Stärke(n) aufs Spielfeld bringen: Talenteförderung beim österreichischen Fußball-Rekordmeister Rapid

Der Sportklub Rapid ist ein Wiener Fussballverein und mit 32 Meistertiteln österreichischer Rekordmeister. Aktuell haben die traditionsbewussten Grün-Weißen erstmals mehr als 25.000 Mitglieder und sind auch damit österreichischer Spitzenreiter. Seit 2022 existiert eine eigene Abteilung für Frauen. Der Aufbau von Nachwuchs hat im Verein einen hohen Stellenwert.
Willi Schuldes (Head of Academy & SK Rapid Women) gab dazu Auskunft – ein besonderer Einblick über Talenteförderung für den Spitzensport.

Wer sich der Ausbildung bei Rapid unterzieht, verbringt viel Zeit im Training und mit dem Verein, etwa in einer Akademie mit Kooperationsschulen bzw. -Lehren. Das bedeutet sechs bis acht Mal pro Woche Training und wenig Freizeit für andere Aktivitäten. Wer voll einsteigt, stellt Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten um, hier unterstützt der Verein mit umfassender Begleitung inkl. Persönlichkeitsbildung, Sportmedizin, Sportpsychologie und Ernährungsberatung.
Im Lauf der Zeit orientiert man sich bei den Jugendlichen in der Ausbildung stark an den Positionen, an denen sie eingesetzt werden und wie der in Zukunft erwartete Bedarf sein wird. Besonders ausgeprägte Stärken (intern werden sie gerne umgangssprachlich durch die Wettkampfsituation „Waffen“ genannt) sollen später am Spielfeld den Unterschied machen.

Im Rahmen der Ausbildung erhalten junge Talente auch Schulungen im Bereich der Persönlichkeitsbildung und den klassischen Rapid-Werten, den vereinsinternen Tugenden, vermittelt. Alle Beteiligten versuchen diese Werte ständig vorzuleben. Bereits die 13-14jährigen besuchen das Vereinsmuseum und übernehmen im Stadion bei Spielen Aufgaben als Ballbuben bzw. -Mädchen.

Der Frauenfussball befindet sich bei Rapid Wien im Aufbau – die langfristige Vision sind zwei gleich starke Akademien. Dazu werden auch Trainerinnen auf dem richtigen Niveau mit der passenden Motivation gesucht.
Demnächst soll es – für alle – noch mehr individuelle Betreuung beim Training geben.

https://www.skrapid.at/verein/nachwuchs/

Mut zur Positionierung! – Gastbeitrag von Cornelia dal Sasso

Meine erste Buchhaltung habe ich im Schuhkarton abgegeben. Ich habe mich geschämt, bis ich die Freude meiner Buchhalterin Andrea gesehen hab. Es war, als hätte ich ihr ein Weihnachtsgeschenk überreicht. Ihre Augen leuchten und ich hatte das Gefühl, dass sie es gar nicht erwarten konnte, ihn zu öffnen, die Belege zu sortieren und zu tun, was man eben so macht als Buchhalterin.

„Wie kann man sich nur so über einen Karton voller Belege freuen?!“, fragte ich sie. Sie hat gelacht und gesagt: „Ganz einfach. Schon als Kind habe ich gerne sortiert, geordnet und selbst im größten Chaos den Überblick behalten. Ich liebe das! Für mich ist das ganz leicht und macht echt Spaß!“

In dem Moment war mir klar, dass ich keine bessere Buchhalterin finden würde. Wie gut, dass Andrea sich dieses Talent bewahrt hat. Wie leicht hätte sie sich das ausreden lassen können: „Sortier doch nicht schon wieder alles!“, „Mach mal was Sinnvolles!“, oder: „Nimm dich doch nicht so wichtig mit deiner Ordnungsliebe!“ oder „Schön langsam wirst du echt zum Monk!“
Solche Sätze bekommen viele Kinder zu hören, deren Talente aus dem Rahmen fallen oder unerwünscht sind.

Andrea hat sich davon nicht beirren lassen. Sie hat ihre Freude am Strukturieren behalten und daraus ihr berufliches Zuhause gemacht.

Mut zur Positionierung beginnt genau da:
Bei der ehrlichen Anerkennung dessen, was uns anders macht und wer wir wirklich sind. Andrea hätte sich ja auch denken können: „Sortieren, ordnen, strukturieren – das kann doch jede*r.“ Hat sie aber nicht. Sie hat verstanden, dass genau darin ihr Wert liegt und sie damit Menschen wie mich rettet.

