4 Fragen an … Walter Werzowa (österreichisch-amerikanischer Komponist, Audio-Branding-Pionier und Professor an der mdw)

Univ.-Prof. Walter Werzowa ist ein österreichisch-amerikanischer Komponist, Audio-Branding-Pionier und Professor an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er komponierte unter anderem das ikonische Intel-Logo („Intel Bong“), Filmmusik in Hollywood und Beethovens 10. Symphonie mithilfe von KI. Mit seinem Projekt HealthTunes verbindet er Musik, Wissenschaft und Technologie zu evidenzbasierter „MusicMedicine“. Mehr zu Walter Werzowa hier.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Ich habe sehr lange an meinen Fähigkeiten gezweifelt. Ich habe mich stets mit den Besten an der Universität verglichen – und es gibt in jedem Fach immer jemanden, der besser ist.
Trotzdem wusste ich immer, dass ich im musikalischen Umfeld tätig sein will und werde. Rückblickend kann ich sagen, dass gerade diese Zweifel ein großer Antrieb für mich waren.
Ich wünsche jedoch allen Leserinnen und Lesern, dass sie früher Frieden mit ihren eigenen Talenten schließen können.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Meine Eltern waren immer sehr fördernd, und anspornend, ich wünschte mir sie hätten mit mir musiziert.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Ein wichtiger Aspekt ist, dass wir nicht nach Perfektion suchen sondern nach Freude in der Umsetzung und dem eigenen Talent finden. Wir müssen auch Raum für “creative accidents” lassen.
Diese ermöglichen oft Quantum Sprünge in der Kreativität.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Für mich ist hier das Wichtigste dass wir vom Werten und beurteilen ablassen. Im Zuge der Beurteilung wird vor allem hier mit Europa oft “shaming” eingesetzt dass für Selbstvertrauen und Kreativität so gut wie tödlich ist.
Hier sollten Lehrer, Professoren und Eltern sich selbst analysieren ob sie manchmal unterschwellig diese Waffe einsetzen.

 

Hochbegabung, die — Grammatikalisch ist Hochbegabung weiblich

Über die Autorin: Alexandra Beran arbeitet als Ärztin und als Systemische Beraterin und Therapeutin. Mit ihrer fast 20-jährigen Erfahrung im Bereich Hochbegabung berät sie Einzelpersonen, Familien und Unternehmen zum Thema Hochbegabung. „Hochbegabung in allen Lebenslagen“ ist ihr Motto! Denn Hochbegabung spielt in allen Lebensbereichen eine Rolle. Nicht nur in Schule oder Beruf, sondern auch in der Freizeitgestaltung, Freundeskreis, Medizin, Partnerschaft und manchmal bis hin in die Sexualität.
Alexandra Beran ist gut mit hoch- und höchstbegabten Menschen vernetzt und ihr Netzwerk im Bereich Wirtschaft und Politik wächst stetig. Sie ist Co-Autorin des Buches „Innovationen — Frauen schaffen Zukunft“, und war Studiogast bei „Arte Saloon“ zum Thema Intelligenz. Sie hält Vorträge bei der Bundesagentur für Arbeit in Mainz, dem Zentrum für Lehrerbildung in Kaiserslautern, in Kliniken, bei der Friedrich-Naumann Stiftung u.v.m. www.alexandra-beran.de 

Stellen Sie sich vor, Sie werden zu einer Veranstaltung von und mit hochbegabten Menschen eingeladen. Sie überlegen, wem sie dort begegnen werden, welche Gesprächsthemen es wohl geben wird und vielleicht ist Ihnen auch ein kleines
bisschen mulmig zumute, bei dem Gedanken, dass da so viele hochintelligente Menschen anwesend sein werden. Sie betreten den Raum und er ist voll mit… Frauen!
Hätten Sie das erwartet?

Warum hochbegabte Frauen oft unsichtbar bleiben
Die Intelligenz ist bei Männern und Frauen etwa gleich verteilt und doch treten hochbegabte Frauen weniger in Erscheinung. Woran liegt das?
Zum einen verbindet die Gesellschaft Intelligenz eher mit dem männlichen Geschlecht. Möglicherweise weil Männer sich mehr zeigen. Besonders deutlich nehmen wir Hochbegabung bei Quizshows wahr. Und nahezu alle Profi-Quizzer sind männlich.

