Medientipp: Hochbegabt und hochsensibel?

„Hochbegabte werden oft als besonders sensibel und empfänglich für äußere Reize dargestellt“ – so what! Was im Fachportal Hochbegabung der Karg Stiftung in Form eines Tests präsentiert wird, ist eigentlich raffiniertes Edutainment.

Die Autorin Dr. Sabine Breyel erklärt das Thema anschaulich und sehr gut zusammengefasst. Für den „Arbeitsalltag“ als Betroffene/r oder als jemand, der beruflich mit Hochbegabung bzw. Hochsensibilität konfrontiert ist, ist der Beitrag eine kompakte Unterstützung zum Verständnis der Thematik.
Hilfreich und beeindruckend ist die vertiefende Literaturliste.

Entscheidendes Wissen – Podcast für die Grundlagen der Wissensgesellschaft

Der Autor, Kommunikationsberater und ehemalige Grünen-Politiker Michel Reimon hat mittlerweile rund 40 Folgen seines Podcasts Entscheidendes Wissen veröffentlicht. Darin geht es um die Grundlagen der Wissensgesellschaft. Informationsverarbeitung in Gehirnen und der Gesellschaft. Das ist immer wieder inspirierend. Reimon gibt auch dem Themenbereich Neurodiversität umfassend Raum – wissenschaftlich fundiert, sympathisch und persönlich geprägt.

Forschung zum Flynn Effect: Wird auch Europas ältere Generation ständig intelligenter?

Kürzlich veröffentlichten Denise Andrzejewski, Jonathan Fries und Jakob Pietschnig von der Universität Wien einen Beitrag mit dem Titel „Executive Function Flynn Effects Are Independent of Psychometric ⁠g in Aging Populations Across Europe (2005-2022)“ im 2025 gegründeten (Open Access) Journal Intelligence & Cognitive Abilities. Thema ist der so genannte Flynn-Effekt – also die systematischen, generationenübergreifenden Steigerungen von Ergebnissen bei Intelligenztests – für das mittlere Alter (ab 50) im Zeitraum von 2005 bis 2022.

Die Ergebnisse zeigen überwiegend positive Flynn-Effekte in fünf kognitiven Bereichen. Die stärksten Zuwächse gab es bei der verbalen Flüssigkeit, gefolgt vom Arbeitsgedächtnis und dem freien Erinnern, während die Rechenfähigkeit schwächere Effekte zeigt.
Unter Berücksichtigung von Alter und Bildung schwächten sich die Effekte deutlich ab. Die Verbesserungen lassen sich meist durch bessere Bildung und Lebensbedingungen erklären.

Länderspezifisch gibt es deutliche Unterschiede. Die Unterschiede hängen stark mit Bildung und Ausgangsniveau zusammen. In Österreich, Deutschland und der Schweiz sind die Effekte klein bis moderat, wobei sich die stärksten positiven Veränderungen in Österreich zeigen.
https://doi.org/10.65550/001c.157760

Mut zur Positionierung! – Gastbeitrag von Cornelia dal Sasso

Meine erste Buchhaltung habe ich im Schuhkarton abgegeben. Ich habe mich geschämt, bis ich die Freude meiner Buchhalterin Andrea gesehen hab. Es war, als hätte ich ihr ein Weihnachtsgeschenk überreicht. Ihre Augen leuchten und ich hatte das Gefühl, dass sie es gar nicht erwarten konnte, ihn zu öffnen, die Belege zu sortieren und zu tun, was man eben so macht als Buchhalterin.

„Wie kann man sich nur so über einen Karton voller Belege freuen?!“, fragte ich sie. Sie hat gelacht und gesagt: „Ganz einfach. Schon als Kind habe ich gerne sortiert, geordnet und selbst im größten Chaos den Überblick behalten. Ich liebe das! Für mich ist das ganz leicht und macht echt Spaß!“

In dem Moment war mir klar, dass ich keine bessere Buchhalterin finden würde. Wie gut, dass Andrea sich dieses Talent bewahrt hat. Wie leicht hätte sie sich das ausreden lassen können: „Sortier doch nicht schon wieder alles!“, „Mach mal was Sinnvolles!“, oder: „Nimm dich doch nicht so wichtig mit deiner Ordnungsliebe!“ oder „Schön langsam wirst du echt zum Monk!“
Solche Sätze bekommen viele Kinder zu hören, deren Talente aus dem Rahmen fallen oder unerwünscht sind.

Andrea hat sich davon nicht beirren lassen. Sie hat ihre Freude am Strukturieren behalten und daraus ihr berufliches Zuhause gemacht.

Mut zur Positionierung beginnt genau da:
Bei der ehrlichen Anerkennung dessen, was uns anders macht und wer wir wirklich sind. Andrea hätte sich ja auch denken können: „Sortieren, ordnen, strukturieren – das kann doch jede*r.“ Hat sie aber nicht. Sie hat verstanden, dass genau darin ihr Wert liegt und sie damit Menschen wie mich rettet.

