Reflections

Diese Wochen sind für mich voller Fülle, voller Leben in seinen unterschiedlichen Ausprägungen: Schmerzhafter Abschied und plötzlicher Neubeginn. Unerwarteter Verlust und unverhoffter Gewinn. Abar auch aufgenommen werden, sich integrieren, mit dabei sein in einem Verein und in einem neuen Projekt.
Und das alles „on top“ in einem bereits durchaus gedrängten Alltag.

Gefordert und gefragt sein ist schön.

Zwischendurch Reflektieren auch.

Vielleicht in ein paar Wochen dann, mit einem Buch (siehe Event-Tipp).
Oder jetzt gleich, mit dem wunderbaren Text von Monolinks Song „Reflections“.

4 Fragen an … Moacir Schierscher, Student und Präsident des Club Alpbach Liechtenstein

Moacir Schierscher studiert Business Innovation an der Universität St. Gallen und arbeitet parallel im eigenen Familienunternehmen mit. Neben seinem Studium engagiert er sich als Präsident des Club Alpbach Liechtenstein, der jungen Menschen die Teilnahme am European Forum Alpbach ermöglicht und den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fördert. Sein besonderes Interesse gilt unternehmerischen Fragestellungen, Innovation und der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung.

Ab wann im Leben hast du Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Moacir: Vor allem durch mein Engagement in unterschiedlichen Vereinen habe ich gemerkt, wie wichtig mir Freiräume sind, in denen ich mich selbst einbringen und Verantwortung übernehmen kann. Besonders motiviert mich das Gefühl, mit dem eigenen Einsatz tatsächlich etwas zu bewegen und andere Menschen mit einer Idee, Diskussion oder meiner eigenen Begeisterung anzustecken. Das erlebe ich beispielsweise auch beim Club Alpbach Liechtenstein und am EFA immer wieder.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über dich früher wissen sollen?

Moacir: Vielleicht, dass man sich bei Kindern mit einem frühen Urteil nicht zu sicher sein sollte. Nach der Grundschule war ich ein Wackelkandidat fürs Gymnasium und musste eine Übertrittsprüfung machen. Heute weiss ich, dass der akademische Weg sehr gut zu mir passt. Vielleicht sollten wir weniger danach fragen, ob jemand bereits in ein bestimmtes Raster passt, und mehr danach, wohin sich jemand noch entwickeln kann.

Welche Fragen stellen sich für dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Moacir: Wie viel von dem, was wir als Begabung wahrnehmen, ist tatsächlich individuelles Talent und wie viel entsteht erst dadurch, zur richtigen Zeit auf die richtigen Menschen, Förderung und Möglichkeiten zu treffen? Mich beschäftigt dabei besonders, wie viele Begabungen vielleicht nie sichtbar werden, weil genau diese Gelegenheiten fehlen.

Was möchtest du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Moacir: Begabungsförderung bedeutet für mich vor allem, Menschen Möglichkeiten zu geben und ihnen etwas zuzutrauen. Beim Club Alpbach Liechtenstein erleben wir immer wieder, wie viel entstehen kann, wenn junge Menschen ermutigt werden, selbst auf andere zuzugehen, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Oft braucht es gar nicht viel. Manchmal kann schon eine kleine Gelegenheit und ein kleiner positiver Zuspruch einen unerwartet grossen positiven Effekt auslösen.

 

4 Fragen an … Harry Lucas, Mentalist

Harry Lucas, professioneller Mentalist, Gedankenleser und Entertainer und neugieriger Kopf aus Wien. Kontakt: Harry Lucas – Mentalist Österreich & Wien – Firmenevent & Show buchen

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Lucas: Als Kind und Jugendlicher war ich spielerisch kreativ. Es hat Spass gemacht, im Möglichkeiten zu denken, sich Szenarien auszudenken und mit anderen zu spielen. Als Erwachsener hatte ich das große Glück, Mentoren aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie Mentalismus, Psychologie, Beobachten, Stimme, Hypnose und Entertainment zu finden. Sie haben mir geholfen, diese Interessen zu entwickeln, unter einen Hut zu bringen und in meine Shows fließen zu lassen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Lucas: Dass es sich auszahlt, seinem Bauchgefühl zu folgen und einen ungewohnten Weg zu gehen.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Lucas: Wie sehr Begabung mit Neugier zu tun hat. Manchmal beginnt es auch mit der einfachsten Frage: „Was passiert eigentlich, wenn ich es beim nächsten Mal so mache?“ 