Zum anderen ist Anpassung ein großes Thema. Anpassung an die Norm. Das heisst, das schnelle Denken zügeln, die Sprechgeschwindigkeit drosseln, Small Talk halten, etc.
Das ist natürlich nicht nur bei Frauen so, aber sie können aufgrund sozialer Rollenbilder oder Erziehung wahre Meisterinnen der Anpassung sein. In extremen Fällen wissen sie gar nicht, wie und wer sie selbst wirklich sind. Und da sie es gewohnt sind, sich schon ab der Kindergarten- und Grundschulzeit ihrem Gegenüber stets anzupassen, fällt es ihnen selbst überhaupt nicht mehr auf.

Weniger Anpassung, mehr Sichtbarkeit!
Anpassung ist sehr energieraubend und kann über Jahre hinweg zu massiver Erschöpfung, dem gleichzeitigen Auftreten von Boreout und Burnout oder sogar zu
Depressionen führen.

Hinzu kommt, wenn hochbegabte Frauen stets angepasst sind, sind sie mit ihrer Hochbegabung für andere Menschen, sogar auch für andere Hochbegabte, nahezu unsichtbar und sie werden als merkwürdig oder seltsam wahrgenommen. Das ist fatal! Denn es ist für alle Menschen, egal ob hochbegabt oder nicht, wichtig, im passenden Umfeld zu sein, um Zugehörigkeit zu erleben, ihr Potenzial entfalten zu können und um soziale und emotionale Anbindung zu erfahren.
Deshalb ist es zwingend notwendig, um die eigene Hochbegabung zu wissen, dies gilt für alle Geschlechter. Es hat positive Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche, sowie die körperliche und psychische Gesundheit.

Hochbegabte Menschen sind anders in ihrer Wahrnehmung, Geschwindigkeit, Intensität, Denken, etc. Sie weichen damit von der Mehrheit ab. Das ist nicht schlechter oder besser. So wie sie sind, sind sie völlig in Ordnung, sie gehören
lediglich einer Minderheit an. Sich dessen bewusst zu sein ist wichtig. Denn es erklärt, weshalb sie manchmal nicht verstanden werden, z.B. in ihren Werten, Planungen, Ideen…
Wenn sie sich dieses Andersseins bewusst sind, erklärt sich fast schon von selbst, weshalb manche Handlungen als anstrengend oder unangenehm empfunden und dann vermieden werden oder weshalb es vielleicht zu Missverständnissen kommt.

Ein neues Leben!
Wenn sich Frauen ihrer Hochbegabung bewusst sind, können sie so manches aus einer anderen Perspektive betrachten. Situationen, Kommentare, Erlebnisse, die zuvor vielleicht als abwertend, bloßstellend oder schwächend wahrgenommen wurden, können nun anders eingeordnet werden. Es gibt ein Erklärmodell dafür und damit verlieren solche Erlebnisse ihre schwächende Wirkung. Selbstzweifel schwinden, wenn ein Austausch mit anderen hochbegabten Frauen möglich ist.

Oftmals starten Frauen nach der Entdeckung ihrer Hochbegabung beruflich richtig durch. Entweder im vorhandenen Job oder sie beginnen etwas völlig Neues. Sie haben dann mehr Energie zur Verfügung, weil sie sich Räume und das passende Umfeld schaffen können, wo keine Anpassung notwendig ist — wo sie „sein“ dürfen, einfach so wie sie sind. Dies und noch einiges mehr trägt dazu bei, dass Frauen ein anderes Bewusstsein für sich entwickeln können und mehr Selbstwirksamkeit erfahren können. Die positiven Auswirkungen sind auch in der Familie spürbar, so können Mütter, die sich mit ihrer eigenen Hochbegabung gründlich auseinandergesetzt haben, ihre Kinder besser bei den Herausforderungen mit deren Hochbegabung unterstützen.

Wie können wir hochbegabte Frauen und Mädchen erkennen? Und wie können hochbegabte Frauen sich selbst erkennen?
Jeder Mensch ist einzigartig, das gilt auch für hochbegabte Menschen. Nichts desto trotz sind es oftmals Kleinigkeiten und wenn diese sich häufen, sollte man an eine unerkannte Hochbegabung denken.

