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Editorial zu Ausgabe 05: Novembernebel? Mitnichten!

Das waren nun zwei intensive Wochen: Mit einem inhaltlich beeindruckenden ÖZBF-Kongress in Salzburg, spannenden Kontakten und Begegnungen.
Und mit großer Offenheit für das Thema Begabungs- und Talenteföderung bei allen, die ich dazu anspreche.
Das bringt hier eine Reihe von spannenden Persönlichkeiten und Themen – in dieser Ausgabe und „in der Pipeline“ für die nächsten.

Machen wir mehr daraus. Bleib dran!

ÖZBF-Kongress hat positiv emotionalisiert; Terminausblick 2026-2028

Der ÖZBF-Kongress 2025 hat auf Emotion und Hochbegabung gesetzt, und seinen Zweck erfüllt: Mehr als 400 Gäste an drei Tagen erleben 120 Beiträge, die das gesamte Spektrum abdeckten, von frühkindlicher Bildung bis zur Förderung akademischer Talente an Universitäten. Der Tagungsband, der im Waxmann Verlag erscheinen soll, wird voraussichtlich Anfang 2027 vorliegen.

Aktuell sind bereits die Folien von zwei der vier Hauptvorträge online:

Als nächstes bietet sich für die Reise- und Terminplanung der begabungs-engagierten Community an:

Was Spezialbegabung und Höchstleistung anzieht: Recruiting beim CERN

XLNTTLNT.net hat beim CERN in Genf nachgefragt, worauf dort bei Bewerbungen für wissenschaftliche Positionen besonders geachtet wird.
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte und Kriterien der oft mehrstufigen Auswahlprozesse:

Junge Wissenschafter:innen in Fellowships, Student oder Doctoral programmes erhalten besonders strukturiertes Training, die Möglichkeit ihre Ergebnisse entsprechend zu publizieren und die Chance zur Teilnahme an globalen wissenschaftlichen Kooperationen. Für viele ist das die Basis für eine langjährige erfolgreiche Karriere an Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen.

Am CERN setzt man beim Recruiting auf wissenschaftliche Exzellenz, technische Fähigkeiten und Teamfähigkeit und bei jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftern besonders auf Motivation und Wissbegierde. Dabei kommt ein multidisziplinäres Auswahlkomitee zum Einsatz. Bewerberinnen und Bewerber können sich u.a. darauf einstellen, dass ihre Publikationen und Projektbeiträge reviewed werden, sie zu Präsentationen ihrer letzten Arbeiten eingeladen werden und Referenzen überprüft werden. Video-Interviews, Tests und die Lösung von Fallbeispielen gehören teilweise auch dazu.
Mit dem Auswahlkomitee diskutieren die Bewerberinnen und Bewerber auch ihre künftigen wissenschaftlichen Interessen und Vorhaben. Außerdem wird die Team- und Kollaborationsfähigkeit evaluiert. Denn die Arbeit erfolgt in diversen und multikulturell geprägten Teams. Fachliche Exzellenz ist die Basis, darüber hinaus sind die Offenheit das Wissen zu teilen, Teamfähigkeit, Neugier und die Fähigkeit zu kreativen Problemlösungen wichtig.

Wer aufgenommen ist, profitiert vom Mentoring durch erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Zugang zu Weiterbildung (technisch und persönlichkeitsbildend), wissenschaftlichen Konferenzen und Workshops.

Medientipp: Podcast „130 und mehr – Reden über Hochbegabung“

Lina Holzmann und Erwin Klein sind Mitglieder bei Mensa in Deutschland. Im Podcast 130 und mehr erzählen sie über ihre Erfahrungen und Erlebnisse und sprechen mit Gästen über spezifische Aspekte des (Zusammen-)lebens mit Hochbegabung.
„130 und mehr“ ist ein generationenübergreifendes Projekt und sehr sympathisch und engagiert präsentiert. Seit September 2024 sind rund 20 Episoden entstanden.