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Lucas: Ich würde mir eine andere Fehlerkultur und mehr Platz für Neugier, Spielen und Ausprobieren wünschen. Was für eine Freude ist es, zu sehen, wenn Kinder ihre Begabungen entdecken und sie sich dann entfalten.

 

Ausgabe 22: Gelassen zielstrebig

„Das darf auch sein.“ Diesen Satz verdanke ich einer guten Freundin, sie hat ihn mir vor rund 15 Jahren mit auf den Lebensweg gegeben. Eine Verschiebung der neuen Ausgabe um eine Woche, wenn es darum geht ein aktuelles Buch zu rezensieren – das darf auch sein.

Und es hat gut getan, „Homo Universus“ von Matthias Strolz rasch zu lesen. Umso erfreulicher, dass gleichzeitig am vergangenen Wochenende der Interviewbeitrag von Susanne Glass eingetroffen ist.

Mit dem Start der neuen „Saison“ (auch das politische Jahr folgt z.B. dem Schuljahreszyklus) geht XLNTTLNT nun ins 2. Jahr. Danke fürs Dabeisein, danke fürs Dranbleiben.

Ich freue mich über Weiterempfehlungen, Ideen und was noch kommt!

4 Fragen an … Susanne Glass, Bayerischer Rundfunk

Dr. Susanne Glass, (*1970 in Schwäbisch Gmünd) ist Kriegsreporterin, Hörfunk- und Fernsehjournalistin. Von 1999 bis 2015 berichtete sie für die ARD als Studioleiterin in Wien über Österreich und Südosteuropa. Von 2006 bis 2016 war sie Präsidentin des Verbandes der Auslandspresse in Wien. Sie ist Mitinitiatorin des Europäischen Mediengipfels. Von 2016 bis 2021 war sie als Studioleiterin und Chefkorrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv zuständig für Israel und die palästinensischen Gebiete. Derzeit leitet Susanne Glass die Redaktion Ausland und politischer Hintergrund beim Bayerischen Rundfunk.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Glass: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie es mir schon ab dem Kleinkind-Alter ermöglicht haben, mich in möglichst vielen Bereichen auszuprobieren und meine Interessen und Begabungen gefördert haben. Sie haben mir vermittelt, dass sie an mich glauben, dass sie Leistung und Disziplin schätzen aber dass auch Scheitern erlaubt ist – wenn man danach wieder aufsteht. Ausschlaggebend war damals wie heute für mich, dass ich meine Talente dann so richtig entfalten kann, wenn ich Menschen an meiner Seite weiß, die mich in ihrer Unterstützung nicht einengen, sondern mich selbstbestimmt und mutig agieren lassen.    

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Glass: Wenn mir etwas ungerecht oder ungerechtfertigt erscheint, begehre ich dagegen auf. Am liebsten so lange, bis ich zu einer Veränderung beigetragen habe. Zumindest aber, bis ich mir sicher bin, dass meine Argumente bei den richtigen Stellen gelandet sind.
Misserfolge schmerzen mich. Aber ich verschmerze sie auch, weil ich sie als Ansporn nehme, mich weiterzuentwickeln.    

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Glass: In Bezug auf meine eigene bedaure ich manchmal, dass ich einen Teil meiner künstlerischen Begabung vernachlässigt habe, weil der Tag leider nur 24 Stunden hat. Viel mehr Gedanken, die ich mir mache, betreffen aber den allgemeinen Umgang mit Begabung und damit die nächste Frage.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Glass: Leider ist es weiterhin so, dass Finanzstärke und Beziehungen der Familien ausschlaggebend dafür sind, wie sich Kinder entwickeln können – das bedeutet, nicht die Begabtesten setzen sich durch, oft eher im Gegenteil. Ich fürchte außerdem, dass wir noch zu häufig unter monetären Erfolgsversprechen beurteilen, ob eine Begabung förderungswürdig ist – statt danach, ob sie unsere Gesellschaften in Zeiten bedrohter Demokratien moralisch und ethisch weiterbringt. Wer in Analogie zu der mir ohnehin suspekten Modefloskel „Work-Life-Balance“ glaubt, dass es eine „Begabungs-Life-Balance“ geben sollte, verkennt, dass zu einer erfolgreichen und erfüllenden Talent-Förderung Leidenschaft, Leistungs- und Leidensbereitschaft rund um die Uhr gehören.     