Hier einige Beispiele:
• Ein wacher, lebhafter Blick
• Gedanklich oft einen oder mehrere Schritte voraus sein, bei Planungen oder in Diskussionen
• Schnelles Sprechen, Gedankensprünge
• Viele Dinge gleichzeitig im Blick haben, beruflich und privat
• Viele oder konträre Hobbies oder Interessensgebiete
• Hohe Ansprüche an sich selbst und andere
• Neugierig, im Sinne von vielseitig interessiert sein
• Dinge ganz genau wissen wollen
• Smalltalk können, aber nicht mögen; lieber tief gehende Gespräche
• Sich selbst als widersprüchlich wahrnehmen oder von anderen so wahrgenommen werden
• Hochbegabte Familienmitglieder
• Routinetätigkeiten kosten viel Kraft und ermüden, z.B. Hausarbeit

Es lohnt sich, seinen IQ zu kennen!
Ist er in der Norm, ist es wunderbar.
Ist er außerhalb der Norm, sollten wir reden 😉

EDITORIAL zu Ausgabe 04: Name für Talentierte, Dank und Bitte(n)

„Die Url verlangt einiges Talent beim Merken von schwierigen Buchstabenkombinationen und Konzentration beim Eintippen“ schrieb kürzlich die Tageszeitung „DER STANDARD“ vor einiger Zeit über XLNTTLNT.net.
Warum ich das trotzdem gewählt habe? Weil es unique ist. Und weil es etwas mehr Eleganz versprüht als EXCELLENTTALENT. 😉

Wieder sind 2 Wochen um und eine neue Ausgabe des Newsletters ist erschienen. Diesmal nehme ich dich mit „hinter die Kulissen“: Seit ich mit dem Projekt begonnen habe, lerne ich laufend neue Themen, Institutionen und Personen kennen, und ich lerne laufend dazu. Das ist toll und ein publizistisches Privileg. Ich bin allen dankbar, die mit mir hier kommunizieren – Forscher:innen, Autor:innen, oft auch Personen aus Pressestellen. Sie alle bemühen sich sehr, liefern Inhalte, schlagen Fotos vor, beantworten Fragen und klären Fakten. Manchmal dauert es einige Zeit, aber oft geht das ziemlich rasch und zackig. Liebe Kolleg:innen, liebe Beitragende: VIELEN DANK!

Das Besondere bei dieser Form von Newsletter ist, dass die meisten Inhalte zwar NEU und AKTUELL sind, aber auch eine gewisse Lebensdauer aufweisen.
Wenn du hier NEU bist, dann schau gerne auch mal in die vorigen Ausgaben rein. Besonders mag ich die Interviews mit spannenden Menschen über ihre Begabungen. Mittlerweile hat sich eine kleine Sammlung von unterschiedlichen Perspektiven ergeben. Danke fürs Mitmachen, fürs Dabeisein, fürs Lesen, für Feedbacks und für die Verbreitung (like & share & forward).

Das Foto oben zeigt übrigens den Großen Galtenberg im Tiroler Alpbachtal. Auf ihn zu wandern ist auch eine Challenge, aber wunderschön!

4 Fragen an … Dieter-Michael Grohmann (Regisseur, Autor, Filmemacher, Multimediakünstler und Unternehmer)

1963 in Wien geboren, studierte Dieter-Michael Grohmann Rechtswissenschaften sowie Werbung in Österreich, Management in der Schweiz und Film u.a. an der New York Film Academy (USA). Er betreibt die Filmproduktion und Unternehmens-/ Kommunikationsberatung „beyond by DMG“; weiters unterrichtet er u.a. Kreativität an einer internationalen Business School. Seine Filme gewannen mehr als 250 internationale Awards. Augenzwinkernd meint er, er sei wohl der unbekannteste Prominente aus Österreich. Aktuelles Buch: “Kroatische Elegien

