Wer als talentiert gilt, ist auch eine Frage der sozialen Herkunft
Ein Gastbeitrag von Rebecca Caric und Sarah Riedenbauer, Autorinnen des Buchs „Soziale Herkunft“ (erschienen bei Springer Essentials)
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Denken Sie einen Moment über die folgende Frage nach: „What’s classy if you’re rich and trashy if you’re poor?“
Die Frage wirkt zunächst wie ein pointierter Social-Media-Satz. Tatsächlich legt sie einen grundlegenden Mechanismus sozialer Ungleichheit offen: Wir bewerten nicht nur, was jemand tut, sondern auch, wem wir dieses Verhalten zuschreiben. Derselbe Sprachstil kann als souverän oder ordinär gelten, dieselbe Freizeitgestaltung als exzentrisch oder geschmacklos, dieselbe Erwerbsunterbrechung als selbstbestimmte Auszeit oder als mangelnde Disziplin.
Die Vorstellung, jede Person könne allein durch genügend Willen alles erreichen, würdigt Leistung und verspricht Selbstwirksamkeit. Problematisch wird sie dort, wo ungleiche Ausgangsbedingungen unsichtbar bleiben. Menschen verfügen nicht über dieselbe Zeit, dieselbe finanzielle Absicherung oder dieselbe Kenntnis von Bildungs- und Karrierewegen. Auch Fehler haben unterschiedliche Folgen: Was für die einen ein korrigierbarer Umweg ist, kann für andere eine existenzielle Krise bedeuten.
Dieser Blick relativiert persönliche Leistung nicht. Er macht vielmehr sichtbar, unter welchen Bedingungen sie erbracht wird. Chancengerechtigkeit heißt daher nicht, Anforderungen aufzugeben. Dennoch sollten wir genauer hinsehen ob beispielsweise ein Kriterium für eine Ausbildung oder Tätigkeit tatsächlich erforderlich ist oder ob vor allem die Vertrautheit mit bestimmten sozialen oder kulturellen Codes belohnt wird.
Wie relevant diese Frage für die Arbeitswelt ist, zeigt die 2025 veröffentlichte Studie der Arbeiterkammer Wien zu Klassismuserfahrungen. Klassismus bezeichnet die Abwertung, Benachteiligung oder Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen sozialen Position. Die Befragten nannten im Durchschnitt fünf Lebensbereiche, in denen sie entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. In diesem Kontext hervorzuheben: Das Arbeitsleben wurde mit 61 Prozent besonders häufig genannt.
Bildungseinrichtungen und Unternehmen entscheiden durch ihre Kriterien, welches Potenzial sichtbar wird. Wird ein Auslandsaufenthalt als Initiative gelesen, ohne zu fragen, wer ihn finanzieren konnte? Gilt souveräne Selbstdarstellung als Führungspotenzial, obwohl sie auch Ergebnis früher Übung sein kann? Werden ungewöhnliche Bildungswege als Risiko oder als Lernfähigkeit bewertet?
Organisationen können gegensteuern, indem sie kompetenzorientiert auswählen, nicht linerare Bildungswege nicht vorschnell als Defizit bewerten und Zugänge zu Mentoring, Qualifizierung und Netzwerken öffnen.
Vertiefung: Springer-Essential „Soziale Herkunft“
Das Springer-Essential „Soziale Herkunft“ ordnet soziale Herkunft als häufig übersehene Diversitätsdimension ein. Es erklärt zentrale Begriffe und Wirkmechanismen, beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Herkunft, Bildung und Arbeitswelt und zeigt Ansatzpunkte für Organisationen auf, die soziale Durchlässigkeit systematischer gestalten möchten.
Habt immer im Kopf: Soziale Herkunft entscheidet.
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Terminhinweis:
Wer die Diskussion über soziale Herkunft, Chancengerechtigkeit und wirksames Diversity Management vertiefen möchte, ist herzlich zu re:think diversity eingeladen: zum Kongress am 21. Oktober 2026 und zu den Workshops am 22. Oktober 2026.








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