen

Ein IQ-Wert von 130 gilt als Schwelle zur Hochbegabung, doch was bedeutet das wirklich? Im echten Leben macht es kaum einen Unterschied, ob jemand einen IQ von 129 oder 131 hat. Die Einteilung in „hochbegabt“ oder „nicht hochbegabt“ ist eine Grenze, die auf statistischen Normierungen basiert. Intelligenz ist komplexer, als eine einzelne Zahl es abbilden kann. Sie umfasst logisches Denken, Kreativität, emotionale Intelligenz und praktische Fähigkeiten – Aspekte, die ein standardisierter Test nur bedingt erfassen kann.
Dennoch kann ein IQ-Test wertvolle Impulse geben: Er kann Stärken aufzeigen, Unterforderung erklären oder den Weg zu passenden Förderangeboten ebnen. Wichtig ist, den Test nicht als endgültiges Urteil, sondern als einen von vielen Bausteinen der Selbsterkenntnis zu sehen.

Wie und wo testen lassen?

Wer sich für einen IQ-Test entscheidet, sollte auf seriöse Anbieter achten. Qualifizierte Psychologen oder spezialisierte Institute führen standardisierte Tests mit einer guten Normierung durch. Weiters sollte man vor allem darauf achten, in welchem Rahmen man die Testung durchführt und wie gut man sich darauf vorbereitet hat.

Vorbereitung? Es gibt keine „Lernliste“ für IQ-Tests, aber ein paar Tipps helfen:

  • Es gibt im Internet viele Angebote, IQ-Tests durchzuführen und Beispiele zu üben.
  • Ausgeschlafen und entspannt zum Termin erscheinen.
  • Kein Druck – der Test misst Fähigkeiten und nicht den Wert einer Person.
  • Im Vorfeld über den Ablauf informieren, um Nervosität zu reduzieren.

Was tun mit dem Ergebnis?

Ein IQ-Wert allein sagt wenig aus. Entscheidend ist, wie man ihn nutzt:

  • Schule/Beruf: Bei Unterforderung kann das Ergebnis als Argument für Enrichment-Programme oder spezielle Förderangebote dienen.
  • Selbstreflexion: Stärken und Schwächen bewusst machen – wo liegen meine Talente? Wo möchte ich mich weiterentwickeln?
  • Beratung: Fachleute helfen, die Ergebnisse einzuordnen und passende Fördermöglichkeiten zu finden.

Doch der IQ ist nur ein Puzzleteil. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: In welchen Begabungsdomänen bin ich stark? Manche Menschen glänzen in Mathematik, andere in Kreativität, Musik oder sozialer Intelligenz. Ein ganzheitlicher Blick auf die eigenen Fähigkeiten lohnt sich.

Fazit: Ob man seinen IQ testen lässt oder nicht, ist eine individuelle Entscheidung. Wichtiger als die Zahl ist die Frage: Was möchte ich erreichen – und wie kann ich meine Stärken dafür nutzen? Wer sich darauf konzentriert, findet Wege, sein Potenzial zu entfalten!

Mehr als nur eine Zahl

Wer nicht nur seinen IQ, sondern auch seine Persönlichkeit und Begabungen besser verstehen möchte, findet bei Cebras (www.thecebras.com) ein kostenloses Angebot: Neben einer ersten Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten können Nutzer ihre Persönlichkeitsstruktur und verschiedenen Begabungsbereiche erkunden. Denn wahre Begabung zeigt sich nicht in einer Zahl, sondern darin, wie wir unsere Talente einsetzen – im Beruf, in der Freizeit und im Umgang mit anderen.

Energie und Widerstand – VAN-Konferenz in Göttingen (30.4.-3.5.2026)

Von 30. April bis 3. Mai treffen sich rund 50 Interessierte in der Jugendherberge Göttingen zur VANconference. VAN steht für VereinsAustausch Neugieriger” und ist ein informeller Zusammenschluss unterschiedlicher Vereine, die wissenschaftliche Begabung fördern.
Das Format der VANconference orientiert sich an der ehemaligen Unconference des Mind Hochschul Netzwerks, einer Art Barcamp oder „Open Space“-Konferenz: Es gibt zunächst kein festes Programm, dafür bieten Teilnehmende sogenannte Sessions zu Themen an, die sie interessieren – das können Vorträge oder Workshops sein, aber auch Gesprächsrunden zu einem bestimmten Thema oder ein gemeinsamer Spaziergang.

Mehr Infos dazu gibt es hier: https://www.cde-ev.de/veranstaltungen/2026-vanconference/; die Anmeldung ist via https://db.cde-ev.de/db/event/event/104/show möglich.

4 Fragen an … Toni Kronke, stv. Geschäftsführer Teach For Austria

Toni Kronke ist Teil des Gründerteams und stv. Geschäftsführer bei Teach For Austria. 2009 schloss er sich dem ersten Fellow-Jahrgang bei Teach First Deutschland an und ist seitdem innerhalb der internationalen Bildungsbewegung Teach For All aktiv. Vor seinem Wechsel in den Bildungsbereich arbeitete Toni in Projekten u.a. in Brasilien im Bereich Capacity Building, Partizipation und demokratische Entwicklung. In Deutschland arbeitete er für Entwicklungsorganisationen mit Schwerpunkt Migration/Brain Drain, war für Bürgerradios tätig und startete Kultur- und Filmfestivals. Toni studierte angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim mit Schwerpunkt Medien und strategische Kommunikation sowie Audiovisuelle Technologie an der ESMAE in Porto/Portugal.

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Kronke: Immer dann, wenn ich die Freiheit hatte, ganz ich selbst sein und mich meinen eigenen Interessen widmen zu können.  

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Kronke: Auf Lehrer:innen bezogen: Ich werde immer den Status quo infrage stellen. Damit konnten die allerwenigsten Lehrer:innen umgehen. Und darum war Schule kein Ort der Entfaltung für mich. Dagegen habe ich rebelliert.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Kronke: Unser Schulsystem teilt Kinder schon mit 10 Jahren in unterschiedlichen Schulformen auf. Um Begabung geht es bei dieser Aufteilung oft nicht. Viel mehr um den Bildungsstand, den sozioökonomischen Hintergrund und die Herkunft der Eltern. Innerhalb dieses Schulsystems bleiben so viele Potentiale einfach unentdeckt und auf der Strecke. Das müssen wir ändern, im Interesse von uns allen.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Kronke: Begabtenförderung wird als Nischenthema behandelt. Als Gesellschaft sollte es uns aber wichtig sein, dass Menschen ihre Begabungen voll entfalten und damit ihre eigene und  die Zukunft von uns allen positiv gestalten können. Lehrkräfte und Pädagog:innen sind ein großer Teil des Puzzles, aber wir alle sind dafür verantwortlich.