Buchrezension/Medientipp: „Homo Universus“ (Matthias Strolz) – Aktuelle Antworten eines Suchenden

… von Thomas GOISER

 

Mitte August erschien „Homo Universus“ des früheren Politikers und heutigen Beraters, Coaches und Speakers Matthias Strolz im Buchverlag Edition Platin. Dieser Homo Universus ist resilient, kooperativ, mit dem Ganzen verbunden und entwickelt in einer von globalen krisenhaften Entwicklungen und #KI geprägten Welt seine Begabungen. Er appelliert: „Wir sind aufgerufen, uns selbst in all unseren Dimensionen zu erkennen und zu entfalten“, denn „wo deine Talente und die Bedürfnisse der Zeit sich kreuzen, liegt deine Begabung“, zitiert Strolz Sokrates.

Einerseits enthält das Buch die umfassende Selbstoffenbarung des Autors, andererseits die Anleitung zum Selbstcoaching mit über 30 „Integrationsimpulsen“ im Sinne eines Buffets. Wer Seminare von Matthias Strolz und/oder frühere Bücher von ihm kennt, findet einiges davon in Kurzfassung wieder.

Strolz fordert eine zweite Aufklärung mit einem holistischen Lebensverständnis unter Anwendung der Erkenntnisse der Systemwissenschaften. Zwischendurch erfolgen rasche, nachvollziehbare Ebenenwechsel – vom Selbst bis zur Begegnung mit dem Nächsten und der globalen Entwicklung.

Originell – und verfolgenswert – sind die Gedanken über eine Weiterentwicklung Europas, eine neue globale Organisation, die besser als die UNO funktioniert, und einen weltweiten Feiertag. Den Abschluss macht ein Plädoyer für „Creative Love“. Umso besser, denn wir sind alle miteinander verbunden.

Fazit: Ein Praxisbuch für persönliches Wachstum und ein Appell, sich gemeinsam auf den globalen (Veränderungs-)Weg zu machen. Mögen das auch Menschen außerhalb unseres Kulturraums und unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung so sehen, sobald das Buch auf Englisch erschienen ist!

Der Autor Matthias Strolz ist ist ein österreichischer Unternehmer, Autor und ehemaliger Politiker (Gründer der Partei NEOS). Strolz engagiert sich auch als Präsident der Österreichisch-Liechtensteinischen Gesellschaft.

Medientipp: Bullshit Bingo HOCHBEGABUNG

Für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte (und wohl auch für „Betroffene“) bietet die Beraterin Susanne Burzel einen kostenlosen Download.
Auf 12 Seiten werden 24 Mythen über Hochbegabung entkräftet, durchaus unterhaltsam und fundiert!

Wer als talentiert gilt, ist auch eine Frage der sozialen Herkunft

Ein Gastbeitrag von Rebecca Caric und Sarah Riedenbauer, Autorinnen des Buchs „Soziale Herkunft“ (erschienen bei Springer Essentials)

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Denken Sie einen Moment über die folgende Frage nach: „What’s classy if you’re rich and trashy if you’re poor?“

Die Frage wirkt zunächst wie ein pointierter Social-Media-Satz. Tatsächlich legt sie einen grundlegenden Mechanismus sozialer Ungleichheit offen: Wir bewerten nicht nur, was jemand tut, sondern auch, wem wir dieses Verhalten zuschreiben. Derselbe Sprachstil kann als souverän oder ordinär gelten, dieselbe Freizeitgestaltung als exzentrisch oder geschmacklos, dieselbe Erwerbsunterbrechung als selbstbestimmte Auszeit oder als mangelnde Disziplin.

Die Vorstellung, jede Person könne allein durch genügend Willen alles erreichen, würdigt Leistung und verspricht Selbstwirksamkeit. Problematisch wird sie dort, wo ungleiche Ausgangsbedingungen unsichtbar bleiben. Menschen verfügen nicht über dieselbe Zeit, dieselbe finanzielle Absicherung oder dieselbe Kenntnis von Bildungs- und Karrierewegen. Auch Fehler haben unterschiedliche Folgen: Was für die einen ein korrigierbarer Umweg ist, kann für andere eine existenzielle Krise bedeuten.

