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Editorial zu Ausgabe 10: Erfülltes Leben, Zimt + Popperschule

Im Zentrum dieser – bereits 10. – Ausgabe dieses Newsletterprojekts steht ein Buch, das mich ab Jahreswechsel intensiv beschäftigt hat. Friedemann Schulz von Thuns Buch ist vor einigen Jahren erschienen und gleichermaßen klar und facettenreich.
Ebenfalls sehr empfehlenswert ist „ZIMT – das Magazin für die Psyche“. Gründerin Karina Grünauer erklärt im Interview das Konzept. Außerdem stellen wir die „Popperschule“ in Wien vor. Im Beitrag gibt’s einige Infos, die auch für jene interessant sind, die aus Alters- oder anderen Gründen nicht Teil der unmittelbaren Zielgruppe sind.
Danke fürs treue Lesen und Mitmachen bei XLNTTLNT, in der nächsten Ausgabe folgt hoffentlich die Ankündigung unserer ersten Community-Aktion.
Danke für persönliche Rückmeldungen – ich freue mich auf Dein Feedback via redaktion@xlnttlnt.net

MACHEN WIR MEHR DARAUS!

„Erfülltes Leben“ von Schulz von Thun: Kompakt und wirkmächtig

Wenn man den Namen „Friedemann Schulz von Thun“ hört, klingelt es in der Regel in den vier Ohren (bestens bekannt aus der Bestseller-Reihe „Miteinander reden“). „Erfülltes Leben“ ist bereits 2021 bei Hanser erschienen (2023 dann als Taschenbuch bei Goldmann). Es ist kein Buch über die Pandemie, aber sein Entstehen hängt damit zusammen.

Das Buch spricht gleichermaßen Menschen an, die sich auf der Suche nach Selbsterkenntnis befinden – unabhängig von Alter oder Lebensphase –, wie auch Fachkräfte im Coaching. In fünf Bereichen – Wunscherfüllung, Sinnerfüllung, Biografische Erfüllung, Daseinserfüllung und Selbsterfüllung – führt Schulz von Thun uns durch seine Überlegungen und flechtet gekonnt weitere Modelle ein. Immer wieder erwähnt er biographische Episoden und wie er sie jetzt sieht. Das macht einen weiteren besonderen Reiz aus. Man merkt, dass hier ein starkes und erfahrenes inneres Team am Werk war.

Fazit: Ein kleines, aber wirkmächtiges Buch für ein grundlegendes Thema – und eine Empfehlung um den Preis von etwa einem Mittagsmenü (je nach Land, Region und Steuersatz).

Medientipp: Vortrag von Frauke Niehues bei SpecialBrains

Die Hypnotherapeutin Frauke Niehues hat beim SpecialBrains NeuroBeats Event Anfang Jänner in Bonn vorgetragen.
Witzig und klar und persönlich erklärt sie Hochbegabung und was damit einhergeht bzw. einhergehen kann.
Ein aktueller und angenehmer Überblick. Hier der Videomitschnitt.

Going Munich: Jahrestreffen 2026 von Mensa in Deutschland

Von 08.-12. April wird München von hunderten hochintelligenten Menschen mehr bevölkert (quasi ein umgekehrtes Oktoberfest 😉 ).
Das Programm ist bereits hier online abrufbar, aktuell kann man sich für einzelne Veranstaltungen registrieren. Die endgültige Zuteilung erfolgt in einem mehrstufigen Prozess.
Das Organisationsteam hat ein sehr breites Programm zusammengestellt und bemüht sich auch sehr um Barrierefreiheit.
Auch (Noch-)Nichtmitglieder – Gäste/Kinder/Partner:innen – sind herzlich willkommen, müssen sich aber jedenfalls anmelden.

Medientipp: ZIMT für psychische Gesundheit – Gründerin Karina Grünauer im Interview

ZIMT ist ein unabhängiges Online-Magazin über die Psyche, mit dem Ziel, psychische Gesundheit in den Mittelpunkt junger Menschen zu bringen. Das Projekt wurde (ebenso wie XLNTTLNT.net) im Rahmen der Wiener Medieninitiative gefördert.
Ein Gespräch mit Karina Grünauer, die gemeinsam mit gemeinsam mit Jana Reininger da Rosa ZIMT gegründet hat. Und eine Empfehlung!

Inwieweit seht ihr euch als Online- bzw. als Printmagazin?

