4 Fragen an … Harry Lucas, Mentalist

Harry Lucas, professioneller Mentalist, Gedankenleser und Entertainer und neugieriger Kopf aus Wien. Kontakt: Harry Lucas – Mentalist Österreich & Wien – Firmenevent & Show buchen

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Lucas: Als Kind und Jugendlicher war ich spielerisch kreativ. Es hat Spass gemacht, im Möglichkeiten zu denken, sich Szenarien auszudenken und mit anderen zu spielen. Als Erwachsener hatte ich das große Glück, Mentoren aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie Mentalismus, Psychologie, Beobachten, Stimme, Hypnose und Entertainment zu finden. Sie haben mir geholfen, diese Interessen zu entwickeln, unter einen Hut zu bringen und in meine Shows fließen zu lassen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Lucas: Dass es sich auszahlt, seinem Bauchgefühl zu folgen und einen ungewohnten Weg zu gehen.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Lucas: Wie sehr Begabung mit Neugier zu tun hat. Manchmal beginnt es auch mit der einfachsten Frage: „Was passiert eigentlich, wenn ich es beim nächsten Mal so mache?“ 

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Lucas: Ich würde mir eine andere Fehlerkultur und mehr Platz für Neugier, Spielen und Ausprobieren wünschen. Was für eine Freude ist es, zu sehen, wenn Kinder ihre Begabungen entdecken und sie sich dann entfalten.

 

Ausgabe 22: Gelassen zielstrebig

„Das darf auch sein.“ Diesen Satz verdanke ich einer guten Freundin, sie hat ihn mir vor rund 15 Jahren mit auf den Lebensweg gegeben. Eine Verschiebung der neuen Ausgabe um eine Woche, wenn es darum geht ein aktuelles Buch zu rezensieren – das darf auch sein.

Und es hat gut getan, „Homo Universus“ von Matthias Strolz rasch zu lesen. Umso erfreulicher, dass gleichzeitig am vergangenen Wochenende der Interviewbeitrag von Susanne Glass eingetroffen ist.

Mit dem Start der neuen „Saison“ (auch das politische Jahr folgt z.B. dem Schuljahreszyklus) geht XLNTTLNT nun ins 2. Jahr. Danke fürs Dabeisein, danke fürs Dranbleiben.

Ich freue mich über Weiterempfehlungen, Ideen und was noch kommt!

Event-Tipp/Ausstellung: Gefördertes Potenzial in Venedig

Wer nach Venedig kommt, sollte die kostenlos zugängliche Mitmach-Ausstellung „A World of Potential“ einplanen. Direkt am Markusplatz gelegen, eröffnet es einen Raum für alle Generationen der Inspiration. In den Alten Prokuratien – am Sitz der gemeinnützigen Stiftung der Generali „The Human Safety Net“ – ist dieser Platz immer wieder einen Besuch wert.

 

4 Fragen an … Susanne Glass, Bayerischer Rundfunk

Dr. Susanne Glass, (*1970 in Schwäbisch Gmünd) ist Kriegsreporterin, Hörfunk- und Fernsehjournalistin. Von 1999 bis 2015 berichtete sie für die ARD als Studioleiterin in Wien über Österreich und Südosteuropa. Von 2006 bis 2016 war sie Präsidentin des Verbandes der Auslandspresse in Wien. Sie ist Mitinitiatorin des Europäischen Mediengipfels. Von 2016 bis 2021 war sie als Studioleiterin und Chefkorrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv zuständig für Israel und die palästinensischen Gebiete. Derzeit leitet Susanne Glass die Redaktion Ausland und politischer Hintergrund beim Bayerischen Rundfunk.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Glass: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie es mir schon ab dem Kleinkind-Alter ermöglicht haben, mich in möglichst vielen Bereichen auszuprobieren und meine Interessen und Begabungen gefördert haben. Sie haben mir vermittelt, dass sie an mich glauben, dass sie Leistung und Disziplin schätzen aber dass auch Scheitern erlaubt ist – wenn man danach wieder aufsteht. Ausschlaggebend war damals wie heute für mich, dass ich meine Talente dann so richtig entfalten kann, wenn ich Menschen an meiner Seite weiß, die mich in ihrer Unterstützung nicht einengen, sondern mich selbstbestimmt und mutig agieren lassen.    

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Glass: Wenn mir etwas ungerecht oder ungerechtfertigt erscheint, begehre ich dagegen auf. Am liebsten so lange, bis ich zu einer Veränderung beigetragen habe. Zumindest aber, bis ich mir sicher bin, dass meine Argumente bei den richtigen Stellen gelandet sind.
Misserfolge schmerzen mich. Aber ich verschmerze sie auch, weil ich sie als Ansporn nehme, mich weiterzuentwickeln.    