So findest Du den Mut, Dich zu positionieren:

  1. Recherchiere, was Dich anders macht.
    Finde heraus, was Du schon als Kind gut konntest. Frag Deine Familie oder Menschen, die Dich schon lange kennen: Womit habe ich Euch früher überrascht? Was konnte ich, ohne es zu üben?
  2. Finde Orte, an denen Du wertvoll bist.
    Mut braucht Resonanz. Finde Umfelder, in denen Deine Talente gebraucht und geschätzt werden. Das kann ein Netzwerk sein, ein Team, ein Projekt oder eine Community, in der Andersartigkeit als Stärke gilt.
  3. Bezieh Position und nimm sie in Besitz.
    Sag wofür Du stehst, was Du besonders gut kannst und wofür Dich andere kennen sollen.

Positionierung ist keine Angeberei, sondern ein Angebot: Du hilfst Menschen, Dich zu finden, weil Du klar sagst, wofür Du da bist.

Warte nicht bis andere Dich und Deine Talente erkennen. Bestimme selbst und positioniere Dich. Denn damit machst Du nicht nur Dein Leben lebenswerter – Du hilfst auch anderen, ihre Talente zu leben.
Weil sie sich dann nicht mehr mit Schuhkartons voller Belege aufhalten müssen.

Cornelia dal Sasso ist Markenstrategin, Wirkungsprofilerin, Positionierungscoach und Unternehmerin seit 2012. Sie unterstützt Unternehmer*innen und Führungskräfte dabei, ihren unverwechselbaren AndersFaktor® zu entdecken und zur gefragten Persönlichkeit zu werden. Mit ihrem Fokus auf Positionierung, Wirkung und authentisches Personal Branding entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund*innen Strategien, einprägsame Botschaften und klare Fahrpläne für Sichtbarkeit und Unverwechselbarkeit. In ihrem Unternehmer*innenClan bietet sie einen Ort, um sich auszuprobieren, zu wachsen und unternehmerisch weiterzuentwickeln. https://www.cornelia-dalsasso.at/ 

Medientipp: Video-Dialogpodcast Talking about Talent

Barbara Saring aus München und Katja Higatzberger aus Mödling betreiben den Video-Podcast „Talking about Talent“. Im Dialog miteinander besprechen und beschreiben sie in kompakten Folgen von bis zu 15 Minuten immer wieder einmal unterschiedliche Themen im Zusammenhang mit Hochbegabung.
Die Konzepte, Modelle und Phänomene sind vor allem für Bildungs- und Erziehungswesen interessant, aber auch Ältere können davon profitieren.
Mit Dezember 2025 sind 15 Folgen online – hier auf YouTube sowie als übersichtlicher Linktree.

 

4 Fragen an … Marina WEISBAND (Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung)

Marina Weisband, geboren 1987 in der Ukraine, ist Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung. Von 2011 bis 2012 war sie politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Heute ist sie weiter politisch aktiv, engagiert sie sich bei den Grünen in den Themenbereichen Digitalisierung und Bildung und kämpft für Kinderrechte. 2020-2022 war sie Co-Vorsitzende des Digitalisierungsvereins D64 e.V.
Sie ist Autorin mehrerer Bücher, z.B. „Wir nennen es Politik – Ideen für eine Zeitgemäße Demokratie“ (2013, Tropen); „Frag uns doch – Ein Jude und eine Jüdin erzählen aus ihrem Leben“ (2020, Fischer, mit Eliyah Havemann), „Was uns durch die Krise trägt“ (2023, wbg, mit Frido Mann) und „Die neue Schule der Demokratie“ (2024, Fischer).