Karina Grünauer: Wir haben als Onlinemagazin mit starker Social-Media-Präsenz gestartet, aber eigentlich war unser Ansatz von Anfang an: Wie erreichen wir unsere Zielgruppe über möglichst viele Kanäle? Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen empfinden dieses ständige Online-Sein oft als überfordernd. Deshalb haben wir 2024 unser Printmagazin ins Leben gerufen – mit weitestgehend zeitunkritischen Themen, vielen Long Reads, die man in Ruhe auf der Couch, im Bett oder in der Badewanne lesen kann, ohne Ablenkung. Das Heft erscheint halbjährlich.
Wem dieser Turnus zu lang ist, der findet ein- bis zweiwöchentlich neue Geschichten online. Wir arbeiten dort in Schwerpunkten: Zu jedem Thema gibt es mindestens ein Porträt oder eine Erfahrungsgeschichte, eine größere Recherche, die gesellschaftliche Zusammenhänge kritisch hinterfragt, sowie einen Meinungsbeitrag – zum Beispiel ein Expert:inneninterview. Wir verstehen uns also als beides: Print und Online ergänzen sich bei uns.

Wie wichtig ist der Newsletter unter euren Produkten?

KG: Sehr wichtig. Die zweiwöchentliche Newsletterkolumne ist für uns ein direkter Draht zu unseren Leser:innen. Darüber können wir gezielt Themen setzen, die sie und uns gerade beschäftigen, teilen Lese- oder Hörempfehlungen zu psychologischen Themen und bleiben im Austausch.
Exklusiv für Abonnent:innen haben wir zusätzliche Formate – etwa eine persönliche Kolumne von Erfahrungsexpert:innen oder direkte Einblicke in die Psychotherapie. Das Angebot variiert, aber der Hauptnewsletter von der Redaktion bleibt konstant.
Der Newsletter ist auch deshalb strategisch wichtig, weil wir alle nicht wissen, wie sich Big Tech weiterentwickeln wird. Mit kritischen Beiträgen könnten wir eines Tages in sozialen Medien gar nicht mehr ausgespielt werden. Der Newsletter gibt uns Unabhängigkeit.

Was können Menschen, die sich für Begabungs- und Talenteförderung interessieren, von ZIMT mitnehmen?

Karina Grünauer: Bei uns gibt es nicht nur Schreibtalente, sondern auch „Erfahrungstalente“. Im Rahmen der ZIMT Recherchewerkstatt unterstützen wir vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen dabei, erste journalistische Schreiberfahrung zu sammeln.
Ungefähr quartalsweise treffen wir uns physisch. Dort pitchen uns die Teilnehmenden Themen, die sie als Betroffene oder Angehörige beschäftigen und in die sie sich journalistisch vertiefen wollen. Wir helfen bei der Themenausarbeitung, Recherche, Verschriftlichung und ersten Publikation. Die besten Geschichten schaffen es sogar in die Printausgabe.
Unser Ansatz: Ein Talent hat jeder, man muss sich nur die Zeit nehmen, es zu finden.

Ein ZIMTMAGAZIN-Abo bzw. der Versand nach Deutschland, in die Schweiz, nach Italien oder Liechtenstein – zu welchen Konditionen ist das möglich?

KG: Da wir deutschsprachig sind, fokussieren wir uns auf den D-A-CH-Raum. Wir sind ein sehr kleines Team, und der Vertrieb in viele verschiedene Regionen bindet unverhältnismäßig viele Ressourcen. Unser Fokus liegt daher auf Deutschland und Österreich – auch wegen des Euro, das macht Abrechnung und Steuern einfacher. In die Schweiz versenden wir aber auch.
Bei den Versandkosten sind wir leider den horrenden Gebühren der österreichischen Post ausgeliefert, gerade weil unser Heft knapp 100 Seiten stark ist: Österreich kostet 3,10 Euro, Deutschland 6,50 Euro, Schweiz 8,20 Euro. Das landet nicht bei uns, das verlangt die Post. Im Jahresabo übernehmen wir aber die Versandkosten für unsere Abonnent:innen.

Kennt ihr vergleichbare Angebote aus diesen Ländern? Was unterscheidet euch?

Karina Grünauer: Es gibt teilweise Magazine, die sich mit Psychologie oder Achtsamkeit beschäftigen, wobei es gerade bei Letzterem einen Rückgang gibt. Aber: Wir sind das einzige Magazin im deutschsprachigen Raum, das gezielt eine junge Zielgruppe anspricht und die Themen möglichst optisch ansprechend und barrierearm aufbereitet – damit nicht nur Menschen mit Studium Zugang zu diesen Inhalten haben.
Psychische Belastungen und Erkrankungen betreffen praktisch alle Menschen, wenn man nahestehende Personen miteinbezieht, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Bildungsgrad. Das wollen wir mit unserem Magazin vermitteln.

Lesen/nutzen ZIMT eher „Betroffene“/Angehörige/Therapeut:innen/sonstige Interessierte? Gibt es dazu Daten?