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Eigentlich war ich seitdem ich denken kann schöpferisch tätig. Da dies in einer Familie in der Kunst maximal als Hobby, aber nicht als ernsthaft erachtet oder gefördert wurde, verblieb fast alles privat wie eine Fingerübung. Später in verschiedensten Berufen wie Citymarketing, Politikberatung und selbst Unternehmenskommunikation wollte fast alles nicht verstanden werden und daher nicht umgesetzt. Gefragt war nicht Kreativität und “Out-Of-The-Box” Kommunikation, sondern allgemeine, angepasste Administration. Erst nach der Entsendung 2005 nach Belgien zu einem europäischen Verband (u.a., weil man mit mir als Unangepasstem in Österreich nichts anzufangen wußte) konnte ich mich entfalten und unter einem weitsichtigen Mentor Multimediaevents und visuelle Narrative umsetzen. Eines diese Projekte (“How it feels to be an entrepreneur”) hatte binnen 3 Tagen mehr als 7.500 Besucher in Brüssel und im Jahr darauf in Barcelona mehr als 10.000 Besucher im gleichen Zeitraum. Plötzlich wurde ich als kreativ und als genial gehandelt. Als der Mentor pensioniert wurde, klang dies sukzessive ab und bald galt ich als irgendetwas zwischen Spinner und Künstler. Dabei halte ich mich selbst weder als Spinner noch als besonders kreativ. Ausschlaggebend für die Entfaltung war ein persönliches Grundvertrauen und ein von der Hierarchie gewährter Safe-Space. Was ich u.a. vom Spiel Tetris gelernt habe, ist: wer sich perfekt einfügt, verschwindet als Individuum – und somit sind herausragende Ergebnisse kaum möglich.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Gott hat uns Arme und Beine gegeben um zu gestikulieren und eine Stimme um zu schreien. Und was heißt es in der Schule? Still sitzen und Maul halten. Es geht auch nicht darum seinen Namen zu tanzen, sondern das Individuum zu erkennen und zu fördern. Das ist unbequem. Ein Zitat eines ehemaligen Arbeitgebers, welches von einem Wohlwollenden an mich weitergereicht wurde? “Dieter ist echt gut, aber er weiß es (noch) nicht. Daher müssen wir ihn jetzt brechen und so umbauen, dass er uns nützt ohne es zu begreifen.” Ich rebellierte damals nicht wirklich gegen das System, obwohl dieses und deren Entourage mich zwar erkannte, aber mein “Coming-out” nachhaltig behinderte, statt es zu nutzen – bis der Damm gebrochen ist und ans Licht mußte, was ans Licht mußte. Auf der anderen Seite bin ich heute auch sehr dankbar, dass ich so lange von außen nicht entsprechend gefördert wurde. So habe ich einen freien Blick auf Systeme und die Gesellschaft bewahrt und geschärft. Für mich als Künstler und mehr noch als Mensch ist das Prinzip Freiheit essenziell.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Ich halte mich wie gesagt nicht für besonders begabt oder kreativ, sondern nur für weitgehend frei denkend. Ich sehe vieles von mehreren Blickwinkeln und damit wird eine eindimensionale Gesellschaft und ihre gefängnisartigen Systeme sehr drei- und sogar vierdimensional. Dadurch werden sie als inferior lächerlich entlarvt. Die Hauptfrage ist: Wieviel Zeit ist mir noch gegeben meine Projekte auch gegen Widerstände umzusetzen – und wie komme ich an die Finanzierung ran, die dazu nötig ist. (Stichwort Echokammer Filmförderungssysteme und es wundert mich immer mehr wie viele tatsächlich grottenschlechte Projekte teilweise höchst gefördert werden – bzw. wundert es mich auch nicht wirklich.)

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
In einer globalen Gesellschaft, die ideologisch immer enger wird, frage ich mich wie es möglich sein kann individuellen Begabungen jene Freiheiten einzuräumen, die diese brauchen. Im Zeitalter der unbeweglichen Schützengräben der Cancle-Culture einerseits und der trotzigen Gegen-Cancle-Culture sehe ich nur den “Untergrund des Geistes” als Chance für eine Zeit nach der Exklusivität der Förderung jener, die das System weiterbauen und beschützen. Begabung muss frei sein und darf nicht von der einen oder anderen Seite vereinnahmt werden. Aber für eine Person mit einem Hammer sieht alles aus wie ein Nagel, wie Neil Postman schreibt. Man muss jedenfalls bereit sein für diese Stunde Null, in der wieder alles möglich ist – sofern es gut, richtig und wahr ist, ein Geschenk für die Menschheit und Humanität und nicht mehr “just another brick in the wall.”