4 Fragen an … Walter Werzowa (österreichisch-amerikanischer Komponist, Audio-Branding-Pionier und Professor an der mdw)

Univ.-Prof. Walter Werzowa ist ein österreichisch-amerikanischer Komponist, Audio-Branding-Pionier und Professor an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er komponierte unter anderem das ikonische Intel-Logo („Intel Bong“), Filmmusik in Hollywood und Beethovens 10. Symphonie mithilfe von KI. Mit seinem Projekt HealthTunes verbindet er Musik, Wissenschaft und Technologie zu evidenzbasierter „MusicMedicine“. Mehr zu Walter Werzowa hier.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Ich habe sehr lange an meinen Fähigkeiten gezweifelt. Ich habe mich stets mit den Besten an der Universität verglichen – und es gibt in jedem Fach immer jemanden, der besser ist.
Trotzdem wusste ich immer, dass ich im musikalischen Umfeld tätig sein will und werde. Rückblickend kann ich sagen, dass gerade diese Zweifel ein großer Antrieb für mich waren.
Ich wünsche jedoch allen Leserinnen und Lesern, dass sie früher Frieden mit ihren eigenen Talenten schließen können.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Meine Eltern waren immer sehr fördernd, und anspornend, ich wünschte mir sie hätten mit mir musiziert.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Ein wichtiger Aspekt ist, dass wir nicht nach Perfektion suchen sondern nach Freude in der Umsetzung und dem eigenen Talent finden. Wir müssen auch Raum für “creative accidents” lassen.
Diese ermöglichen oft Quantum Sprünge in der Kreativität.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Für mich ist hier das Wichtigste dass wir vom Werten und beurteilen ablassen. Im Zuge der Beurteilung wird vor allem hier mit Europa oft “shaming” eingesetzt dass für Selbstvertrauen und Kreativität so gut wie tödlich ist.
Hier sollten Lehrer, Professoren und Eltern sich selbst analysieren ob sie manchmal unterschwellig diese Waffe einsetzen.

 

Online-Konferenz am 25.11.: „Partizipation und Potenzialentfaltung“

Einen sehr breiten Themenbereich wird die digitale Tagung „Karg Connected“ der Karg-Stiftung abdecken, die zum 4. Mal stattfindet: „Partizipation und Potenzialentfaltung: Demokratie leben – Begabungen fördern – Bildung gestalten“. Ganztägig wartet ein umfangreiches und vielfältiges Programm, das die einzelne Stufen in Kindergarten und Schule abdeckt. Zusammenhänge von Beteiligung und Begabung, werden in Vorträgen, Workshops und Diskussionen online bearbeitet.

Die Abstracts sind bereits verfügbar, die (kostenlose) Anmeldung ist hier möglich.

Hochbegabung, die — Grammatikalisch ist Hochbegabung weiblich

Über die Autorin: Alexandra Beran arbeitet als Ärztin und als Systemische Beraterin und Therapeutin. Mit ihrer fast 20-jährigen Erfahrung im Bereich Hochbegabung berät sie Einzelpersonen, Familien und Unternehmen zum Thema Hochbegabung. „Hochbegabung in allen Lebenslagen“ ist ihr Motto! Denn Hochbegabung spielt in allen Lebensbereichen eine Rolle. Nicht nur in Schule oder Beruf, sondern auch in der Freizeitgestaltung, Freundeskreis, Medizin, Partnerschaft und manchmal bis hin in die Sexualität.
Alexandra Beran ist gut mit hoch- und höchstbegabten Menschen vernetzt und ihr Netzwerk im Bereich Wirtschaft und Politik wächst stetig. Sie ist Co-Autorin des Buches „Innovationen — Frauen schaffen Zukunft“, und war Studiogast bei „Arte Saloon“ zum Thema Intelligenz. Sie hält Vorträge bei der Bundesagentur für Arbeit in Mainz, dem Zentrum für Lehrerbildung in Kaiserslautern, in Kliniken, bei der Friedrich-Naumann Stiftung u.v.m. www.alexandra-beran.de 

Stellen Sie sich vor, Sie werden zu einer Veranstaltung von und mit hochbegabten Menschen eingeladen. Sie überlegen, wem sie dort begegnen werden, welche Gesprächsthemen es wohl geben wird und vielleicht ist Ihnen auch ein kleines
bisschen mulmig zumute, bei dem Gedanken, dass da so viele hochintelligente Menschen anwesend sein werden. Sie betreten den Raum und er ist voll mit… Frauen!
Hätten Sie das erwartet?

Warum hochbegabte Frauen oft unsichtbar bleiben
Die Intelligenz ist bei Männern und Frauen etwa gleich verteilt und doch treten hochbegabte Frauen weniger in Erscheinung. Woran liegt das?
Zum einen verbindet die Gesellschaft Intelligenz eher mit dem männlichen Geschlecht. Möglicherweise weil Männer sich mehr zeigen. Besonders deutlich nehmen wir Hochbegabung bei Quizshows wahr. Und nahezu alle Profi-Quizzer sind männlich.

Zum anderen ist Anpassung ein großes Thema. Anpassung an die Norm. Das heisst, das schnelle Denken zügeln, die Sprechgeschwindigkeit drosseln, Small Talk halten, etc.
Das ist natürlich nicht nur bei Frauen so, aber sie können aufgrund sozialer Rollenbilder oder Erziehung wahre Meisterinnen der Anpassung sein. In extremen Fällen wissen sie gar nicht, wie und wer sie selbst wirklich sind. Und da sie es gewohnt sind, sich schon ab der Kindergarten- und Grundschulzeit ihrem Gegenüber stets anzupassen, fällt es ihnen selbst überhaupt nicht mehr auf.

