Schlagwortarchiv für: ausgabe07

Editorial zu Ausgabe 07: Rapid, Weisband und Jahreswechsel

Diesmal gibt es eine besondere Kombination von Beiträgen zu entdecken: Der österreichische Fußball-Rekordmeister SK Rapid gewährt Einblicke in die Auswahl und Förderung von Talenten. Im 4-Fragen-Interview erzählt Marina Weisband ihren persönlichen Zugang zu ihrer Begabung.
Und Positionierungs-Coach Cornelia dal Sasso bringt in einem Gastbeitrag ein paar Sichtbarkeits-Impulse für das neue Jahr.

Sichtbarkeit und Impulse sind zwei gute Stichworte. Auch für dich – geschätzte Leserin, geschätzter Leser! Damit verbinde ich eine Bitte. Dieses Newsletter-Projekt „lebt“ von Weiterempfehlungen. Persönlich, digital oder viral. Bitte unterstützte uns dabei und gib weiter was dir gefällt. Und was du zusätzlich haben möchtest, Gedanken etc. – die gib bitte an mich weiter, und zwar an redaktion@xlnttlnt.net

Am 7. Januar 2026 (ausnahmsweise einem Mittwoch) geht es hier wieder weiter.
Bis dahin wünscht alles Gute, frohe Weihnachtszeit und angenehmen Jahreswechsel:

Thomas Goiser

Stärke(n) aufs Spielfeld bringen: Talenteförderung beim österreichischen Fußball-Rekordmeister Rapid

Der Sportklub Rapid ist ein Wiener Fussballverein und mit 32 Meistertiteln österreichischer Rekordmeister. Aktuell haben die traditionsbewussten Grün-Weißen erstmals mehr als 25.000 Mitglieder und sind auch damit österreichischer Spitzenreiter. Seit 2022 existiert eine eigene Abteilung für Frauen. Der Aufbau von Nachwuchs hat im Verein einen hohen Stellenwert.
Willi Schuldes (Head of Academy & SK Rapid Women) gab dazu Auskunft – ein besonderer Einblick über Talenteförderung für den Spitzensport.

Wer sich der Ausbildung bei Rapid unterzieht, verbringt viel Zeit im Training und mit dem Verein, etwa in einer Akademie mit Kooperationsschulen bzw. -Lehren. Das bedeutet sechs bis acht Mal pro Woche Training und wenig Freizeit für andere Aktivitäten. Wer voll einsteigt, stellt Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten um, hier unterstützt der Verein mit umfassender Begleitung inkl. Persönlichkeitsbildung, Sportmedizin, Sportpsychologie und Ernährungsberatung.
Im Lauf der Zeit orientiert man sich bei den Jugendlichen in der Ausbildung stark an den Positionen, an denen sie eingesetzt werden und wie der in Zukunft erwartete Bedarf sein wird. Besonders ausgeprägte Stärken (intern werden sie gerne umgangssprachlich durch die Wettkampfsituation „Waffen“ genannt) sollen später am Spielfeld den Unterschied machen.

Im Rahmen der Ausbildung erhalten junge Talente auch Schulungen im Bereich der Persönlichkeitsbildung und den klassischen Rapid-Werten, den vereinsinternen Tugenden, vermittelt. Alle Beteiligten versuchen diese Werte ständig vorzuleben. Bereits die 13-14jährigen besuchen das Vereinsmuseum und übernehmen im Stadion bei Spielen Aufgaben als Ballbuben bzw. -Mädchen.

Der Frauenfussball befindet sich bei Rapid Wien im Aufbau – die langfristige Vision sind zwei gleich starke Akademien. Dazu werden auch Trainerinnen auf dem richtigen Niveau mit der passenden Motivation gesucht.
Demnächst soll es – für alle – noch mehr individuelle Betreuung beim Training geben.

https://www.skrapid.at/verein/nachwuchs/

Mut zur Positionierung! – Gastbeitrag von Cornelia dal Sasso

Meine erste Buchhaltung habe ich im Schuhkarton abgegeben. Ich habe mich geschämt, bis ich die Freude meiner Buchhalterin Andrea gesehen hab. Es war, als hätte ich ihr ein Weihnachtsgeschenk überreicht. Ihre Augen leuchten und ich hatte das Gefühl, dass sie es gar nicht erwarten konnte, ihn zu öffnen, die Belege zu sortieren und zu tun, was man eben so macht als Buchhalterin.