KG: Es ist recht ausgewogen. Social Media nutzen vor allem Betroffene, das Magazin – ob online oder print – erreicht alle Gruppen ungefähr gleich stark. Bei Print bekommen wir besonders viel positives Feedback aus den Reihen der Profis: wie gut aufbereitet die Themen sind, wie fundiert die Recherchen.
Im Zeitschriftenregal sticht ZIMT ohnehin ins Auge – durch das außergewöhnliche Format und Papier. Das spricht alle an: Betroffene, Angehörige, Professionelle.

Habt ihr Angebote für Schulen?

KG: Daran arbeiten wir gerade. Im vergangenen Jahr haben wir speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Zusammenarbeit mit pro mente Workshops angeboten – rund um Mediennutzung und Media Literacy. Heuer möchten wir das gerne ausbauen.
Die Entwicklungen um KI, News Bombing und Desinformation sind extrem und haben starken Einfluss auf die Psyche. Da möchten wir unterstützen und aufklären.

Was plant ihr für 2026? Auch Offline-Formate?

KG: Wie erwähnt möchten wir den Workshopbereich ausbauen. Wir brauchen unbedingt einen gesünderen Umgang mit den Entwicklungen in unserer Gesellschaft – immer mehr Menschen halten das nur schwer aus, erkranken regelrecht an den Systemen. Da möchten wir aufklären und die Brücke sein zu Entstigmatisierung und entsprechenden Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten.
Die massiven Kürzungen im österreichischen Sozialbudget, insbesondere in Wien, sind auch bei uns angekommen. Wir versuchen gegenzusteuern, sind aber gleichzeitig auf finanzielle Unterstützer:innen angewiesen, um unsere Arbeit aufrechterhalten zu können. Deshalb sind wir auch Teil der Bewegung zum gemeinwohlorientierten Journalismus in Österreich.
Außerdem planen wir weitere Veranstaltungen und Moderationen – Offlineformate, in denen wir über die Psyche sprechen. Das Jahr ist noch jung, wir haben viel vor. Aber wir schauen auch, was auf uns zukommt, und bleiben flexibel.

Vielen Dank und alles Gute!

Popperschule: Ein langjähriger, gelungener Versuch

Bereits 1998 gegründet, ist die Sir Karl Popper Schule für Hochbegabte als Teil des Wiedner Gymnasiums in Wien im rechtlichen Sinn nach wie vor ein Schulversuch. Das ermöglichte dem Team die laufende und flexible Anpassung des Angebots. Laufend würden pädagogische Feinheiten justiert, erzählt Direktor Edwin Scheiber. „Wir legen besonderen Wert auf personenorientierten und differenzierten Unterricht. Jeder Schulstandort kann davon profitieren, wenn man sich mit dem Thema Begabungsförderung stärker beschäftigt.“

Die Schule ist auf die Sekundarstufe beschränkt (9.-12. Schulstufe). Pro Jahr werden 48 Kinder aufgenommen, insgesamt besuchen rund 190 Kids die Schule. Potenzial gäbe es wohl für mehr als eine derartige Schule in Österreich. Aktuell ist der Einzugsbereich de facto auf Ostösterreich beschränkt.
Eine Besonderheit ist ein höherer Anteil jüngerer Schülerinnen und Schüler, als es der Klassenstufe entsprechen würde. Rund ein Drittel haben bereits davor eine Klasse übersprungen. Vereinzelt finden sich auch 12jährige in der 5. Klasse.

Schüler:innen und Eltern wirken im „Popperforum“ mit, aus den Anregungen daraus wurde u.a. das Fach „Kommunikation & Sozialkompetenz“ entwickelt. „Auch die Formen der Beteiligung entwickeln wir laufend weiter. Künftig sollen eher Open Space Veranstaltungen die Weiterentwicklung der Schule begleiten“, erklärt Scheiber.
Ein Teil der mittlerweile rund 800 Alumni ist in einem eigenen Verein organisiert, was auch den generationenübergreifenden Austausch ermöglicht.

Für das aufwändige Aufnahmeverfahren bewerben sich übrigens mehr Burschen als Mädchen, allerdings ist das Geschlechterverhältnis dann in den Klassen ausgeglichen.
Die Bewerbungsfrist für 2026/27 endet am 21. Februar. www.popperschule.at

treffpunkt.BILDUNG #9  im Wiener Education Lab

Am Donnerstag, 26. Februar 2026, lädt das Education Lab in Wien ab 18 Uhr wieder zum „treffpunkt.BILDUNG„. Einen Abend lang geht es darum, wie Resilienz in Zeiten von Multikrisen gestärkt werden kann und welche Rolle Lernen, Schule und Fehlerkultur dabei spielen.

Der Abend verbindet persönliche Erfahrungen, Forschung und Bildungspraxis und lädt zum Mitdenken, Austauschen und Vernetzen ein. Partner sind Bildung Tomorrow, die Mega Bildungsstiftung und TGW Future Wings.

Hier geht’s zur Anmeldung (kostenlos).