Wer als talentiert gilt, ist auch eine Frage der sozialen Herkunft

Ein Gastbeitrag von Rebecca Caric und Sarah Riedenbauer, Autorinnen des Buchs „Soziale Herkunft“ (erschienen bei Springer Essentials)

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Denken Sie einen Moment über die folgende Frage nach: „What’s classy if you’re rich and trashy if you’re poor?“

Die Frage wirkt zunächst wie ein pointierter Social-Media-Satz. Tatsächlich legt sie einen grundlegenden Mechanismus sozialer Ungleichheit offen: Wir bewerten nicht nur, was jemand tut, sondern auch, wem wir dieses Verhalten zuschreiben. Derselbe Sprachstil kann als souverän oder ordinär gelten, dieselbe Freizeitgestaltung als exzentrisch oder geschmacklos, dieselbe Erwerbsunterbrechung als selbstbestimmte Auszeit oder als mangelnde Disziplin.

Die Vorstellung, jede Person könne allein durch genügend Willen alles erreichen, würdigt Leistung und verspricht Selbstwirksamkeit. Problematisch wird sie dort, wo ungleiche Ausgangsbedingungen unsichtbar bleiben. Menschen verfügen nicht über dieselbe Zeit, dieselbe finanzielle Absicherung oder dieselbe Kenntnis von Bildungs- und Karrierewegen. Auch Fehler haben unterschiedliche Folgen: Was für die einen ein korrigierbarer Umweg ist, kann für andere eine existenzielle Krise bedeuten.

Dieser Blick relativiert persönliche Leistung nicht. Er macht vielmehr sichtbar, unter welchen Bedingungen sie erbracht wird. Chancengerechtigkeit heißt daher nicht, Anforderungen aufzugeben. Dennoch sollten wir genauer hinsehen ob beispielsweise ein Kriterium für eine Ausbildung oder Tätigkeit tatsächlich erforderlich ist oder ob vor allem die Vertrautheit mit bestimmten sozialen oder kulturellen Codes belohnt wird.

Wie relevant diese Frage für die Arbeitswelt ist, zeigt die 2025 veröffentlichte Studie der Arbeiterkammer Wien zu Klassismuserfahrungen. Klassismus bezeichnet die Abwertung, Benachteiligung oder Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen sozialen Position. Die Befragten nannten im Durchschnitt fünf Lebensbereiche, in denen sie entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. In diesem Kontext hervorzuheben: Das Arbeitsleben wurde mit 61 Prozent besonders häufig genannt.

Bildungseinrichtungen und Unternehmen entscheiden durch ihre Kriterien, welches Potenzial sichtbar wird. Wird ein Auslandsaufenthalt als Initiative gelesen, ohne zu fragen, wer ihn finanzieren konnte? Gilt souveräne Selbstdarstellung als Führungspotenzial, obwohl sie auch Ergebnis früher Übung sein kann? Werden ungewöhnliche Bildungswege als Risiko oder als Lernfähigkeit bewertet?

Organisationen können gegensteuern, indem sie kompetenzorientiert auswählen, nicht linerare Bildungswege nicht vorschnell als Defizit bewerten und Zugänge zu Mentoring, Qualifizierung und Netzwerken öffnen.

Vertiefung: Springer-Essential „Soziale Herkunft“

Das Springer-Essential „Soziale Herkunft“ ordnet soziale Herkunft als häufig übersehene Diversitätsdimension ein. Es erklärt zentrale Begriffe und Wirkmechanismen, beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Herkunft, Bildung und Arbeitswelt und zeigt Ansatzpunkte für Organisationen auf, die soziale Durchlässigkeit systematischer gestalten möchten.

