4 Fragen an … Theresa („Theri“) Hornich, ehemalige Eishockeytorhüterin und Psychologin

Theri Hornich ist ehemalige Eishockey-Torfrau auf internationalem Spitzenniveau und absolvierte zahlreiche Einsätze für das Österreichische Nationalteam, unter anderem bei Weltmeisterschaften und Olympiaqualifikationen. Parallel zu ihrer sportlichen Karriere absolvierte sie ein Studium der Sportwissenschaften und Psychologie. Heute führt sie eine eigene Praxis mit den Schwerpunkten Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie sowie Sportpsychologie und begleitet Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung.
www.kjf-psychologie.at (demnächst online)

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Hornich: Meine sportlichen Talente konnte ich bereits als Kind entfalten – getragen von Spaß, Ehrgeiz und einem Umfeld, das sowohl Leistung als auch Entwicklung gezielt gefördert hat. Im Studium kam eine zweite Phase dazu, in der ich durch Selbstorganisation und die Freiheit, mich mit meinen Interessensgebieten zu beschäftigen, mein Potenzial weiterentwickeln konnte – besonders, weil ich meinen eigenen Weg gestalten und mich unabhängig von festen Strukturen selbst verwirklichen durfte.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Hornich: Dass Entwicklung nicht linear und für alle gleich verläuft. Außerdem, dass Stärken sehr unterschiedlich sein können und oft erst sichtbar werden, wenn man nicht ständig bewertet wird.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Hornich: Wie viel von Begabung ist angelegt – und wie viel entsteht erst durch Gelegenheit und Umfeld? Und wie viele Talente bleiben unentdeckt, weil sie nicht ins klassische System passen?

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Hornich: Mehr Raum für Vielfalt statt Einheitsmaßstäbe: Menschen entfalten sich am besten dort, wo Fehler erlaubt sind und individuelle Stärken bewusst in den Mittelpunkt gestellt werden.

Ausgabe 15: Dabei sein und gestalten

Starke Tagen in München erlebten rund 1.700 Gäste beim Jahrestreffen von Mensa in Deutschland. Der Interviewgast in dieser Ausgabe, Antje Diller-Wolf, war mit dabei. In Lilienfeld in Niederösterreich wiederum sprachen interessierte Pädagoginnen und Pädagogen über „begabende Schulen“, darüber berichtet mit Wolfgang Ellmauer einer der maßgeblichen Organisatoren. Danke für die Beiträge!
Wenn auch Du Themenvorschläge und Inputs hast, freuen wir uns darauf!

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4 Fragen an … Antje Diller-Wolff, Journalistin und Trainerin

Antje Diller-Wolff ist studierte Medien- und Sprachwissenschaftlerin und bekannt als Moderatorin, Live-Reporterin, Autorin und Sprecherin für Medien wie ZDF (37 Grad), arte (arte:Re), Spiegel TV und NDR. Sie leitet das Team von shs medien und wurde vom Bundeswirtschaftsministerium als Vorbild-Unternehmerin ausgezeichnet. Sie war Dozentin an der Nanyang University Singapore am Lehrstuhl für Journalistik und Kommunikationswissenschaften und lehrt heute an der Macromedia-Hochschule Hamburg und Berlin die Fächer Journalistik und Kommunikationskompetenzen.
Sie trainiert bundesweit PolitikerInnen und Führungskräfte für öffentliche Auftritte und moderiert bundesweit Veranstaltungen, Tagungen und Podien in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Bildung. Antje Diller-Wolff ist außerdem ausgebildet am internationalen Centrum für Begabungsforschung als Coach für Hochbegabte. Sie ist seit zehn Jahren Mitglied bei Mensa und Intertel. Ehrenamtlich leitet sie einen Infokreis Hochbegabung für Eltern, Lehrkräfte und Pädagoginnen, hält Vorträge und macht Schulungen für Lehrerkollegien.

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Diller-Wolff: Als die Schule endlich vorbei war. Ich hatte ein miserables Abi von 3,4 nach einer furchtbaren Mobbing-Schulzeit und war selten im Unterricht. Mit einem Praktikum beim lokalen Radiosender entdeckte ich meine absolute Leidenschaft. Zum ersten Mal habe ich mich für etwas zerrissen.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Diller-Wolff: Verstehen eher. Was das Mobbing und Nicht-Gesehen-werden mit einem Kind macht. Warum ich so viel hinterfragt habe. Ich wollte niemanden ärgern. Nur viel wissen und klären. Meine Familie (die mit Sicherheit alle hochbegabt waren) haben an mir nichts ungewöhnliches feststellen und unterstützen können.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Diller-Wolff: Warum selbstverständlich musikalische und sportliche Begabungen krass gefördert und unterstützt werden und diese Förderung gesellschaftlich absolut anerkannt wird. Intelligenz nicht.  

