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4 Fragen an … Daniel Oehry, Bildungsminister des Fürstentums Liechtenstein

Daniel Oehry (*1971) ist seit April 2025 Regierungsmitglied des Fürstentums Liechtenstein und leitet das Ministerium für Infrastruktur und Bildung.
Er absolvierte eine Lehre als Maschinenzeichner bei der Hilti AG in Schaan und ein berufsbegleitendes Maschinenbaustudium (Dipl. Ing. FH) an der FH Liechtenstein. Vor seiner Tätigkeit als Regierungsrat war Oehry Projektleiter in der Personalabteilung bei der Hilti AG.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Oehry: Das eine wichtige Grundlage war stets machen-lassen. Wenn man uns Jungs mit einem Fahrrad, einer alten Motorsäge und Werkzeug einfach machen liess, so liess das selbergebaute Moped nicht lange auf sich warten. Die andere war an-einen-glauben. Gerade in der Lehre durfte ich dieses Vertrauen erfahren, als ich im Sondermaschinenbau mit selbständiger Lösungsfindung beauftragt wurde.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Oehry: Die Frage ist, ob es – insbesondere vor dem damals bestehenden System und seinen kaum bestehenden Freiheiten zur individuellen Förderung – einen Unterschied gemacht hätte, aber die Erkenntnis, dass insbesondere in Bereichen, in denen ich mich schwertue, mir der Zugang über die Praxis sehr hilft, hätte helfen können. So waren Sprachen nie meins, weder Deutsch noch Französisch. Als ich dann im Beruf eine praktische Anwendung für Englisch hatte, machte ich plötzlich überraschende Fortschritte.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Oehry: Selbstverständlich bin ich immer noch gespannt, wo in mir noch Begabungen liegen, derer ich mir nicht bewusst bin, weil ich sie noch nie einsetzen musste. Und in diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, als Privatperson und als Bildungsminister, wie erkennt man bei sich und bei anderen Begabungen, ohne auf einen dieser Zufälle warten zu müssen, der eine davon freilegt. Es würde mich beispielsweise freuen, zu erkennen, dass ich eigentlich ein toller Fotograf bin.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Oehry: Der Versuch der Ausmerzung von Schwächen nimmt bei uns immer noch mehr Raum ein als die Förderung der Stärken. Eine solide Grundausbildung über alle Fächer und Themen hinweg, als gemeinsame Ausgangsbasis, ist wichtig. Ab einem gewissen Zeitpunkt sollten wir aber der individuellen Begabung mehr Platz zur Entfaltung einräumen. Darin, so bin ich überzeugt, liegt noch massives Potential, sowohl für jeden einzelnen als auch für Gesellschaft und Wirtschaft.