Habt immer im Kopf: Soziale Herkunft entscheidet.

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Terminhinweis:

Wer die Diskussion über soziale Herkunft, Chancengerechtigkeit und wirksames Diversity Management vertiefen möchte, ist herzlich zu re:think diversity eingeladen: zum Kongress am 21. Oktober 2026 und zu den Workshops am 22. Oktober 2026.

4 Fragen an … Hannah Fluch, Schülerin der HTL Spengergasse in Wien

Hannah Fluch ist 18 Jahre alt (Juli 2026), Schülerin der HTL Spengergasse und Präsidentin des Hochbegabtenprogramms ihrer Schule.
Neben der Schule realisiert sie eigene Projekte mit Unternehmen im Bereich KI und CyberSecurity und hält Vorträge bei Kongressen zu diesen Themen. International ist sie Teil des österreichischen Nationalteams bei der European Cybersecurity Challenge (9. Platz 2025) und gewann u.a. die Finals der Austrian Cybersecurity Challenge 2025 und den Bundeswettbewerb für Künstliche Intelligenz 2024.
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/hannahfluch/ ; GitHub: https://github.com/hannahfluch

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Fluch: Angefangen hat es mit Physikbüchern – am Anfang des Gymnasiums habe ich einfach angefangen, mich in Themen reinzulesen, die mich interessiert haben, ohne dass das jemand von mir verlangt hätte. Mit 12 habe ich dann zu programmieren begonnen, und ab da hat sich mein Interesse immer stärker in diese Richtung entwickelt. Den größten Sprung habe ich aber gemacht, als ich in der HTL Spengergasse plötzlich von Leuten umgeben war, die ähnliche Interessen hatten wie ich. Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und gemeinsam an Projekten zu arbeiten, war der Punkt, an dem sich meine Begabung wirklich entfalten konnte.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Fluch: Meine Eltern haben das eigentlich immer gut gemacht – sie haben mir Freiraum gegeben, eigenen Interessen nachzugehen. Bei manchen Lehrer:innen war das früher anders, da gab es öfter den Versuch, mich in eine bestimmte Richtung zu drängen, statt meine Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik einfach ernst zu nehmen. In der HTL ist das schon deutlich besser geworden, auch wenn es die eine oder andere Bevormundung noch gibt. Ich glaube, es hätte insgesamt geholfen, wenn früher mehr Vertrauen da gewesen wäre, dass ich selbst am besten weiß, was für mich passt.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Fluch: Mich beschäftigt die Frage, ob man Begabte eher zur Spezialisierung ermutigen sollte oder ob es wichtiger ist, ihnen möglichst viele unterschiedliche Eindrücke zu ermöglichen. Bei mir hat sich das Interesse selbst verschoben – früher war es Physik, jetzt ist es IT – und ich frage mich, ob genau dieser Wechsel nur möglich war, weil ich nicht zu früh auf einen Bereich festgelegt wurde.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Fluch: Für mich war der entscheidende Faktor, mit Leuten mit ähnlichen Interessen umgeben zu sein. Begabungsförderung sollte deshalb nicht nur bei Inhalten oder Programmen ansetzen, sondern vor allem Räume schaffen, in denen sich Gleichgesinnte finden können – das war für mich wertvoller als jedes einzelne Angebot.

 

Ausgabe 19: Medienpioniere

In den Mailings und Seminaren nennen uns die die Mitarbeiter:innen des forum journalismus und medien wien (fjum) „Medienpioniere“.
Das fjum organisiert u.a. die Seminare und Weiterbildung  für Mediengründer:innen, die im Rahmen der Wiener Medieninitiative eine Förderung erhalten haben. Hier habe ich Bernhard Odehnal wieder getroffen, der sein regionales Medienprojekt „Zwischenbrücken“ gestartet hat – hauptberuflich, mit einem kompakten Team und tagesaktuell. Gewissermaßen gegensätzlich zu meinem Newsletter, der für mich ein „job enrichment“ bedeutet.