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Diller-Wolff: Die Pädagoginnen und Pädagogen in den Kitas müssen geschult und alert sein. Sie sind im Bestfall die ersten, die Eltern darauf aufmerksam machen, dass ein Kind nicht der Norm entspricht. Die Karg-Stiftung in Deutschland beispielsweise schult Fachkräfte und sensibilisiert. Und es muss auch da und unmittelbar in der Grundschule verfügbares Forder-Material geben. Differenzierung beginnt bitte schon in der Kita.

4 Fragen an … Toni Kronke, stv. Geschäftsführer Teach For Austria

Toni Kronke ist Teil des Gründerteams und stv. Geschäftsführer bei Teach For Austria. 2009 schloss er sich dem ersten Fellow-Jahrgang bei Teach First Deutschland an und ist seitdem innerhalb der internationalen Bildungsbewegung Teach For All aktiv. Vor seinem Wechsel in den Bildungsbereich arbeitete Toni in Projekten u.a. in Brasilien im Bereich Capacity Building, Partizipation und demokratische Entwicklung. In Deutschland arbeitete er für Entwicklungsorganisationen mit Schwerpunkt Migration/Brain Drain, war für Bürgerradios tätig und startete Kultur- und Filmfestivals. Toni studierte angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim mit Schwerpunkt Medien und strategische Kommunikation sowie Audiovisuelle Technologie an der ESMAE in Porto/Portugal.

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Kronke: Immer dann, wenn ich die Freiheit hatte, ganz ich selbst sein und mich meinen eigenen Interessen widmen zu können.  

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?

Kronke: Auf Lehrer:innen bezogen: Ich werde immer den Status quo infrage stellen. Damit konnten die allerwenigsten Lehrer:innen umgehen. Und darum war Schule kein Ort der Entfaltung für mich. Dagegen habe ich rebelliert.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Kronke: Unser Schulsystem teilt Kinder schon mit 10 Jahren in unterschiedlichen Schulformen auf. Um Begabung geht es bei dieser Aufteilung oft nicht. Viel mehr um den Bildungsstand, den sozioökonomischen Hintergrund und die Herkunft der Eltern. Innerhalb dieses Schulsystems bleiben so viele Potentiale einfach unentdeckt und auf der Strecke. Das müssen wir ändern, im Interesse von uns allen.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Kronke: Begabtenförderung wird als Nischenthema behandelt. Als Gesellschaft sollte es uns aber wichtig sein, dass Menschen ihre Begabungen voll entfalten und damit ihre eigene und  die Zukunft von uns allen positiv gestalten können. Lehrkräfte und Pädagog:innen sind ein großer Teil des Puzzles, aber wir alle sind dafür verantwortlich.

Portrait Gerlinde Heil - Foto: Manfred Baumann

Erfahrungsbericht: Neurodivergent Leadership in der Praxis – von Gerlinde Heil

Gerlinde Heil, Didaktikerin, Gründerin und CEO von Science Pool, einem privaten Bildungsunternehmen (KMU mit 50-60 Angestellten), das sich mit MINT-Vermittlung befasst. Das Angebot umfasst Schulworkshops im Haus Science Pool, Freizeitpädagogik, Ferienprogramme und Events österreichweit. 

Eigentlich wurde der Science Pool gegründet, um die Interessen begabter Kinder und Jugendlicher zu fördern. Dabei gibt und gab es Schnittstellen mit weiteren Neurodivergenzen – besonders AD(H)S und Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Die Grenzen sind, wenn sie überhaupt existieren, fließend. Eine „Kochrezeptmethodik“ gibt es nicht. Allerdings funktioniert eine gewissermaßen „gemeinsame Sprache“: Als selber Neurodivergente ist es schon recht viel einfacher, neurodivergente Kinder zu unterrichten, zu coachen, zu interessieren.
Als diese Kinder älter wurden, suchten sie Jobs. Und blieben auch während des Studiums im Science Pool als Vermittlungspersonen.

