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EDITORIAL zu Ausgabe 03: XLNTTLNT wächst. Vielen Dank!

Hallo und an alle, die neu dabei sind!

Offenheit und Neugierde – das soll den Stil und Umgang hier prägen.
In einem Pitch habe ich einmal geschrieben: Hier trifft positive Psychologie auf konstruktiven Journalismus.

Und es läuft!

Die vergangenen Wochen waren von Präsentationen, Gesprächen und Recherchen geprägt. Eines führt zum anderen, und plötzlich ist man in Kontakt mit Persönlichkeiten, von denen man es nicht erwartet hätte.
Die kommenden Ausgaben sind bereits in Planung. Wenn du eine Idee für ein Thema oder einen Beitrag hast, bitte melde dich (redaktion@xlnttlnt.net).
Und bitte empfiehl uns weiter – persönlich oder durch Sharing der Beiträge. Spread the word!

Thomas

PS: Wer hat eine Idee, wo das Foto aufgenommen wurde? Ich freue mich auf Hinweise …

Begabten Gehirnen live beim Lernen zusehen – und daraus lernen

Ein Team an der Uni Tübingen forscht aktuell daran, wie sich intellektuell begabte Kinder im Grundschulalter bei Lernen und Informationsverarbeitung von Gleichaltrigen unterscheiden. Das Forschungsprojekt GIDEON steht für Giftedness, Development, and Education. MRT-Aufnahmen erfassen die Gehirnaktivität während des Ansehens von Lernvideos. Dieses Setting ist der Lebensrealität näher als z.B. Interviews oder strukturierte Gespräche und ermöglicht genauere Untersuchungen als etwa mittels EEG in Schulklassen. Damit will man die neuronalen Mechanismen aufdecken, die herausragende Lernergebnisse ermöglichen.
Die teilnehmenden Kinder wurden in Zusammenarbeit mit der Hector Kinderakademie ausgewählt.

Neurowissenschaftlicher Begleitkurs zur Studie 

Begleitend zur Studie wird ein neurowissenschaftlicher Kurs für die Kinder entwickelt, die an der Untersuchung teilnehmen. Damit will das Team unter der Leitung von Michiko Sakaki und Jessika Golle das Bewusstsein der Kinder für das eigene Potenzial zu stärken und dadurch Motivation und Lernerfolg zu unterstützen. So profitieren sie frühzeitig selbst von der Teilnahme.

Gastbeitrag von Birgit Hartel: Frühe Begabungen vor den Vorhang!

Birgit Hartel arbeitet als Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin in eigener Praxis in Wien (www.hochbegabung.wien) und als Trainerin in ganz Österreich. Sie studierte Psychologie, Pädagogik und Sonder- und Heilpädagogik. Ihre Themenschwerpunkte sind (Hoch-)Begabung, Lernen lernen und die persönliche Stärkenentwicklung. Sie ist diplomierte ECHA-Pädagogin (Expert in Educating the Gifted), mBETplus-Begabungscoach und Marte-Meo Therapist.
Hartel bringt ihre Erfahrungen als ECHA-Länderbeirätin für Wien und als stellvertretende Leiterin der Fachsektion Pädagogische Psychologie im Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) ein. (Foto: Sebastian Frank)

Die frühe Förderung von Begabungen erfährt in den letzten rund 15 Jahren deutlich mehr Beachtung. Erkenntnisse der Expertiseforschung über die Bedeutung eines frühen Einstiegs in eine Domäne legen eine interessen- und stärkenbezogene Förderung von Kindern schon vor dem Schuleintritt nahe. Aus den Bereichen Sport und Musik ist das hinlänglich bekannt. In der Regel liegt das Einstiegsalter zwischen dem dritten und achten Lebensjahr. Auch in akademischen Begabungsdomänen beginnt spätestens mit dem Schuleintritt im meist siebten Lebensjahr eine systematische Unterweisung. Einfühlsame Eltern (und ElementarpädagogInnen) reagieren jedoch bereits lange vor Schuleintritt auf die Interessen und den Wissensdurst junger Kinder und legen damit den Grundstein für eine „positive Wissensspirale beim Lernen“ (Ziegler, 2014, S. 101). Eine gut strukturierte Wissensbasis im vorschulischen Alter stellt eine notwendige Voraussetzung für spätere, schulische Lernprozesse dar. Begabte Kinder gelten dabei als erfolgreicher, Informationen aus ihrer Umwelt durch ausgeprägtes Explorationsverhalten zu integrieren. So kann bereits bei begabten Kindergartenkindern ein teilweise umfangreiches Spezialwissen beobachtet werden, das über die Lebensspanne hinweg bis zum ExpertInnenniveau ausgebaut wird. Gleichzeitig erwerben sie bereits früher Problemlösestrategien und höher ausgeprägte metakognitive Kompetenzen. Das Fähigkeitspotenzial eines Kindes rechtzeitig einzuschätzen, trägt somit zu einer entwicklungsangemessenen Begabtenförderung bei.