So findest Du den Mut, Dich zu positionieren:

  1. Recherchiere, was Dich anders macht.
    Finde heraus, was Du schon als Kind gut konntest. Frag Deine Familie oder Menschen, die Dich schon lange kennen: Womit habe ich Euch früher überrascht? Was konnte ich, ohne es zu üben?
  2. Finde Orte, an denen Du wertvoll bist.
    Mut braucht Resonanz. Finde Umfelder, in denen Deine Talente gebraucht und geschätzt werden. Das kann ein Netzwerk sein, ein Team, ein Projekt oder eine Community, in der Andersartigkeit als Stärke gilt.
  3. Bezieh Position und nimm sie in Besitz.
    Sag wofür Du stehst, was Du besonders gut kannst und wofür Dich andere kennen sollen.

Positionierung ist keine Angeberei, sondern ein Angebot: Du hilfst Menschen, Dich zu finden, weil Du klar sagst, wofür Du da bist.

Warte nicht bis andere Dich und Deine Talente erkennen. Bestimme selbst und positioniere Dich. Denn damit machst Du nicht nur Dein Leben lebenswerter – Du hilfst auch anderen, ihre Talente zu leben.
Weil sie sich dann nicht mehr mit Schuhkartons voller Belege aufhalten müssen.

Cornelia dal Sasso ist Markenstrategin, Wirkungsprofilerin, Positionierungscoach und Unternehmerin seit 2012. Sie unterstützt Unternehmer*innen und Führungskräfte dabei, ihren unverwechselbaren AndersFaktor® zu entdecken und zur gefragten Persönlichkeit zu werden. Mit ihrem Fokus auf Positionierung, Wirkung und authentisches Personal Branding entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund*innen Strategien, einprägsame Botschaften und klare Fahrpläne für Sichtbarkeit und Unverwechselbarkeit. In ihrem Unternehmer*innenClan bietet sie einen Ort, um sich auszuprobieren, zu wachsen und unternehmerisch weiterzuentwickeln. https://www.cornelia-dalsasso.at/ 

„Von Bullshit zu Berührung“ – ein Mitmach-Buch für Veränderung

„Wir müssen wieder zulassen, einander echt zu begegnen – weniger moralische Pose, mehr berührbare Verantwortung. Das bedeutet: Mut zur Wahrheit, zur Vergebung und zu Beziehungen, die halten, wenn es heiß wird“, meint Bernhard Reingruber, der kürzlich sein Buch „Von Bullshit zu Berührung“ veröffentlicht hat.
Auf der Website finden sich auch Präsentationstermine (am 20.11. auch online) und Bestellmöglichkeiten.
Hier statt einer Buchvorstellung drei fokussierte Fragen an den Autor, Coach und Trainer, der sich auch als Vorsitzender des Social Entrepreneurship Network Austria engagiert.

Was ist deine besondere Begabung und wie wird sie im Buch sichtbar?
Ich sehe mich als Simultan-Dolmetsch zwischen Herz und Hirn. Im Buch wird das sichtbar durch den Kompass für echten Kontakt (Rechthaberei, Schein-Harmonie, Bullshit, Vollkontakt), den sieben Praktiken von Contactfulness und den Geschichten, in denen ich mich selbst zeige.

Was können speziell begabte Menschen aus deinem Buch mitnehmen, was gilt für sie vielleicht besonders?
Hochsensible, besonders reflektierte oder schnell denkende Menschen finden im Buch eine Einladung, nicht nur zu verstehen, sondern sich wirklich zu zeigen – mit Herz und Haltung. Ihre größte Herausforderung – echte Verbindung trotz innerer Komplexität – wird zur Praxis. Besonders Begabte denken schnell, sehen Muster früh – und landen dadurch leicht in Rechthaberei oder sozialer Reibung. Das Buch bietet Brücken: vom „Was“ ins „Wie“, vom Argument in die Beziehung, vom Beweisen ins Ver-Antworten. Es zeigt, wie man Tempo reguliert, Klarheit ohne Überfahren lebt, Scham/Angst als Schwellenemotionen nutzt und Preisgabe dosiert, damit Tiefe entsteht. Kurz: soziale Umsetzungskompetenz für Menschen mit kognitivem Vorsprung.

Wie wirken sich deine Tipps bei richtiger Umsetzung in Teams aus?
Teams, die Contactfulness praktizieren, tauschen Kontrolle gegen Vertrauen und Harmonie gegen echte Verbindung. Das verändert nicht nur die Kommunikation, sondern die Kultur – von Absicherung zu Aufbruch, von Reibung zu Verantwortung.