Das ist mittlerweile schon lange her, die damaligen Studierenden sind in ihren Brotberufen gelandet, die Arbeit im Science Pool ist kein Job mehr – was geblieben ist: Ich leite ein Unternehmen als Neurodivergente, das viele Neurodivergente angestellt hat und viele Neurodivergente unterrichtet.
Dass Unterschiede in der Form der Zusammenarbeit bestehen, wird mir nur selten bewusst. Die Hierarchien sind sehr flach, kaum erkennbar und fluid. Sie beruhen auf Spezialistentum. Andererseits greifen alle unsere Tätigkeiten, Events, Projekte, Kinderkurse, Workshops auf den gleichen Personenpool zu, daher kann jeder alles. Allerdings eben nicht immer gleich gut oder gleich gerne.

Hier muss die Einsicht in die Notwendigkeit bestehen, und auch darin, dass die Erfahrungen einer Person, die etwas nicht gern macht, für alle anderen sehr hilfreich sind. Wesentlich ist auch das Wissen um und die Akzeptanz der Besonderheit aller anderen: Offenheit ist eine Bring- und Holschuld. Leistung allerdings auch. Manchmal kommt bei einigen Personen die Leistungskurve in Wellen, das ist gut zu integrieren, wenn man es weiß und kennt und auch die betroffene Person damit gut umgeht. Oft helfen schon kleine Anpassungen der Arbeitsumgebung – Geräusche, visuelle Achsen, Kernzeiten.
Umso weniger das Team durch unnötige Kleinigkeiten belastet ist, umso lieber arbeitet es. Eustress leitet besser als ein Chef.
Allerdings „kracht“ es schon auch. Und gerade intelligente Menschen können gut abschätzen, wo es weh tut. Kritik tut immer weh, besonders klugen Leuten tut sie meist besonders weh. Viele sind nicht daran gewöhnt, Fehler zu machen, das alles weiß ich natürlich auch aus eigener Erfahrung: Wer viel arbeitet, macht auch entsprechend mehr Fehler. Und es interessiert mich im Normalfall nicht, wer den Fehler macht, sondern dass er kein zweites Mal passiert.

Wesentlich ist einerseits ein hohes Maß an Toleranz, andererseits auch, die Grenze zwischen Toleranz und Gefährdung zu definieren. Notfalls täglich neu.

Fazit: Eine „Kochrezeptkommunikation“ mit Mitarbeitenden gibt es auch nicht. Aber auch hier funktioniert die gewissermaßen „gemeinsame Sprache“. Und Diversität ist bei uns Norm.
Mikromanagement funktioniert unter Neurodivergenten nicht besonders gut – auch, weil ich es selber nicht gern ausübe. Der größere Frei- und Gestaltungsraum unterstützt bei den meisten auch ihren Willen, Verantwortung zu übernehmen, auch und vor allem für Kinder, die auf Grund ihrer Interessen und Besonderheiten auch besondere Förderung brauchen.
Als neurodivergente Person Rücksicht der anderen Teammitglieder zu verlangen, bloß weil man neurodivergent ist, funktioniert im Kontext unserer Tätigkeiten allerdings nicht pauschal. Neurodivergenzen nutzbringend einzusetzen, allerdings schon – niemand muss darunter leiden, schnell zu denken!

4 Fragen an … Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria AG

DI Dr.in Sabine Herlitschka, MBA ist seit April 2014 Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG. Zuvor war sie in der industriellen Biotech‑Forschung tätig, verantwortete internationale Forschungs‑ und Technologiekooperationen und ‑finanzierung (u. a. bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft/FFG) und wirkte als Gründungs‑Vizerektorin der Medizinischen Universität Graz. Forschungsaufenthalte an US‑Institutionen und ein Fulbright‑Stipendium runden ihren Werdegang ab. Aktuell engagiert sie sich u. a. als Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung, Aufsichtsrätin der ÖBAG und im Wissenschaftlichen Beirat des Forschungszentrums Jülich. 2025 erhielt sie den Schumpeter‑Preis.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Herlitschka: Rückblickend dort, wo ich Neugier in konkrete Wirkung übersetzen konnte. Ich hatte früh gute Bildungszugänge – aber entscheidend war die Erkenntnis, dass Wissen kein Selbstzweck ist, sondern gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung entfaltet. Forschung, Technologie und später Führung haben mir dafür den Rahmen gegeben. Ausschlaggebend waren Menschen, die mir Vertrauen, Verantwortung und Ambition zugleich gegeben haben