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Glass: In Bezug auf meine eigene bedaure ich manchmal, dass ich einen Teil meiner künstlerischen Begabung vernachlässigt habe, weil der Tag leider nur 24 Stunden hat. Viel mehr Gedanken, die ich mir mache, betreffen aber den allgemeinen Umgang mit Begabung und damit die nächste Frage.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Glass: Leider ist es weiterhin so, dass Finanzstärke und Beziehungen der Familien ausschlaggebend dafür sind, wie sich Kinder entwickeln können – das bedeutet, nicht die Begabtesten setzen sich durch, oft eher im Gegenteil. Ich fürchte außerdem, dass wir noch zu häufig unter monetären Erfolgsversprechen beurteilen, ob eine Begabung förderungswürdig ist – statt danach, ob sie unsere Gesellschaften in Zeiten bedrohter Demokratien moralisch und ethisch weiterbringt. Wer in Analogie zu der mir ohnehin suspekten Modefloskel „Work-Life-Balance“ glaubt, dass es eine „Begabungs-Life-Balance“ geben sollte, verkennt, dass zu einer erfolgreichen und erfüllenden Talent-Förderung Leidenschaft, Leistungs- und Leidensbereitschaft rund um die Uhr gehören.     

Aviso Sommer 2027: Weltkonferenz der Academy of Management in Wien

Von 30. Juli bis 3. August 2027 wird Wien Austragungsort des globalen Jahrestreffens der Academy of Management (AOM).
In der AOM existieren es u.a. eigene Divisions für Careers, Human Resources, Management Education, Cognition etc. Am Treffen in Philadelphia, das Anfang August zu Ende ging, nahmen mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher teil.
Der Call for Papers/Contributions wird für Herbst erwartet; die Teilnahme ist nur für Mitglieder möglich.

Ausgabe 21: Summertime

Die 2. große Hitzewelle des Jahres hat Europa im Griff. Zeit für etwas Ruhe und für grundsätzliche Gedanken – diesmal in dreifacher Form: Eine Reflexion und Buchvorstellung über Begabung und soziale Herkunft, ein Beitrag über Poesie, und schließlich ein Bullshit Bingo als etwas unkonventioneller Medientipp.

Medientipp: Bullshit Bingo HOCHBEGABUNG

Für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte (und wohl auch für „Betroffene“) bietet die Beraterin Susanne Burzel einen kostenlosen Download.
Auf 12 Seiten werden 24 Mythen über Hochbegabung entkräftet, durchaus unterhaltsam und fundiert!

GASTBEITRAG von Sumaya Fahrner: Wenn Sprache zum Experimentierfeld wird – Poesie in der Schule

Wie der Poesieclub Wortspiel Schüler:innen dabei unterstützt, ihre Stimme zu finden

Manchmal braucht es gar nicht viel. Einen Raum, ein paar Wörter. Und die Erlaubnis, sie auf seine ganz eigene Weise zusammenzusetzen. Genau daraus entstand unser Poesieclub MÜHO (Münichholz) Wortspiel– ein Talenteförderangebot für Schüler:innen jeder Schulstufe, die Freude am kreativen Schreiben haben oder neugierig darauf sind, Sprache einmal anders kennenzulernen. Dabei ging es nie darum, perfekte Gedichte zu schreiben. Vielmehr wollten wir einen Raum schaffen, in dem Jugendliche Sprache als Ausdrucksmittel erleben können.
Warum Poesie?
Im regulären Deutschunterricht begegnen Schüler:innen Gedichten häufig analytisch: Sie untersuchen Reime, Stilmittel oder Interpretationen. Und sogar das kommt an den Mittelschulen oft viel zu kurz. Und dann fehlt auch noch oft der Bezug. Die meisten haben noch nie ein Gedicht gehört (außer: eine Maus kommt ins Haus). Und wer von den Kindern und Jugendlichen, die Deutsch als Zweitsprache lernt, soll denn eine hundert Jahre alte Sprache verstehen, wenn das schon für Deutsch – Erstsprachler schwierig ist. Und wer bitte ist dieser Göthe-Typ?

Im Poesieclub wollten wir den Blick umdrehen. Nicht zuerst fragen: “Was wollte der Autor vor 200 Jahren sagen?” Sondern: “Was möchtest DU sagen?” Die Kinder und Jugendlichen lernten immer eine bestimmte poetische Form kennen – vom Elfchen über Haikus bis hin zur konkreten Poesie – und nutzten diese als Ausgangspunkt für eigene Texte. Dadurch entstanden sehr unterschiedliche Zugänge: spielerische, humorvolle, nachdenkliche und manchmal auch überraschend persönliche Texte.