Kinder mit Hochbegabung brauchen Lernangebote, die zu ihrem Potenzial passen. Fehlen diese, drohen sinkendes Selbstvertrauen, Verhaltensauffälligkeiten, sozialer Rückzug oder psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Hochbegabtenförderung ist daher kein „Luxus“, sondern Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung – und in den Kinderrechten verankert.

Eltern hochbegabter Kinder spielen eine Schlüsselrolle in der Förderung ihrer Kinder, geraten dabei aber oft selbst unter Druck. Studien zeigen: Sie brauchen Wissen, Austausch und emotionale Unterstützung. Viele fühlen sich isoliert, unsicher in Erziehungsfragen und erschöpft, weil sie zwischen institutionellen Rahmenbedingungen (in Kindergarten oder Schule) und den individuellen Bedürfnissen ihres Kindes vermitteln müssen. Sie sind gefordert, immer wieder als „Anwälte“ ihrer Kinder aufzutreten – in Schule, Kindergarten oder sogar im Freundeskreis. Fachliche Beratung, mehr gesellschaftliche Anerkennung und der Austausch mit anderen betroffenen Familien helfen, diese Aufgabe gelassener und gestärkter wahrzunehmen.

Ein Angebot, das die Bedürfnisse der Eltern hochbegabter Kinder aufgreift, ist die online-Gruppenberatung „BeGIFTed!“ der Praxis Hartel-Elementar, die jedes Monat einem anderen Thema aus dem Alltag mit hochbegabten Kindern gewidmet ist.
Am 20.10.2025 dreht sich alles um die frühe (Hoch-)Begabtenförderung. Gastexpertin Sabine Wohlfahrt, Begabungspädagogin aus Kärnten, berichtet aus ihrer Praxis und gibt Tipps zur Förderung junger begabter und interessierter Kinder. Folgende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt: „Welche Rahmenbedingungen braucht es, um innerhalb der Familie eine begabungsfreundliche Umgebung zu schaffen?“ „Wie können Familien individuelle Stärken und Interessen fördern?“ Im Austausch untereinander entstehen sicher viele, einzigartige Förderideen! Und um die hochbegabten Eltern selber und ihre Bedürfnisse geht es übrigens am 24.11.2025.

Fazit: Hochbegabte Kinder benötigen passende Lernbedingungen – und ihre Eltern brauchen Rückhalt. Wer beides zusammendenkt, stärkt nicht nur das Potenzial der Kinder, sondern das gesamte Familienleben.

Literatur:
Hartel, B. (2021). Begabungsdiagnostik bei Kindergartenkindern. Psychologie in Österreich, 2, 147–155.
Ziegler, E. (2014). Talent und Begabung in der Kognitionspsychologie. In M. Stamm (Hrsg.), Handbuch Talententwicklung. Theorien, Methoden und Praxis in Psychologie und Pädagogik (S. 97-106). Bern: Huber.

12. Internationaler ÖZBF-Kongress: Jetzt wird’s emotional

Vom 6. bis 8. November 2025 findet an der Pädagogischen Hochschule Salzburg der nächste ÖZBF-Kongress zum Thema Emotion & Begabung” statt. Die Abkürzung ÖZBF steht übrigens für „Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung“. Dieser Kongress findet alle drei Jahre statt.

Der Fokus liegt diesmal auf dem emotionalen Erleben von Begabten und von Förderpersonen, Emotionen im Lern- und Leistungskontext sowie emotionaler Begabung und emotionaler Intelligenz. Tanja Gabriele Baudson (Charlotte Fresenius Hochschule), Thomas Götz (Universität Wien), Gerda Hagenauer (Universität Wien) und Claas Wegner (Universität Bielefeld) werden die Hauptvorträge halten.
XLNTTLNT wird berichten.