Hauptberuflich gestaltet sie seit 2014 das Projekt aula – inzwischen aula gGmbH – ein Konzept zur politischen Bildung und liquid-demokratischen Beteiligung von Jugendlichen an den Regeln und Angelegenheiten ihrer Schulen und außerschulischen Organisationen (www.aula.de)
Darüber hinaus hat sie eine regelmäßige Radiokolumne beim Deutschlandfunk und berät zu verschiedenen Aspekten von digitalem Wandel und Demokratie. Sie berät Unternehmen und Filmschaffende zu Fragen der Diversität und Beteiligung.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Ich war als Kind eher schüchtern und introvertiert. Erst Rollenspiel hat mir gezeigt, dass ich – in einer Rolle zunächst – auftreten, sprechen, Raum einnehmen kann. Fürs Rollenspiel habe ich Kunst, Handwerk, Nähen angefangen. Und dann konnte ich aus dem spielerischen Raum in den echten gehen und dort glänzen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Ich wäre froh, wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich ADHS habe und nicht „faul“ oder „respektlos“ bin. Mit den richtigen Werkzeugen kann ich mein Leben sogar fast so gut organisieren wie normale Menschen! Vor allem kann ich aber ganz andere Dinge gut. Und das hätte man früher als Stärke begreifen können.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich weiß noch immer nicht, was „Begabung“ ist. Was nützte es mir als Kind, „hochbegabt“ zu sein, wenn ich nicht die Aufmerksamkeitssteuerung hatte, wirklich etwas damit zu erreichen? Ist Begabung mehr wert als Passion und stetige Übung? Und wenn nicht, warum sprechen wir dann über sie?

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Jeder Mensch ist begabt. Wir neigen dazu, das im akademischen Bereich zu sehen und entlang einer eindimensionalen Schiene zu arrangieren – von Gut nach Schlecht. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht begabt war. Und alle diese Begabungen verdienen Förderung. 

4 Fragen an … Pius M. Theiler, Physiker, Ingenieur, Material- und Nanowissenschaftler

Pius M. Theiler hat an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), dem MIT und der ETH Zürich studiert. Als Postdoctoral Researcher forscht er zur Zeit am National Renewable Energy Laboratory in Denver, Colorado, USA.
Als Physiker, Ingenieur und Materialwissenschaftler bewegt er sich an der Schnittstelle zu Mikro- und Quantenwelten. Neben seiner Forschung engagiert er sich für die Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte und absolviert eine Zweitausbildung zum Gymnasiallehrer für Physik.

Kürzlich wurde ein wissenschaftlicher Durchbruch veröffentlicht, an dem er maßgeblich mitgewirkt hat (Science, DOI: 10.1126/science.ady4885). Die Studie zeigt, wie das Fehlen von Spiegelsymmetrie in Molekülen und Materialien das Verhalten von Ladungsträgern verändert und dadurch magnetische Effekte entstehen lässt: Ganz ohne die sonst üblichen seltenen Elemente. Diese seltenen Erden haben eine zunehmend strategische Bedeutung, weshalb alternative Mechanismen von grossem Interesse sind.
Bemerkenswert ist, dass die Natur dieses Prinzip offenbar schon lange in biologischen Prozessen nutzt. Erstmals konnte gezeigt werden, dass dieser Effekt extrem schnell abläuft – in weniger als einer Billionstel Sekunde. In seiner Forschung versucht Theiler, den zugrunde liegenden quantenmechanischen Mechanismus zu entschlüsseln, um langfristig Wege zu finden, etwa pharmazeutische Wirkstoffe effizienter und nachhaltiger herzustellen.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend? 