„Wie kann man sich nur so über einen Karton voller Belege freuen?!“, fragte ich sie. Sie hat gelacht und gesagt: „Ganz einfach. Schon als Kind habe ich gerne sortiert, geordnet und selbst im größten Chaos den Überblick behalten. Ich liebe das! Für mich ist das ganz leicht und macht echt Spaß!“

In dem Moment war mir klar, dass ich keine bessere Buchhalterin finden würde. Wie gut, dass Andrea sich dieses Talent bewahrt hat. Wie leicht hätte sie sich das ausreden lassen können: „Sortier doch nicht schon wieder alles!“, „Mach mal was Sinnvolles!“, oder: „Nimm dich doch nicht so wichtig mit deiner Ordnungsliebe!“ oder „Schön langsam wirst du echt zum Monk!“
Solche Sätze bekommen viele Kinder zu hören, deren Talente aus dem Rahmen fallen oder unerwünscht sind.

Andrea hat sich davon nicht beirren lassen. Sie hat ihre Freude am Strukturieren behalten und daraus ihr berufliches Zuhause gemacht.

Mut zur Positionierung beginnt genau da:
Bei der ehrlichen Anerkennung dessen, was uns anders macht und wer wir wirklich sind. Andrea hätte sich ja auch denken können: „Sortieren, ordnen, strukturieren – das kann doch jede*r.“ Hat sie aber nicht. Sie hat verstanden, dass genau darin ihr Wert liegt und sie damit Menschen wie mich rettet.

So findest Du den Mut, Dich zu positionieren:

  1. Recherchiere, was Dich anders macht.
    Finde heraus, was Du schon als Kind gut konntest. Frag Deine Familie oder Menschen, die Dich schon lange kennen: Womit habe ich Euch früher überrascht? Was konnte ich, ohne es zu üben?
  2. Finde Orte, an denen Du wertvoll bist.
    Mut braucht Resonanz. Finde Umfelder, in denen Deine Talente gebraucht und geschätzt werden. Das kann ein Netzwerk sein, ein Team, ein Projekt oder eine Community, in der Andersartigkeit als Stärke gilt.
  3. Bezieh Position und nimm sie in Besitz.
    Sag wofür Du stehst, was Du besonders gut kannst und wofür Dich andere kennen sollen.

Positionierung ist keine Angeberei, sondern ein Angebot: Du hilfst Menschen, Dich zu finden, weil Du klar sagst, wofür Du da bist.

Warte nicht bis andere Dich und Deine Talente erkennen. Bestimme selbst und positioniere Dich. Denn damit machst Du nicht nur Dein Leben lebenswerter – Du hilfst auch anderen, ihre Talente zu leben.
Weil sie sich dann nicht mehr mit Schuhkartons voller Belege aufhalten müssen.

Cornelia dal Sasso ist Markenstrategin, Wirkungsprofilerin, Positionierungscoach und Unternehmerin seit 2012. Sie unterstützt Unternehmer*innen und Führungskräfte dabei, ihren unverwechselbaren AndersFaktor® zu entdecken und zur gefragten Persönlichkeit zu werden. Mit ihrem Fokus auf Positionierung, Wirkung und authentisches Personal Branding entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund*innen Strategien, einprägsame Botschaften und klare Fahrpläne für Sichtbarkeit und Unverwechselbarkeit. In ihrem Unternehmer*innenClan bietet sie einen Ort, um sich auszuprobieren, zu wachsen und unternehmerisch weiterzuentwickeln. https://www.cornelia-dalsasso.at/ 