VISTA: Wissenschaft am Rand von Wien anschaulich vermitteln

Seit kurzem ist am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg bei Wien das „VISTA“ geöffnet. Dieses Science Experience Center soll ein lebendiger Raum der Begegnung sein.
Die erste Ausstellung läuft unter dem Titel „SCIENCE IN THE MAKING“.
Besuchergruppen mit besonderen Interessen (oder auch Begabungen) können spezielle Führungen anfragen.

Für junge Menschen gibt es einige besondere Angebote:

  • Kids mit Bezug zu Niederösterreich (etwa Wohnort, Schulort) können sich für den Lehrgang Neurowissenschaften der Science Academy NÖ bewerben.
  • Ab Jänner 2026 sollen die Rahmenbedingungen für die Vifzack Academy auf der Website des Bildungsministeriums veröffentlicht sein.
  • Der Sommercampus richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen, die teilnehmen wollen. Buchungsstart dafür ist voraussichtlich im Februar 2026.

Wichtig: Betreuung und Unterbringung sind bei den einzelnen Angeboten jeweils unterschiedlich geregelt.

Das Dasein (be)greifbar gemacht: Wunderwerk Leben

Erst seit Ende 2024 existiert das Projekt WUNDERWERK LEBEN, das die Forscherin Sophie Imhof von New York aus auf die Beine gestellt hat.
Mittlerweile sind fünf Ausgaben des Magazins, in dem jeweils Grundlagen eines Themas anschaulich erklärt werden, erschienen. Sie meint: „Mein Magazin ist eine Einladung, das Leben in all seiner Komplexität zu hinterfragen, bizarre biologische Mechanismen zu ergründen und Dankbarkeit für das Wunder unseres Daseins zu entwickeln.“

Immer geht es um Geist, Gehirn und Bewusstsein, die Perspektive wechselt allerdings: Mal ist es Ernährung, dann Sport – und zuletzt Künstliche Intelligenz“. In anschaulicher und sehr persönlicher Sprache vermittelt Imhof, die als Postdoctoral Researcher bei Weill Cornell Medicine tätig ist, ihre Sicht der Dinge. Oft ist auch Philosophie für den Alltag mit dabei. Immer wieder kommen weitere Expert:innen kommen zu Wort.

Forschung zu Piloten und Fluglotsen: Ergebnisse bei Intelligenztests steigen

Ein Team von Forscherinnen und Forschern der Universität Wien untersuchte 204 Piloten und Fluglotsen auf Veränderungen in der Intelligenztestleistung im Zeitraum von 1992 bis 2016. Verwendet wurden Daten aus psychometrischen Eignungstests für die jeweiligen Funktionen im Österreichischen Bundesheer. Die Stichprobe dieser Studie ist besonders interessant, weil zur Auswahl von Piloten und Fluglotsen strikte Kriterien gelten, die diese Personengruppe zu einer besonders kognitiv leistungsfähigen zählen lassen. Die Studie konzentrierte sich auf zwei Aspekte: Die Höhe und Richtung des Flynn-Effekts und Änderungen in der positiven Kupplung der Intelligenz.

Der Flynn-Effekt beschreibt das Phänomen, dass die Intelligenztestergebnisse der Allgemeinbevölkerung über die Zeit ansteigen. Die positive Kupplung der Intelligenz beschreibt die wohletablierte Beobachtung, dass verschiedene kognitive Fähigkeiten positiv miteinander korrelieren — wer in einem Bereich gut abschneidet, zeigt im Allgemeinen auch in anderen Bereichen gute Leistungen.

Die Ergebnisse zeigen, dass in der Mehrheit der Intelligenzbereiche auch in besonders kognitiv fähigen Stichproben die Intelligenztestergebnisse laufend ansteigen, also ein Flynn-Effekt beobachtbar ist. Im Unterschied zu weiteren rezenten Studienergebnissen, zeigte sich in dieser Stichprobe allerdings keine Abnahme der Stärke der positiven Kupplung der Intelligenz. Diese Befunde zeigen, wie wichtig die  Verwendung von modernen und aktuell normierten Testinstrumenten in der psychologischen  Diagnostik im allgemeinen und der beruflichen Eignungsdiagnostik im speziellen sind.

Die Unterschiede in der Stärke von Testleistungsänderungen in verschiedenen Testdomänen zeigen, dass bestimmte Leistungsbereiche stärker vom Flynn-Effekt profitieren als andere. In zukünftiger Forschung wird es um die Frage gehen, welche Fähigkeiten besonders stark zugenommen haben und welche uns möglicherweise verloren gehen.

 


Generational IQ test score changes and the positive manifold of intelligence: evidence from Austrian Air Force pilots and air traffic controllers (1992–2016).

Autorinnen und Autoren: Sandra Oberleiter, Jana Wurzer, Michael Mikas, Martin Held, Bettina Wieland, Elisabeth L. Zeilinger, Martin Voracek und Jakob Pietschnig; kostenlos abrufbar hier