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Herlitschka: Dass ich am stärksten lerne, wenn Theorie und Blick auf deren mögliche Anwendungen besser zusammenfinden – und das projekt- oder themenorientiert und mit hohem Anspruch. Und dass Unterschiedlichkeiten in Teams mir Energie geben: verschiedene Blickwinkel, kontroverse Debatten – Fordern und Fördern als gemeinsamer Nenner.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Herlitschka: Wie schaffen wir es, Begabung früh zu erkennen, Breite zu fördern und gleichzeitig Exzellenz konsequent zu entwickeln – ohne ideologische Scheindebatten? Die eigentliche Frage ist nicht entweder Chancengerechtigkeit oder Spitzenförderung, sondern wie wir beides systemisch verzahnen. Andere Länder zeigen, dass frühe Talentidentifikation und Leistungsdifferenzierung in Verbindung mit Forschung und Wirtschaft wirken.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Herlitschka: Begabtenförderung ist kein Elitenthema, sondern eine strategische Frage für den Innovations‑ und Wirtschaftsstandort Europa. Wenn wir im globalen Wettbewerb bestehen wollen, brauchen wir mehr Tempo, mehr Tiefe und mehr Exzellenz – in Forschung, Technologie und Industrie. Das gelingt nur, wenn wir außergewöhnliche Talente früh erkennen und ihnen bestmögliche Rahmenbedingungen bieten. Breite Bildungszugänge schaffen Potenzial, aber Exzellenz entscheidet über Innovationsfähigkeit.

4 Fragen an … Ronja Woidig, Schülerin in einem Hochbegabten-Förderungsprogramm in Bayreuth

Ronja Woidig (*2009) ist Schülerin des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth und Teil des Hochbegabtenförderungsprogrammes. Sie besucht die Modellklasse, in welcher hochbegabte Schüler*innen besondere Förderungen erhalten.  Beim Karg Fachforum Schule Ende Februar berichtete sie von ihren Erfahrungen.

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Woidig: Für mich gab es zwei ausschlaggebende Faktoren: Das Umfeld und die Motivation. Besonders Kinder brauchen ein Umfeld, dass sie unterstützt, um sich sicher genug zu fühlen, ihre Begabungen zu zeigen und zu kultivieren; in einem solchen Umfeld befinde ich mich seit meinem Eintritt in die Hochbegabtenklasse im fünften Schuljahr. Jedoch ohne Motivation, ohne wirklichen Spaß an meinen Projekten hätte ich mich niemals so entfalten können – deshalb ist es die Aufgabe der Schule, Kindern Lust auf Wissen zu machen, anstatt ihnen Antworten auf Fragen zu geben, die sie nicht gestellt haben.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?
Woidig: Ich arbeite am besten, wenn ich das, was ich mache, selbst ausgewählt habe. Es ist wichtig für Schüler, Kontrolle darüber zu haben, worauf sie ihre Zeit und Energie verwenden. Ich habe viel Glück, da an meiner Schule auf Mitspracherecht der Schüler und freies Arbeiten großer Wert gelegt wird.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Woidig: Begabung ist – per Definition – das Potential einer Person. Wir sind keine Propheten, können nicht in die Zukunft blicken; wie können wir also darüber bestimmen, wer Potential hat und wer nicht? Jeder Mensch hat prinzipiell Potential; „hochbegabt“ ist nur ein Label, das uns vom Rest der Menschen abgrenzt. Ich wünsche mir eine Welt, in der man das Wort „Hochbegabung“ nicht braucht, weil jeder Begabungen besitzt.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Woidig: Ich wünsche mir, dass mehr Formen der Begabung allgemein anerkannt werden. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht jeden Tag Vorurteilen stellen müssen; dass wir nicht in allem perfekt sein müssen. Vor allem wünsche ich mir aber, dass unsere Gesellschaft erkennt, dass die Bildung unserer nächsten Generation eine der wichtigsten Pflichten unseres Staates ist.