Seit ich denken kann, habe ich die Freiheiten genutzt, die mir gegeben wurden und sie wohl auch manchmal etwas gedehnt, um meinem Entdeckergeist Raum zu geben. Mir wurde immer Vertrauen entgegengebracht, und das hat mir Selbstvertrauen geschenkt.
Ich bin immer dann aufgeblüht, wenn man mich einfach hat machen lassen. So habe ich auf intuitive Weise naturwissenschaftliche Gesetzmässigkeiten durch eigene Erfahrungen gelernt. Ich hatte fast immer ein Projekt am Laufen, das mich faszinierte, forderte und mich autodidaktisch weiterbrachte. Wenn die pröbeln einmal nicht ausreichte, war die Gemeindebibliothek direkt gegenüber meinem Elternhaus eine unerschöpfliche Quelle: kein Sachbuch war vor mir sicher. So habe ich mich selbst beschäftigt gehalten, wenn ich in der Schule „zu viel Zeit“ hatte, ohne je das Interesse am Entdecken zu verlieren.
Richtig entfalten konnte ich mich schließlich mit meiner Maturaarbeit. Durch die Unterstützung meiner Physik- und Chemielehrer erhielt ich wertvolle Kontakte zu Expertinnen, Experten und Mentoren an Universitäten.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Im Nachhinein war es wahrscheinlich gut, dass nicht alles zu früh erkannt wurde. So blieb Raum für eigene Wege und Erfahrungen. Gleichzeitig brachte das Anderssein auch Einsamkeit mit sich, wenn meine Fragen oder Gedanken nicht verstanden wurden.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich frage mich oft, wie man Begabung als Ressource steuert: Energie dort einzusetzen, wo sie Wirkung entfaltet, Herausforderungen anzunehmen, die zum persönlichen Wachstum beitragen, und zugleich zu lernen, nicht jede Gelegenheit zu verfolgen, um sich nicht zu verzetteln oder auszubrennen.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Ich beobachte, dass es in der Schweiz im Vergleich zu anderen Kulturen eine starke Orientierung zur Mitte gibt. Diese Haltung hat viele gesellschaftliche Vorteile, kann im schulischen Umfeld jedoch problematisch sein. Konformität führt dazu, dass leistungsschwächere Lernende überfordert sind, während besonders begabte Kinder oft unterfordert und desinteressiert bleiben.
Begabungsförderung lässt sich nicht nach einem festen Rezept gestalten, denn es gibt nicht die eine Form von Begabung. Sie muss nicht aufwändig sein, sollte aber kreativ, individuell und auf die intrinsische Motivation der Lernenden ausgerichtet sein. Wichtiger als reine Leistungsabfrage ist es, Selbstständigkeit und Eigeninitiative zu fördern.
Für Lehrpersonen kann es anspruchsvoll sein, besonders begabte Personen zu begleiten. Es braucht Mut, einzugestehen, wenn man selbst an Grenzen stösst. Gute Begabungsförderung bedeutet, zuzuhören, Orientierung zu geben und Brücken zu anderen Fachpersonen oder Mentoren zu schlagen, die weiteres Wachstum ermöglichen. Manche Lernende haben ein sehr breites Interessenspektrum und hier reicht eine einzelne Bezugsperson oft nicht aus. Doch nichts hemmt Begabung so stark wie ein Umfeld, das durch Konformitätsdruck natürliche Neugier und Entdeckergeist erstickt. So gehen nicht nur Talente verloren, sondern Menschen verlieren auch die Chance, ihr Potenzial wirklich kennenzulernen.

Talent so what? Ein Feiertag zum Nachdenken

Am 24. November ist einer dieser „kuriosen Feiertage“: Der Feier-dein-einzigartiges-Talent-Tag/Celebrate Your Unique Talent Day. Wie viele andere dieser Feiertage ist er eine willkürliche Setzung (aber sind das staatliche oder kirchliche Festtage nicht auch in gewisser Weise?).

Ein Talent-Tag regt einerseits zum Schmunzeln an, aber vielleicht auch zum Austausch untereinander: Was ist Dein besonderes Talent – und was möchtest du gerne perfektionieren?
2026 fällt der Tag auf einen Dienstag und wird dann vielleicht auch bei/von uns mit spannenden Veranstaltungen begangen.

Inspiration delivered – eine Planungshilfe für 2026

TEDx ist eine weltweite Bewegung von Freiwilligen, die an den verschiedensten Locations inspirierende Speaker-Events organisiert. Nach dem Motto „ideas worth spreading“ gibt es im kommenden Jahr von Bozen über Schaan, Luxemburg, Göttingen … dutzende Events im gesamten deutschsprachingen Raum (und hunderte weltweit).

Hier die Landkarte zur leichteren Planung – vielleicht lässt sich ein Städtetrip mit einem TEDx-Besuch verbinden!

In der Zwischenzeit ist auch die Library früherer TED Talks eine (kostenlose) Fundgrube.

Neue Publikation: Künstliche Intelligenz in der schulischen Begabtenförderung (Karg Stiftung)

Ende Oktober veröffentlichte die Karg Stiftung die 56seitige, kostenlose Publikation „Künstliche Intelligenz in der schulischen Begabtenförderung – neue Fördermöglichkeiten, neue Herausforderungen“ (Link zur Website/Download).

In einem ersten Teil befassen sich die beiden Autoren Olaf Steenbuck (Karg Stiftung) und Andreas Terfloth (Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Hamburg) gemeinsam mit den Grundlagen; dabei betrachten sie KI aus dem fachlichen Blickwinkel der Begabungs- und Begabtenförderung. Nutzerinnen und Nutzer lernen – aufbauend auf ihr individuelles Basiswissen zur Anwendung von KI im Bildungswesen – fokussiert die fachliche Perspektive der Begabtenförderung kennen.
In die Praxis geht es dann im zweiten Teil der Publikation, die von Andreas Terfloth gestaltet wurde. Das umfasst einsatzfertige Materialien und Chatbots sowie zusammenfassende Informationsblätter.