Club der Cleveren – regelmäßig hörbare Aufschlauung

In ihrem Podcast „Club der Cleveren“ spricht die Journalistin Elisabeth Eidenberger von den Oberösterreichischen Nachrichten regelmäßig mit Persönlichkeiten über ihre Motivation und Erfolgsstrategien.
In angenehmen Gesprächen sollen „Menschen, die einfach clever sind“ sollen Hörer:innen, die neugierig sind und über sich hinauswachsen wollen, erreichen.

Besonders empfehlenswert sind z.B.: die Folgen mit der Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia und dem Verhaltenswissenschafter Gregor Fauma.

All Hands on Deck beim Peter Drucker Forum in Wien

Von 6.-7. November ist die Wiener Hofburg Schauplatz des 17. Global Peter Drucker Forum. Unter dem Motto „All Hands on Deck” diskutieren hunderte hochkarätige Expert:innen Management- und Leadership-Herausforderungen.
Ein besonderer Fokus auf Begabungen ist in Panels wie „How the Next Generation of Leaders Are being Formed and Will Make Their Way”, “The New Sciences of Managing Yourself” oder “The Core of Leadership Excellence: Unlocking People’s Potential” zu erwarten.

Bereits am 5. November finden Masterclasses statt, darunter “Leading in Founders Mode – Lessons to learn from Steve Jobs and Werner von Siemens” (Thomas Sattelberger, früherer Staatssekretär in Deutschland und nunmehr Autor und Angel Investor), „From Potential to Success: Developing Extraordinary Leaders” mit Claudio Fernández-Aráoz (Executive Fellow, Harvard Business School) und “Think Like a Scientist: How to change your thinking to lead effectively in an uncertain world” mit (Amy Edmondson, Harvard Business School).

Mehr auf: https://www.druckerforum.org/2025/program

4 Fragen an … Rotraud Perner, Juristin, Psychotherapeutin/ Psychoanalytikerin, evangelische Theologin

Rotraud A. Perner ist eine österreichische Juristin, Psychotherapeutin/Psychoanalytikerin, evangelische Theologin und Hochschulpfarrerin im Ehrenamt. Ihr neuestes Buch „Die Parsifal-Frage“ über die Auflösung von Hass und Hochaggressionen über Attentäter und Anschläge ist soeben erschienen. Sie hat es gemeinsam mit ihrem Sohn Roman A. Perner verfasst. Weiterhin ist sie als Therapeutin und Vortragende tätig.
www.perner.info  (Foto: Robin Perner)

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Ab 1975, als ich mit 31 Jahren als Juristin meine erste Beratungsstelle gegründet habe und darauf kam, dass ich erfolgreicher erklären und beraten kann als die Sozialarbeiter:innen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Dass man mir mehr Gelegenheit zum Reden und Bereitschaft zum Zuhören bieten sollte – weil es nicht meine Art ist, ums Wort zu kämpfen (heute noch immer).

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Als mein Berufsanliegen:  Wie kann ich vernachlässigten oder überforderten Menschen Anstoß und Modelle liefern, damit sie ihr Potenzial prosozial verwirklichen können.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Anderen Menschen – besonders den neurodivergenten – wertschätzend zu begegnen – man weiß „auf die Schnelle“ nie, welches Leid und welche Schätze in ihnen stecken. Das erfordert Zeit – und die lohnt sich (zumindest in der Ersparnis von Krankheitskosten).

 

 

 

Liechtenstein: „Lernen ohne Grenzen“ beim Barcamp

Von 14. (abends) bis 16. November 2025 (mittags) ist das Jufa Hotel in Malbun das Zentrum von Bildungsinnovation im Fürstentum Liechtenstein. Beim Barcamp diskutieren Pädagoginnen und Pädagogen, Bildungsexperten, Politiker und Interessierte über die Zukunft der Bildung. Im bewährten (und offenen) Format gibt es die Möglichkeit zum Austausch – wohl auch über Grenzen hinweg.

Veranstalter ist das Zentrum für Schulmedien Liechtenstein.
Noch sind Plätze vorhanden, eine Anmeldung  ist hier möglich.