Talentförderung beginnt mit Interesse

Der Poesieclub war als offenes Talenteförderangebot ausgeschrieben. Zu Beginn nahmen viele Schüler:innen teil. Im Laufe des Semesters kristallisierte sich jedoch eine kleinere Gruppe heraus, die regelmäßig wiederkam und mit großer Begeisterung schrieb. Gerade darin zeigt sich für mich ein wichtiger Aspekt von Begabungsförderung: Ich finde, Talente zeigen sich nicht ausschließlich durch außergewöhnliche Leistungen. Sie zeigen sich oft dort, wo Menschen freiwillig Zeit investieren, neugierig bleiben und sich immer weiter vertiefen möchten.
Denn Interesse ist häufig der Anfang von Begabung.

Kreativität mit Struktur

Obwohl im Poesieclub viel Freiheit möglich war, arbeiteten wir nicht ohne Rahmen. Jede Einheit stellten wir eine neue Schreibform oder einen kreativen Impuls vor.
Diese Struktur half den Jugendlichen, eigene Ideen zu entwickeln, ohne dass ihnen
vorgeschrieben wurde, worüber sie schreiben sollten.
Die Form gab Orientierung, der Inhalt blieb persönlich.
Dadurch entstanden sehr unterschiedliche Texte – über Freundschaft, Sommer,
Tiere, Angst, Hoffnung oder den eigenen Alltag.

Elfchen

Kirche
Groß, Kreuz
Lieder werden gesungen
wegen meiner verstorbenen Oma
Leise

Ängste
Mobbing, Nadeln
schlagen, stehen, schupsen
Renn! Hilfe, traurig, allein
Stopp

Haikus

Himbeeren im Wald
sie schmecken nach Ferien
leicht süß, rot und rund

Das starke Stürmen
Donner, Blitz, Wind um die Ohren
Unterm Dach versteckt

Lernen sichtbar machen

Den Abschluss bildete unser Wörterfall, eine Installation aus den entstandenen Texten. Beim Schulfest konnten Eltern, Lehrkräfte und andere Schüler:innen die Gedichte lesen. So wurde sichtbar, was im Laufe des Semesters entstanden war – und gleichzeitig erfuhren die Kinder und Jugendlichen, dass ihre Gedanken und Texte einen Platz im öffentlichen Raum bekommen dürfen.

Der Poesieclub hat mir erneut gezeigt, wie viel Kreativität in jungen Menschen steckt, wenn wir ihnen Zeit, Vertrauen und geeignete Räume geben. Kreatives Schreiben fördert dabei weit mehr als sprachliche Kompetenzen. Es stärkt Selbstwirksamkeit, Ausdrucksfähigkeit und die Freude daran, eigene Gedanken ernst zu nehmen. Gerade deshalb wünsche ich mir, dass solche Räume auch künftig selbstverständlich Teil von Schule sind. Denn Begabungsförderung bedeutet für mich nicht, außergewöhnliche Kinder auszuwählen. Sie bedeutet, außergewöhnliche Lernräume zu schaffen. Denn oft zeigen sich Talente erst dann, wenn junge Menschen erleben, dass ihre Ideen willkommen sind.

Ausgabe 20: Die Realität mitgestalten – und ein mehrfaches Dankeschön!

Eine „Saison“ läuft dieses Projekt nun – 20 (1/2) Ausgaben!

Ein herzliches Dankeschön an alle, die Infos geschickt haben, die sich persönlich zurückgemeldet haben. Danke auch fürs Dabeisein, fürs Mitmachen, fürs Weiterempfehlen und Berichten. Danke an die Interviewpartner*innen für ihre Offenheit.

Generell: Danke, dass Du dich interessierst und Teil davon bist!

XLNTTLNT.net ist ein Beitrag zum Diskurs und zum erfolgreichen und sinnstiftenden Umgang mit Begabungen und Talenten. Im Sommer geht nun mit etwas weniger Tempo weiter (alle drei Wochen statt alle zwei Wochen).

Inzwischen wünschen wir eine erholsame und inspirierende Zeit!

Ausgabe 19: Medienpioniere

In den Mailings und Seminaren nennen uns die die Mitarbeiter:innen des forum journalismus und medien wien (fjum) „Medienpioniere“.
Das fjum organisiert u.a. die Seminare und Weiterbildung  für Mediengründer:innen, die im Rahmen der Wiener Medieninitiative eine Förderung erhalten haben. Hier habe ich Bernhard Odehnal wieder getroffen, der sein regionales Medienprojekt „Zwischenbrücken“ gestartet hat – hauptberuflich, mit einem kompakten Team und tagesaktuell. Gewissermaßen gegensätzlich zu meinem Newsletter, der für mich ein „job enrichment“ bedeutet.

Was wir beide wollen: Journalismus weiter denken, neue Zielgruppen und Themen mit neuen Zugängen erreichen. Informieren, inspirieren, motivieren und auch unterhalten.
Sehr „nischig“ in meinem Fall, regional in seinem. Grund genug, ihm diesmal meine vier Fragen zu stellen.
Mögen Medien vielfältig sein wie Begabungen! Pioniergeist hilft in beiden Fällen.