Von Andreas Terfloth stammt auch der begleitende Fachartikel „Neue Möglichkeiten durch KI im begabungsfördernden Unterricht: Impulse für die Praxis.

Was Spezialbegabung und Höchstleistung anzieht: Recruiting beim CERN

XLNTTLNT.net hat beim CERN in Genf nachgefragt, worauf dort bei Bewerbungen für wissenschaftliche Positionen besonders geachtet wird.
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte und Kriterien der oft mehrstufigen Auswahlprozesse:

Junge Wissenschafter:innen in Fellowships, Student oder Doctoral programmes erhalten besonders strukturiertes Training, die Möglichkeit ihre Ergebnisse entsprechend zu publizieren und die Chance zur Teilnahme an globalen wissenschaftlichen Kooperationen. Für viele ist das die Basis für eine langjährige erfolgreiche Karriere an Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen.

Am CERN setzt man beim Recruiting auf wissenschaftliche Exzellenz, technische Fähigkeiten und Teamfähigkeit und bei jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftern besonders auf Motivation und Wissbegierde. Dabei kommt ein multidisziplinäres Auswahlkomitee zum Einsatz. Bewerberinnen und Bewerber können sich u.a. darauf einstellen, dass ihre Publikationen und Projektbeiträge reviewed werden, sie zu Präsentationen ihrer letzten Arbeiten eingeladen werden und Referenzen überprüft werden. Video-Interviews, Tests und die Lösung von Fallbeispielen gehören teilweise auch dazu.
Mit dem Auswahlkomitee diskutieren die Bewerberinnen und Bewerber auch ihre künftigen wissenschaftlichen Interessen und Vorhaben. Außerdem wird die Team- und Kollaborationsfähigkeit evaluiert. Denn die Arbeit erfolgt in diversen und multikulturell geprägten Teams. Fachliche Exzellenz ist die Basis, darüber hinaus sind die Offenheit das Wissen zu teilen, Teamfähigkeit, Neugier und die Fähigkeit zu kreativen Problemlösungen wichtig.

Wer aufgenommen ist, profitiert vom Mentoring durch erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Zugang zu Weiterbildung (technisch und persönlichkeitsbildend), wissenschaftlichen Konferenzen und Workshops.

4 Fragen an … Walter Werzowa (österreichisch-amerikanischer Komponist, Audio-Branding-Pionier und Professor an der mdw)

Univ.-Prof. Walter Werzowa ist ein österreichisch-amerikanischer Komponist, Audio-Branding-Pionier und Professor an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er komponierte unter anderem das ikonische Intel-Logo („Intel Bong“), Filmmusik in Hollywood und Beethovens 10. Symphonie mithilfe von KI. Mit seinem Projekt HealthTunes verbindet er Musik, Wissenschaft und Technologie zu evidenzbasierter „MusicMedicine“. Mehr zu Walter Werzowa hier.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Ich habe sehr lange an meinen Fähigkeiten gezweifelt. Ich habe mich stets mit den Besten an der Universität verglichen – und es gibt in jedem Fach immer jemanden, der besser ist.
Trotzdem wusste ich immer, dass ich im musikalischen Umfeld tätig sein will und werde. Rückblickend kann ich sagen, dass gerade diese Zweifel ein großer Antrieb für mich waren.
Ich wünsche jedoch allen Leserinnen und Lesern, dass sie früher Frieden mit ihren eigenen Talenten schließen können.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Meine Eltern waren immer sehr fördernd, und anspornend, ich wünschte mir sie hätten mit mir musiziert.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Ein wichtiger Aspekt ist, dass wir nicht nach Perfektion suchen sondern nach Freude in der Umsetzung und dem eigenen Talent finden. Wir müssen auch Raum für “creative accidents” lassen.
Diese ermöglichen oft Quantum Sprünge in der Kreativität.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Für mich ist hier das Wichtigste dass wir vom Werten und beurteilen ablassen. Im Zuge der Beurteilung wird vor allem hier mit Europa oft “shaming” eingesetzt dass für Selbstvertrauen und Kreativität so gut wie tödlich ist.
Hier sollten Lehrer, Professoren und Eltern sich selbst analysieren ob sie manchmal unterschwellig diese Waffe einsetzen.