Weniger Anpassung, mehr Sichtbarkeit!
Anpassung ist sehr energieraubend und kann über Jahre hinweg zu massiver Erschöpfung, dem gleichzeitigen Auftreten von Boreout und Burnout oder sogar zu
Depressionen führen.

Hinzu kommt, wenn hochbegabte Frauen stets angepasst sind, sind sie mit ihrer Hochbegabung für andere Menschen, sogar auch für andere Hochbegabte, nahezu unsichtbar und sie werden als merkwürdig oder seltsam wahrgenommen. Das ist fatal! Denn es ist für alle Menschen, egal ob hochbegabt oder nicht, wichtig, im passenden Umfeld zu sein, um Zugehörigkeit zu erleben, ihr Potenzial entfalten zu können und um soziale und emotionale Anbindung zu erfahren.
Deshalb ist es zwingend notwendig, um die eigene Hochbegabung zu wissen, dies gilt für alle Geschlechter. Es hat positive Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche, sowie die körperliche und psychische Gesundheit.

Hochbegabte Menschen sind anders in ihrer Wahrnehmung, Geschwindigkeit, Intensität, Denken, etc. Sie weichen damit von der Mehrheit ab. Das ist nicht schlechter oder besser. So wie sie sind, sind sie völlig in Ordnung, sie gehören
lediglich einer Minderheit an. Sich dessen bewusst zu sein ist wichtig. Denn es erklärt, weshalb sie manchmal nicht verstanden werden, z.B. in ihren Werten, Planungen, Ideen…
Wenn sie sich dieses Andersseins bewusst sind, erklärt sich fast schon von selbst, weshalb manche Handlungen als anstrengend oder unangenehm empfunden und dann vermieden werden oder weshalb es vielleicht zu Missverständnissen kommt.

Ein neues Leben!
Wenn sich Frauen ihrer Hochbegabung bewusst sind, können sie so manches aus einer anderen Perspektive betrachten. Situationen, Kommentare, Erlebnisse, die zuvor vielleicht als abwertend, bloßstellend oder schwächend wahrgenommen wurden, können nun anders eingeordnet werden. Es gibt ein Erklärmodell dafür und damit verlieren solche Erlebnisse ihre schwächende Wirkung. Selbstzweifel schwinden, wenn ein Austausch mit anderen hochbegabten Frauen möglich ist.

Oftmals starten Frauen nach der Entdeckung ihrer Hochbegabung beruflich richtig durch. Entweder im vorhandenen Job oder sie beginnen etwas völlig Neues. Sie haben dann mehr Energie zur Verfügung, weil sie sich Räume und das passende Umfeld schaffen können, wo keine Anpassung notwendig ist — wo sie „sein“ dürfen, einfach so wie sie sind. Dies und noch einiges mehr trägt dazu bei, dass Frauen ein anderes Bewusstsein für sich entwickeln können und mehr Selbstwirksamkeit erfahren können. Die positiven Auswirkungen sind auch in der Familie spürbar, so können Mütter, die sich mit ihrer eigenen Hochbegabung gründlich auseinandergesetzt haben, ihre Kinder besser bei den Herausforderungen mit deren Hochbegabung unterstützen.

Wie können wir hochbegabte Frauen und Mädchen erkennen? Und wie können hochbegabte Frauen sich selbst erkennen?
Jeder Mensch ist einzigartig, das gilt auch für hochbegabte Menschen. Nichts desto trotz sind es oftmals Kleinigkeiten und wenn diese sich häufen, sollte man an eine unerkannte Hochbegabung denken.

Hier einige Beispiele:
• Ein wacher, lebhafter Blick
• Gedanklich oft einen oder mehrere Schritte voraus sein, bei Planungen oder in Diskussionen
• Schnelles Sprechen, Gedankensprünge
• Viele Dinge gleichzeitig im Blick haben, beruflich und privat
• Viele oder konträre Hobbies oder Interessensgebiete
• Hohe Ansprüche an sich selbst und andere
• Neugierig, im Sinne von vielseitig interessiert sein
• Dinge ganz genau wissen wollen
• Smalltalk können, aber nicht mögen; lieber tief gehende Gespräche
• Sich selbst als widersprüchlich wahrnehmen oder von anderen so wahrgenommen werden
• Hochbegabte Familienmitglieder
• Routinetätigkeiten kosten viel Kraft und ermüden, z.B. Hausarbeit

Es lohnt sich, seinen IQ zu kennen!
Ist er in der Norm, ist es wunderbar.
Ist er außerhalb der Norm, sollten wir reden 😉