Das Dasein (be)greifbar gemacht: Wunderwerk Leben

Erst seit Ende 2024 existiert das Projekt WUNDERWERK LEBEN, das die Forscherin Sophie Imhof von New York aus auf die Beine gestellt hat.
Mittlerweile sind fünf Ausgaben des Magazins, in dem jeweils Grundlagen eines Themas anschaulich erklärt werden, erschienen. Sie meint: „Mein Magazin ist eine Einladung, das Leben in all seiner Komplexität zu hinterfragen, bizarre biologische Mechanismen zu ergründen und Dankbarkeit für das Wunder unseres Daseins zu entwickeln.“

Immer geht es um Geist, Gehirn und Bewusstsein, die Perspektive wechselt allerdings: Mal ist es Ernährung, dann Sport – und zuletzt Künstliche Intelligenz“. In anschaulicher und sehr persönlicher Sprache vermittelt Imhof, die als Postdoctoral Researcher bei Weill Cornell Medicine tätig ist, ihre Sicht der Dinge. Oft ist auch Philosophie für den Alltag mit dabei. Immer wieder kommen weitere Expert:innen kommen zu Wort.

EDITORIAL zu Ausgabe 03: XLNTTLNT wächst. Vielen Dank!

Hallo und an alle, die neu dabei sind!

Offenheit und Neugierde – das soll den Stil und Umgang hier prägen.
In einem Pitch habe ich einmal geschrieben: Hier trifft positive Psychologie auf konstruktiven Journalismus.

Und es läuft!

Die vergangenen Wochen waren von Präsentationen, Gesprächen und Recherchen geprägt. Eines führt zum anderen, und plötzlich ist man in Kontakt mit Persönlichkeiten, von denen man es nicht erwartet hätte.
Die kommenden Ausgaben sind bereits in Planung. Wenn du eine Idee für ein Thema oder einen Beitrag hast, bitte melde dich (redaktion@xlnttlnt.net).
Und bitte empfiehl uns weiter – persönlich oder durch Sharing der Beiträge. Spread the word!

Thomas

PS: Wer hat eine Idee, wo das Foto aufgenommen wurde? Ich freue mich auf Hinweise …

Begabten Gehirnen live beim Lernen zusehen – und daraus lernen

Ein Team an der Uni Tübingen forscht aktuell daran, wie sich intellektuell begabte Kinder im Grundschulalter bei Lernen und Informationsverarbeitung von Gleichaltrigen unterscheiden. Das Forschungsprojekt GIDEON steht für Giftedness, Development, and Education. MRT-Aufnahmen erfassen die Gehirnaktivität während des Ansehens von Lernvideos. Dieses Setting ist der Lebensrealität näher als z.B. Interviews oder strukturierte Gespräche und ermöglicht genauere Untersuchungen als etwa mittels EEG in Schulklassen. Damit will man die neuronalen Mechanismen aufdecken, die herausragende Lernergebnisse ermöglichen.
Die teilnehmenden Kinder wurden in Zusammenarbeit mit der Hector Kinderakademie ausgewählt.

Neurowissenschaftlicher Begleitkurs zur Studie 

Begleitend zur Studie wird ein neurowissenschaftlicher Kurs für die Kinder entwickelt, die an der Untersuchung teilnehmen. Damit will das Team unter der Leitung von Michiko Sakaki und Jessika Golle das Bewusstsein der Kinder für das eigene Potenzial zu stärken und dadurch Motivation und Lernerfolg zu unterstützen. So profitieren sie frühzeitig selbst von der Teilnahme.

Gastbeitrag von Birgit Hartel: Frühe Begabungen vor den Vorhang!

Birgit Hartel arbeitet als Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin in eigener Praxis in Wien (www.hochbegabung.wien) und als Trainerin in ganz Österreich. Sie studierte Psychologie, Pädagogik und Sonder- und Heilpädagogik. Ihre Themenschwerpunkte sind (Hoch-)Begabung, Lernen lernen und die persönliche Stärkenentwicklung. Sie ist diplomierte ECHA-Pädagogin (Expert in Educating the Gifted), mBETplus-Begabungscoach und Marte-Meo Therapist.
Hartel bringt ihre Erfahrungen als ECHA-Länderbeirätin für Wien und als stellvertretende Leiterin der Fachsektion Pädagogische Psychologie im Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) ein. (Foto: Sebastian Frank)