Medientipp: Video-Dialogpodcast Talking about Talent

Barbara Saring aus München und Katja Higatzberger aus Mödling betreiben den Video-Podcast „Talking about Talent“. Im Dialog miteinander besprechen und beschreiben sie in kompakten Folgen von bis zu 15 Minuten immer wieder einmal unterschiedliche Themen im Zusammenhang mit Hochbegabung.
Die Konzepte, Modelle und Phänomene sind vor allem für Bildungs- und Erziehungswesen interessant, aber auch Ältere können davon profitieren.
Mit Dezember 2025 sind 15 Folgen online – hier auf YouTube sowie als übersichtlicher Linktree.

 

4 Fragen an … Marina WEISBAND (Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung)

Marina Weisband, geboren 1987 in der Ukraine, ist Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung. Von 2011 bis 2012 war sie politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Heute ist sie weiter politisch aktiv, engagiert sie sich bei den Grünen in den Themenbereichen Digitalisierung und Bildung und kämpft für Kinderrechte. 2020-2022 war sie Co-Vorsitzende des Digitalisierungsvereins D64 e.V.
Sie ist Autorin mehrerer Bücher, z.B. „Wir nennen es Politik – Ideen für eine Zeitgemäße Demokratie“ (2013, Tropen); „Frag uns doch – Ein Jude und eine Jüdin erzählen aus ihrem Leben“ (2020, Fischer, mit Eliyah Havemann), „Was uns durch die Krise trägt“ (2023, wbg, mit Frido Mann) und „Die neue Schule der Demokratie“ (2024, Fischer).

Hauptberuflich gestaltet sie seit 2014 das Projekt aula – inzwischen aula gGmbH – ein Konzept zur politischen Bildung und liquid-demokratischen Beteiligung von Jugendlichen an den Regeln und Angelegenheiten ihrer Schulen und außerschulischen Organisationen (www.aula.de)
Darüber hinaus hat sie eine regelmäßige Radiokolumne beim Deutschlandfunk und berät zu verschiedenen Aspekten von digitalem Wandel und Demokratie. Sie berät Unternehmen und Filmschaffende zu Fragen der Diversität und Beteiligung.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Ich war als Kind eher schüchtern und introvertiert. Erst Rollenspiel hat mir gezeigt, dass ich – in einer Rolle zunächst – auftreten, sprechen, Raum einnehmen kann. Fürs Rollenspiel habe ich Kunst, Handwerk, Nähen angefangen. Und dann konnte ich aus dem spielerischen Raum in den echten gehen und dort glänzen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Ich wäre froh, wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich ADHS habe und nicht „faul“ oder „respektlos“ bin. Mit den richtigen Werkzeugen kann ich mein Leben sogar fast so gut organisieren wie normale Menschen! Vor allem kann ich aber ganz andere Dinge gut. Und das hätte man früher als Stärke begreifen können.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich weiß noch immer nicht, was „Begabung“ ist. Was nützte es mir als Kind, „hochbegabt“ zu sein, wenn ich nicht die Aufmerksamkeitssteuerung hatte, wirklich etwas damit zu erreichen? Ist Begabung mehr wert als Passion und stetige Übung? Und wenn nicht, warum sprechen wir dann über sie?

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Jeder Mensch ist begabt. Wir neigen dazu, das im akademischen Bereich zu sehen und entlang einer eindimensionalen Schiene zu arrangieren – von Gut nach Schlecht. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht begabt war. Und alle diese Begabungen verdienen Förderung. 

Digitale Advent(s)kalender

Pünktlich zum Adventsbeginn: Die Website BEGABUNGSLOTSE aus Deutschland hat eine Sammlung von digitalen Advent(s)kalendern mit unterschiedlichen Rätseln und veröffentlicht, die alle kostenlos zugänglich sind. Hier das Angebot: Virtuelle Adventskalender

Natürlich ist auch ein späterer Einstieg gerne möglich. Viel Spaß und Erfolg bei der Anwendung!