Recruiting / Selbstmarketing: Meine Talente auf LinkedIn? Zwischen Offenbarungseid und Blendertum
Ritchie Pettauer ist B2B Online-Strategie-Experte, LinkedIn™-Experte und hält am Institut für Publizistik der Uni Wien die Social-Media-Einführungsvorlesung.
Gärtnern findet er entspannender als Doomscrollen. Hier auch auf LinkedIn!
Welche Infos gehören in meinen öffentlichen Lebenslauf?
Diese Frage stellt sich, wenn die eigene LinkedIn-Präsenz Teil des digitalen Auftritts werden soll.
Auf LinkedIn sei jeder Parkwächter ein „Chief Vehicle Placement Officer“, so eine häufige Kritik an der populärsten und einzigen B2B-Social-Media-Plattform. Wie sehr soll ich mein Licht unter den Scheffel stellen, wie weit darf ich mich aus dem Fenster lehnen?
Die Best Practices für die Gestaltung des Profils unterscheiden sich ebenso sehr wie die anvisierten Zielgruppen. Jobsuchende optimieren ihr Profil für Recruiter, Selbständige für Kunden. Die goldene Regel gegen Unsicherheit: Meine Ziele und meine Zielgruppe bestimmen, wie ich mein Profil gestalte.
LinkedIn-Profile für die Karriereplanung
AI-Tools kreieren einen immer größeren Anteil an Social-Media-Inhalten. Nahezu alle großen Unternehmen screenen Bewerbungen inzwischen automatisiert. Fehlen im eigenen Profil die richtigen Stichwörter, fällt es bereits in der ersten, vollautomatisierten Runde aus dem Raster.
Der erste Schritt führt also zur Jobsuche: Welche Skills wünschen sich Arbeitgeber in aktuellen Jobanzeigen für meinen Traumjob? Recruiter suchen mit klaren Filtern: Standort, Branche, Funktionen, Fähigkeiten. Deshalb ist Keyword-Optimierung im gesamten Profil Pflicht.
Immer wichtiger wird Skills-basiertes Hiring. Viele suchen gezielt nach Fähigkeiten statt nur nach Titeln. Eine gut gepflegte Skills-Sektion ist daher ebenso entscheidend wie ein ausführlicher Info-Text. Eine umfangreiche Job-History in einschlägigen Tätigkeiten mit passenden früheren Jobtiteln erhöht die Chancen, am Radar von Headhuntern aufzutauchen.
LinkedIn-Profile als Landing-Page
Ein klares Angebot, ein passendes Netzwerk und nützliche Inhalte: Aus diesen drei Grundzutaten setzt sich jede erfolgreiche B2B-Marketing- und Vertriebsstrategie zusammen, für Solopreneure ebenso wie für Corporate Influencer.
Alle drei sollten sich schon ganz oben im Profil unmissverständlich widerspiegeln. Header-Image und Slogan werden in wenigen Sekunden gelesen – wer hier vage bleibt, verliert. Denn 30 % der Profilbesucher scrollen nicht nach unten.
Ein auf die Zielgruppe zugeschnittenes Angebot und Referenzen von zufriedenen Kunden erhöhen Vertrauen und Conversion-Rate.
Fazit: Wer im Gedächtnis bleiben möchte, gestaltet sein Profil nicht wie einen Lebenslauf, sondern wie eine Landing Page für die anvisierten Interessenten. Der Sweet Spot liegt zwischen Offenbarungseid und Blendertum: Wer sein LinkedIn-Profil wie eine Werbefläche zupflastert, verliert Glaubwürdigkeit. Und wer zu bescheiden bleibt, verschwindet in der Unsichtbarkeit.