Die frühe Förderung von Begabungen erfährt in den letzten rund 15 Jahren deutlich mehr Beachtung. Erkenntnisse der Expertiseforschung über die Bedeutung eines frühen Einstiegs in eine Domäne legen eine interessen- und stärkenbezogene Förderung von Kindern schon vor dem Schuleintritt nahe. Aus den Bereichen Sport und Musik ist das hinlänglich bekannt. In der Regel liegt das Einstiegsalter zwischen dem dritten und achten Lebensjahr. Auch in akademischen Begabungsdomänen beginnt spätestens mit dem Schuleintritt im meist siebten Lebensjahr eine systematische Unterweisung. Einfühlsame Eltern (und ElementarpädagogInnen) reagieren jedoch bereits lange vor Schuleintritt auf die Interessen und den Wissensdurst junger Kinder und legen damit den Grundstein für eine „positive Wissensspirale beim Lernen“ (Ziegler, 2014, S. 101). Eine gut strukturierte Wissensbasis im vorschulischen Alter stellt eine notwendige Voraussetzung für spätere, schulische Lernprozesse dar. Begabte Kinder gelten dabei als erfolgreicher, Informationen aus ihrer Umwelt durch ausgeprägtes Explorationsverhalten zu integrieren. So kann bereits bei begabten Kindergartenkindern ein teilweise umfangreiches Spezialwissen beobachtet werden, das über die Lebensspanne hinweg bis zum ExpertInnenniveau ausgebaut wird. Gleichzeitig erwerben sie bereits früher Problemlösestrategien und höher ausgeprägte metakognitive Kompetenzen. Das Fähigkeitspotenzial eines Kindes rechtzeitig einzuschätzen, trägt somit zu einer entwicklungsangemessenen Begabtenförderung bei.

Kinder mit Hochbegabung brauchen Lernangebote, die zu ihrem Potenzial passen. Fehlen diese, drohen sinkendes Selbstvertrauen, Verhaltensauffälligkeiten, sozialer Rückzug oder psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Hochbegabtenförderung ist daher kein „Luxus“, sondern Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung – und in den Kinderrechten verankert.

Eltern hochbegabter Kinder spielen eine Schlüsselrolle in der Förderung ihrer Kinder, geraten dabei aber oft selbst unter Druck. Studien zeigen: Sie brauchen Wissen, Austausch und emotionale Unterstützung. Viele fühlen sich isoliert, unsicher in Erziehungsfragen und erschöpft, weil sie zwischen institutionellen Rahmenbedingungen (in Kindergarten oder Schule) und den individuellen Bedürfnissen ihres Kindes vermitteln müssen. Sie sind gefordert, immer wieder als „Anwälte“ ihrer Kinder aufzutreten – in Schule, Kindergarten oder sogar im Freundeskreis. Fachliche Beratung, mehr gesellschaftliche Anerkennung und der Austausch mit anderen betroffenen Familien helfen, diese Aufgabe gelassener und gestärkter wahrzunehmen.

Ein Angebot, das die Bedürfnisse der Eltern hochbegabter Kinder aufgreift, ist die online-Gruppenberatung „BeGIFTed!“ der Praxis Hartel-Elementar, die jedes Monat einem anderen Thema aus dem Alltag mit hochbegabten Kindern gewidmet ist.
Am 20.10.2025 dreht sich alles um die frühe (Hoch-)Begabtenförderung. Gastexpertin Sabine Wohlfahrt, Begabungspädagogin aus Kärnten, berichtet aus ihrer Praxis und gibt Tipps zur Förderung junger begabter und interessierter Kinder. Folgende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt: „Welche Rahmenbedingungen braucht es, um innerhalb der Familie eine begabungsfreundliche Umgebung zu schaffen?“ „Wie können Familien individuelle Stärken und Interessen fördern?“ Im Austausch untereinander entstehen sicher viele, einzigartige Förderideen! Und um die hochbegabten Eltern selber und ihre Bedürfnisse geht es übrigens am 24.11.2025.

Fazit: Hochbegabte Kinder benötigen passende Lernbedingungen – und ihre Eltern brauchen Rückhalt. Wer beides zusammendenkt, stärkt nicht nur das Potenzial der Kinder, sondern das gesamte Familienleben.

Literatur:
Hartel, B. (2021). Begabungsdiagnostik bei Kindergartenkindern. Psychologie in Österreich, 2, 147–155.
Ziegler, E. (2014). Talent und Begabung in der Kognitionspsychologie. In M. Stamm (Hrsg.), Handbuch Talententwicklung. Theorien, Methoden und Praxis in Psychologie und Pädagogik (S. 97-106). Bern: Huber.