Was wir beide wollen: Journalismus weiter denken, neue Zielgruppen und Themen mit neuen Zugängen erreichen. Informieren, inspirieren, motivieren und auch unterhalten.
Sehr „nischig“ in meinem Fall, regional in seinem. Grund genug, ihm diesmal meine vier Fragen zu stellen.
Mögen Medien vielfältig sein wie Begabungen! Pioniergeist hilft in beiden Fällen.

4 Fragen an … Bernhard Odehnal, Gründer des Online-Mediums „Zwischenbrücken“

Bernhard Odehnal stammt aus Wien, studierte Slawistik und arbeitete als Korrespondent für österreichische und Schweizer Medien in den Balkanländern und in Osteuropa. Zuletzt war er Mitglied des Investigativ-Teams beim Schweizer Medienkonzern „Tamedia“ in Zürich. Im Frühjahr 2025 gründete er in Wien ein lokales Online-Medium für den 2. und 20. Bezirk namens „Zwischenbrücken“. Im Mai 2026 erschien Zwischenbrücken auch als gedrucktes Magazin.  www.zwischenbruecken.at

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Odehnal: Ich bin mir keinerlei besonderer Begabung oder Talent bewusst. Deshalb wüsste ich auch nicht, was sich wann oder warum hätte entfalten können. 

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Odehnal: „Manche Lehrer hassen Kinder prinzipiell. Bei dieser Disposition ist die Berufswahl originell“ (Aus dem Lied „Mittelschulkatheder“ von Christoph & Lollo. Die beiden gingen in dasselbe Wiener Gymnasium und hatten dieselben Lehrer wie ich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen). 

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Odehnal: Was genau ist Begabung? Wie viel kann erlernt oder erarbeitet werden? Was ist vererbt und was in der Persönlichkeit angelegt? Ich weiß es einfach nicht.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Odehnal: Dass es immer noch ein sehr kleiner Kreis von Menschen ist, der das Privilegium genießt, gezielt gefördert zu werden. Wer als Kind das Pech hat, aus der falschen Bevölkerungsschicht zu kommen, mit Eltern, die sich gar nicht um Talente kümmern können und wer dann in Wien oder einer anderen Großstadt in einer Mittelschule landet, dessen Begabungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit nie entdeckt.  

4 Fragen an … Theresa („Theri“) Hornich, ehemalige Eishockeytorhüterin und Psychologin

Theri Hornich ist ehemalige Eishockey-Torfrau auf internationalem Spitzenniveau und absolvierte zahlreiche Einsätze für das Österreichische Nationalteam, unter anderem bei Weltmeisterschaften und Olympiaqualifikationen. Parallel zu ihrer sportlichen Karriere absolvierte sie ein Studium der Sportwissenschaften und Psychologie. Heute führt sie eine eigene Praxis mit den Schwerpunkten Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie sowie Sportpsychologie und begleitet Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung.
www.kjf-psychologie.at (demnächst online)

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Hornich: Meine sportlichen Talente konnte ich bereits als Kind entfalten – getragen von Spaß, Ehrgeiz und einem Umfeld, das sowohl Leistung als auch Entwicklung gezielt gefördert hat. Im Studium kam eine zweite Phase dazu, in der ich durch Selbstorganisation und die Freiheit, mich mit meinen Interessensgebieten zu beschäftigen, mein Potenzial weiterentwickeln konnte – besonders, weil ich meinen eigenen Weg gestalten und mich unabhängig von festen Strukturen selbst verwirklichen durfte.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Hornich: Dass Entwicklung nicht linear und für alle gleich verläuft. Außerdem, dass Stärken sehr unterschiedlich sein können und oft erst sichtbar werden, wenn man nicht ständig bewertet wird.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Hornich: Wie viel von Begabung ist angelegt – und wie viel entsteht erst durch Gelegenheit und Umfeld? Und wie viele Talente bleiben unentdeckt, weil sie nicht ins klassische System passen?

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Hornich: Mehr Raum für Vielfalt statt Einheitsmaßstäbe: Menschen entfalten sich am besten dort, wo Fehler erlaubt sind und individuelle Stärken bewusst in den Mittelpunkt gestellt werden.