4 Fragen an … Daniel Oehry, Bildungsminister des Fürstentums Liechtenstein

Daniel Oehry (*1971) ist seit April 2025 Regierungsmitglied des Fürstentums Liechtenstein und leitet das Ministerium für Infrastruktur und Bildung.
Er absolvierte eine Lehre als Maschinenzeichner bei der Hilti AG in Schaan und ein berufsbegleitendes Maschinenbaustudium (Dipl. Ing. FH) an der FH Liechtenstein. Vor seiner Tätigkeit als Regierungsrat war Oehry Projektleiter in der Personalabteilung bei der Hilti AG.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Oehry: Das eine wichtige Grundlage war stets machen-lassen. Wenn man uns Jungs mit einem Fahrrad, einer alten Motorsäge und Werkzeug einfach machen liess, so liess das selbergebaute Moped nicht lange auf sich warten. Die andere war an-einen-glauben. Gerade in der Lehre durfte ich dieses Vertrauen erfahren, als ich im Sondermaschinenbau mit selbständiger Lösungsfindung beauftragt wurde.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Oehry: Die Frage ist, ob es – insbesondere vor dem damals bestehenden System und seinen kaum bestehenden Freiheiten zur individuellen Förderung – einen Unterschied gemacht hätte, aber die Erkenntnis, dass insbesondere in Bereichen, in denen ich mich schwertue, mir der Zugang über die Praxis sehr hilft, hätte helfen können. So waren Sprachen nie meins, weder Deutsch noch Französisch. Als ich dann im Beruf eine praktische Anwendung für Englisch hatte, machte ich plötzlich überraschende Fortschritte.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Oehry: Selbstverständlich bin ich immer noch gespannt, wo in mir noch Begabungen liegen, derer ich mir nicht bewusst bin, weil ich sie noch nie einsetzen musste. Und in diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, als Privatperson und als Bildungsminister, wie erkennt man bei sich und bei anderen Begabungen, ohne auf einen dieser Zufälle warten zu müssen, der eine davon freilegt. Es würde mich beispielsweise freuen, zu erkennen, dass ich eigentlich ein toller Fotograf bin.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Oehry: Der Versuch der Ausmerzung von Schwächen nimmt bei uns immer noch mehr Raum ein als die Förderung der Stärken. Eine solide Grundausbildung über alle Fächer und Themen hinweg, als gemeinsame Ausgangsbasis, ist wichtig. Ab einem gewissen Zeitpunkt sollten wir aber der individuellen Begabung mehr Platz zur Entfaltung einräumen. Darin, so bin ich überzeugt, liegt noch massives Potential, sowohl für jeden einzelnen als auch für Gesellschaft und Wirtschaft.

 

 

Editorial zu Ausgabe 09: Einstellungen, Tools und eine Bitte um Feedback

Voller Motivation und interessanten Leuten geht es weiter. Im Kommentar von Ronny Hollenstein geht es um Beruf und Karriere. Im Interview ist diesmal Michael Roither, der Vizerektor für Internationales der Hochschule Burgenland. Eine besondere Empfehlung ist der Methodenschatz von Frauke Niehues.

In zwei Wochen gibt es bereits die 10. reguläre Ausgabe dieses Newsletters.  Die nächsten Stories sind bereits in Vorbereitung, auch ein erstes Format für Abonnent:innen und Interessierte im März.

Danke für persönliche Rückmeldungen – ich freue mich auf Dein Feedback via redaktion@xlnttlnt.net
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3 Fragen an … Johanna Pirker, Professorin für Game Development, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz

Johanna Pirker ist Professorin an der TU München und der TU Graz, spezialisiert auf Game Development, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz. Sie verbindet Forschung, Lehre und Science Communication und arbeitet daran, wie Spiele und immersive Technologien unser Verständnis von Lernen, Kultur und Gesellschaft verändern können.

Was war dafür ausschlaggebend, dass Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können?

Die Kombination aus Wissen und Freiheit. Die Möglichkeit dann durch Gelerntes eigene Projekte umzusetzen zu können hat viel eröffnet. Das war vermutlich weniger „Talent“ als die Kombination aus Freude an einer Tätigkeit und dem Fleiß., der daraus Freude entsteht.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich glaube wir stellen oft noch die falschen Fragen. Oft wird früh gefragt: „Was möchtest du werden, wenn du groß bist“. Aber zu dem Zeitpunkt kennen wir doch noch so wenige Möglichkeiten. Wichtiger sind Fragen, wie: „Was tust du gerne?“ und hier zu unterstützen.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Wichtig ist, keine Vorurteile oder Erwartungen mitzugeben – keine schnellen Annahmen darüber, was jemand können oder werden soll. Begabung braucht Vielfalt, Räume zum Ausprobieren, Neugier und Freude an der Sache selbst.