Dieser Blick relativiert persönliche Leistung nicht. Er macht vielmehr sichtbar, unter welchen Bedingungen sie erbracht wird. Chancengerechtigkeit heißt daher nicht, Anforderungen aufzugeben. Dennoch sollten wir genauer hinsehen ob beispielsweise ein Kriterium für eine Ausbildung oder Tätigkeit tatsächlich erforderlich ist oder ob vor allem die Vertrautheit mit bestimmten sozialen oder kulturellen Codes belohnt wird.

Wie relevant diese Frage für die Arbeitswelt ist, zeigt die 2025 veröffentlichte Studie der Arbeiterkammer Wien zu Klassismuserfahrungen. Klassismus bezeichnet die Abwertung, Benachteiligung oder Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen sozialen Position. Die Befragten nannten im Durchschnitt fünf Lebensbereiche, in denen sie entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. In diesem Kontext hervorzuheben: Das Arbeitsleben wurde mit 61 Prozent besonders häufig genannt.

Bildungseinrichtungen und Unternehmen entscheiden durch ihre Kriterien, welches Potenzial sichtbar wird. Wird ein Auslandsaufenthalt als Initiative gelesen, ohne zu fragen, wer ihn finanzieren konnte? Gilt souveräne Selbstdarstellung als Führungspotenzial, obwohl sie auch Ergebnis früher Übung sein kann? Werden ungewöhnliche Bildungswege als Risiko oder als Lernfähigkeit bewertet?

Organisationen können gegensteuern, indem sie kompetenzorientiert auswählen, nicht linerare Bildungswege nicht vorschnell als Defizit bewerten und Zugänge zu Mentoring, Qualifizierung und Netzwerken öffnen.

Vertiefung: Springer-Essential „Soziale Herkunft“

Das Springer-Essential „Soziale Herkunft“ ordnet soziale Herkunft als häufig übersehene Diversitätsdimension ein. Es erklärt zentrale Begriffe und Wirkmechanismen, beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Herkunft, Bildung und Arbeitswelt und zeigt Ansatzpunkte für Organisationen auf, die soziale Durchlässigkeit systematischer gestalten möchten.

Habt immer im Kopf: Soziale Herkunft entscheidet.

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Terminhinweis:

Wer die Diskussion über soziale Herkunft, Chancengerechtigkeit und wirksames Diversity Management vertiefen möchte, ist herzlich zu re:think diversity eingeladen: zum Kongress am 21. Oktober 2026 und zu den Workshops am 22. Oktober 2026.

Medientipp: Hochbegabt und hochsensibel?

„Hochbegabte werden oft als besonders sensibel und empfänglich für äußere Reize dargestellt“ – so what! Was im Fachportal Hochbegabung der Karg Stiftung in Form eines Tests präsentiert wird, ist eigentlich raffiniertes Edutainment.

Die Autorin Dr. Sabine Breyel erklärt das Thema anschaulich und sehr gut zusammengefasst. Für den „Arbeitsalltag“ als Betroffene/r oder als jemand, der beruflich mit Hochbegabung bzw. Hochsensibilität konfrontiert ist, ist der Beitrag eine kompakte Unterstützung zum Verständnis der Thematik.
Hilfreich und beeindruckend ist die vertiefende Literaturliste.

Medientipp: E-Book „Perfektionismus loslassen“

Ulrike Alt hat ein neues E-Book veröffentlicht, das hier erhältlich ist. Es richtet sich an Hochbegabte, denen „Lass doch einfach los“ noch nie geholfen hat.
Dort wo Perfektionismus Gründlichkeit und Zuverlässigkeit ermöglicht, kostet er oft auch Energie.

Wenig Energie braucht man für das kompakte E-Book, das in 11 Kapiteln rund 36 Seiten enthält. Die Autorin verspricht Techniken für sofortige Entlastung aus eigener Erfahrung und der täglichen Coaching-Praxis mit hochbegabten Menschen.