Digitale Drehtür: In Österreichs Schulen angekommen

Die Digitale Drehtür wird seit dem Sommersemester 2025 österreichweit in ausgewählten Schulen angeboten und aktuell ausgebaut. Hier haben Schülerinnen und Schüler (nach dem in der Begabungs- und Begabtenförderung etablierten Drehtürmodell) die Möglichkeit, sich zeitweise „aus dem Unterricht herauszudrehen“ und individuelle Programme auf einer pädagogisch kuratierten Online-Plattform zu besuchen.
Das Angebot umfasst alle Schulstufen von der 1.-12. Schulstufe. Rund 370 Schulen (darunter sehr viele Volksschulen) nehmen aktuell teil, die Bundesländer Oberösterreich und die Steiermark sind führend bei der Umsetzung. Derzeit sind etwa 1.000 Schülerinnen und Schüler angemeldet und aktiv. Das Programm kann ausgebaut werden.

Das Österreichische Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) an der Pädagogischen Hochschule Salzburg ist die Schnittstelle für die Koordination mit dem Landesinstitut für Schule – Vernetzungsstelle Begabungsförderung Bremen, von dem die Digitale Drehtür entwickelt wurde, den Bildungsdirektionen und dem Bildungsministerium, das die Umsetzung in Österreich finanziert.
Außerdem forscht das Team von ÖZBF-Leiterin Claudia Resch begleitend zum Programm. Die Nominierung von Schulen erfolgt in Österreich über die Bildungsdirektionen in den Bundesländern. Schulen müssen über Lehrkräfte verfügen, die sich als Ansprechpersonen vor Ort besonders um das Thema kümmern und über ein Commitment im Kollegium.

Kontakt und Linkssammlung (ÖZBF): https://phsalzburg.at/oezbf/foerdermethoden-oezbf
Digitale Drehtür (Website aus Bremen): https://www.digitale-drehtuer-campus.de/explore

Himmel über den Alpen

Zum Start – und generell im Leben: MACHEN WIR MEHR DARAUS!

Herzlich willkommen!

XLNTTLNT – hm?

Der Name ist ein Sprach- und Wahrnehmungsspiel, die Kurzform von „eXcelLeNT TaLeNT“. Wenn man die Bedeutung einmal erfasst hat, dann bleibt sie im Gedächtnis.

XLNTTLNT eben. So soll es sein, das macht diesen Namen nochmals attraktiver!

XLNTTLNT richtet sich an Entwickler:innen von Begabungen und Talenten – im Bildungswesen, in Unternehmen und Organisationen, in der Forschung, der Familie und natürlich für sich selbst. Du bist vielleicht in mehreren gesellschaftlichen Rollen am Thema interessiert – umso besser!

Die Idee für den Newsletter und die Online-Plattform XLNTTLNT stammt von mir – Thomas GOISER. Ich habe das Projekt seit Sommer 2024 verfolgt und entwickelt. Eine Förderung im Rahmen der Wiener Medieninitiative macht nun den Start möglich. Außerdem beschäftige ich mich professionell mit strategischer Kommunikation und Sicherheit in ihren Facetten, u.a. im Podcast „sicherheitsbewusst“.

Geplant ist jetzt einmal, dass der Newsletter XLNTTLNT alle zwei Wochen erscheint. Hier gibt’s regelmäßig Praxistipps, Einblicke aus der Forschung, Infos zu Veranstaltungen, Medienangebote etc. Und das für den gesamten und vielfältigen deutschsprachigen Raum. Inhaltlich sind wir breit also aufgestellt.

Was es hier NICHT geben wird: Esoterik, Angebote für Krypto-Investments aller Art oder „besonders lukrative Anlageformen“. Stattdessen setzt XLNTTLNT auf slow & constructive Journalism, persönlichen Nutzen, spannende Menschen und positive Psychologie. Damit fördern wir die Entfaltung von Begabungen und Talenten in der Gesellschaft.

HIER kannst du dich kostenlos registrieren.

Kontakt für Feedback aller Art: redaktion@XLNTTLNT.net

Inzwischen liebe Grüße aus Wien, herzliches Dankeschön und bis bald!