 

Medientipp: Hochbegabung in der Schule: Besondere Herausforderung

Im Vortragszyklus „Kosmos Kind“ Folge #16 erklärt Dominik Gyseler, wie hochbegabte Kinder in der Schule gut durchkommen. Sein wichtigster Appell: „Werdet Lernexperten“: Das bedeutet Erarbeiten von Lernstrategien, Lernen von Techniken zum Umgang mit Prüfungsdruck und konstruktiven Umgang mit Misserfolgen – und das ist für hochbegabte Kinder eine besondere Herausforderung.
Im – sehr ruhigen und klar strukturierten – Vortrag bringt Gyseler weitere grundlegende Tipps für Eltern und Lehrpersonen.
Der YouTube-Kanal „Kosmos Kind“ wird von der in Zürich angesiedelten Stiftung Für das Kind betrieben.

 

Mensa-Begabungskoffer für Bildungseinrichtungen (DE)

Ein besonderes Projekt von Mensa in Deutschland für Schulen sind die Begabungskoffer. Dafür haben die Kinder- und Jugendorganisatoren von Mensa eine Auswahl an Spielen zusammengestellt, die pädagogischen Einrichtungen bei der Erkennung und Förderung von Begabungen behilflich sind. Gegen eine Kaution von 100 Euro können diese Begabungskoffer von Kindergärten und Grundschulen in Deutschland ausgeliehen werden – etwa für die Gestaltung von Projektwochen oder im regulären Unterricht. Die Koffer werden nach den individuellen bzw. altersgruppenspezifischen Anforderungen gepackt.

Ein Monat Vorlaufzeit wird empfohlen, die Ausleihdauer beträgt vier Wochen. Der Versand zur Einrichtung wird von Mensa übernommen, den Rückversand trägt die Einrichtung.

Medientipp: Podcast „Aktiv Zugehört“ – Veränderungsperspektive*2

Coaching-Akademie-Gründer Timo Schlage und Psychotherapeutin Frauke Niehues bringen im gemeinsamen Podcast „Aktiv Zugehört“ (hier der Link zu Spotify) ihre Perspektiven in den Dialog miteinander.
Ihr gemeinsames (kostenloses) Angebot richtet sich an erfahrene Therapeuten und Coaches, angehende Coaches sowie Menschen, die neue Impulse für ihre eigene Entwicklung suchen. Aktuell (April 2026) sind über ein Dutzend Folgen online, darunter einige auch mit externen Gästen wie etwa Maja Storch und Gerald Hüther.

Medientipp: Back to … human – mit Inspirationsgarantie

Das Magazin „human“ von Rebekka Reinhard und Thomas Vašek ist eine Medienplattform an der Schnittstelle von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
Von München aus erscheint unter dieser Marke einerseits ein Magazin (heuer für Ende Mai und Ende November geplant), Digital White Papers, regelmäßige Newsletter (Grüße aus Wien!); außerdem werden Events veranstaltet.
„Don’t be a bot“ heißt es programmatisch auf der Website, und oft genug ist AI ein Thema. Aber nicht nur.

Das neue White Paper unter dem Titel „INTELLIGENCE: WHAT EUROPE NEEDS TO KNOW” umfasst rund 200 Seiten und ist auf Deutsch und Englisch am 17. März erschienen – abrufbar via  https://human-magazin.de

Reden wir über Hochbegabung, aber wie? – Mit dem Wörterbuch!

Von AD(H)S bis „Zone nächster Entwicklung“: Das Wörterbuch der Hochbegabung erklärt die gängigen Begriffe anschaulich und liefert den Überblick.
Ein Gesamt-PDF der 2. Auflage ist hier verfügbar. Darüber hinaus gibt es auch eine Online-Version in DEUTSCH und ENGLISCH.

Der Fokus liegt zwar auf Schule, aber im Sinn des „lebenslangen Lernens“ finden auch Personen, die nicht im Bildungssystem arbeiten, hier spannende (Er)Klärungen. Fazit: Praktisch und nützlich!