Monika Herbstrith-Lappe ist ursprünglich Mathematikerin und Physikerin an den Verbindungsstellen zur Philosophie & Psychologie, jetzt vielfach ausgezeichnet als Keynote Speakerin, Top-Trainerin und High Performance Coach an den Verbindungsstellen von Hard Facts mit Soft Skills. Berufsbegleitend hat sie zahlreiche psychologische Ausbildungen absolviert und Neurowissenschaft studiert. Als Motivationspsychologin ist sie Expertin für Zukunftsmut & Innovationsfreude, gesunde Schaffenskraft & Resilienz in Ära der KI. Sie ist Meisterin im Wechselspiel zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Mit wortwitzigem Storytelling macht sie komplexe Zusammenhänge greifbar und einprägsam – und das neurowissenschaftlich fundiert. Als begeisterte Extrem-Taucherin erschließt sie das Meer der Möglichkeiten als einprägsame Inspirationsquelle.
Von 2021 bis 2023 war sie Vorständin der Vereinigung der Business-Trainer*innen und von 2023 bis 2025 Vizepräsidentin des Chapters Austria der German Speakers Association. Sie ist Autorin u.a. der Bücher „leistungsstark & lebensfroh”, „Tauchen im Ozean des Lebens” und „Aufblühen statt Ausglühen: raus aus dem Stress & rein in den Flow”.
Weitere Infos auf https://vortrag-motivation-humor.de/sowie https://www.monikaherbstrith-lappe.com/
Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Herbstrith-Lappe: Mein 1. Chef war auch mein Mentor und hat sich zurecht als meinen geistigen Adoptivvater bezeichnet. Ich war 22 Jahre alt und habe nach Abschluss meines Mathematik- und Physik-Doppelstudiums – mit Notenschnitt 1,0 und 1 Jahr Studienverkürzung – in der Ingenieursausbildung für Berufstätige unterrichtet. Und ich war mit einem Mann verlobt, der mich öffentlich gedemütigt hat. Meinen Chef hat das empört und er hat mir die Rückmeldung gegeben, noch nie einem Menschen begegnet zu sein, der so viel geleistet hat und so wenig Selbstvertrauen hat.
Wie kommt das? Ich bin sehr ambivalent aufgewachsen. Meine Eltern haben mich einerseits sehr gefördert und mir war bewusst Klassenbeste zu sein. An meiner raschen Auffassungsgabe, der Schnelligkeit und Wendigkeit meines Gehirns habe ich nie gezweifelt.
Mein Vater war Sonderschuldirektor, meine Mutter Lehrerin und für mich stand es als Kind außer Frage, Lehrerin werden zu wollen.
Andererseits bin ich sehr defizitorientiert sozialisiert. „Du kannst nicht singen und nicht turnen, daher kannst du nicht Volksschullehrerin werden.“ hab ich immer wieder gehört und verinnerlicht. Darum bin ich in die Hauptschule gegangen, damit ich sie, wenn ich dort unterrichte, als Schülerin kennengelernt habe. In der Volksschule hatte ich lauter Sehr gut. „Das ist nur, weil die Lehrerinnen deinen Vater kennen.“ habe ich von meinen Mitschülerinnen gehört. „Aber in der Hauptschule wirst du auch schlechtere Noten bekommen.“ von meinen Eltern. Mit 12 Jahren habe ich mitbekommen, dass man Lehramt studieren kann, und mich hat die elektrische Klingel fasziniert. Meine Lösung: Ich studiere Physik. Da muss ich auch nicht singen und nicht turnen. In der Hauptschule hatte ich auch wieder lauter Sehr gut. Mein Vater: „Im Gymnasium wirst du auch schlechtere Noten bekommen.“ Ich ging ins BORG Wr. Neustadt und hatte lauter Sehr gut außer in Leibesübungen. Ich war die erste Schüler*in in der Geschichte des BORGs, die an der Mathemathematik Olympiade teilgenommen hat. Ich habe sogar den 2. Platz bei der Bundesolympiade erzielt. Das hat aber niemand als Erfolg betrachtet. Am wenigsten ich selbst.
Die Rückmeldungen vom Umfeld haben sich verinnerlicht: „Ich gehe in kein richtiges Gymnasium, sondern nur ins BORG. Bei meinem Studium der Mathematik und Physik werde ich zu kämpfen haben“. Ich habe zu studieren bekommen. In den ersten Wochen hörte ich unzählige Male von Professoren: „Was sie bereits aus dem Gymnasium wissen …“. Zunächst die Bestätigung, dass ich wegen meiner schlechten Vorbildung es nicht weiß. Doch dann habe ich mitbekommen, dass es die anderen auch nicht wissen und selbst ich konnte nicht mehr übersehen, dass ich in Mathematik und Physik außergewöhnlich gut war. Studium mit lauter Sehr gut. Noch vor der Matura habe ich mich bereits verlobt, denn den 1. Mann heiratet man. Er und seine Eltern haben mir die Ohren vollgesungen mit „Musterschülerinnen versagen im Leben.“
Mein 1. Chef hat mein Selbstbild schrittweise zurecht gerückt. Und es hat auch viele Studen Psychotherapie gekostet, dass ich mich von dem demütigenden Mann trennen und meine Stärken und Talente würdigen konnte.
Dass ich mir mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen höchst mühsam erarbeiten musste, ermöglicht mir jetzt, andere Menschen zu ermutigen und zu bestärken, ihr Selbstbewusstsein zu festigen. „Stärken stärken stärkt.“ Ist jetzt mein Credo.
Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?
Herbstrith-Lappe: Es wäre so schön und erleichternd gewesen, wenn sie mich als Mensch hinter meiner Leistung gesehen und mir Verständnis entgegengebracht hätten. Von meinen Mitschülerinnen, auch von denen, die liebend gerne von mir abgeschrieben habe, wurde ich gemobbt. Zum Beispiel haben sie den Burschen mit denen wir in der Tanzschule waren, als erstes über mich erzählt, dass ich die Relativitätstheorie gelesen habe. Die haben dann ihren Klassenbesten zu mir geschickt, der mich gecheckt hat, ob ich sie auch wirklich verstanden habe. Den Test habe ich natürlich bestens bestanden. Aber es ist nicht das, was ich mir als junge Frau in der Tanzschule erwartet habe. Wenn ich mich anvertraut und erzählt habe, dass ich unglücklich bin, habe ich als Antwort bekommen: „Du und unglücklich? Was willst du. Du bist eh so gut in Mathe.“ Mein demütigender Ex-Mann ist mir passiert, weil ich es unbewusst als attraktiv gefunden habe, dass er nicht wusste, dass ich so gut in der Schule bin.
Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Herbstrith-Lappe: Meine Stärke ist auch meine Bürde, nämlich meine Vielseitigkeit. Von Mathematik & Physik, über Psychologie & Neurowissenschaft, bis zu KI- & Zukunftsmanagement. Und das in Kombination mit Humorberatung & Clownerie. Einerseits nutze ich diese breite Spektrum für faszinierende Kombinationen, die Unglaubliches ermöglichen. Andererseits überfordert es viele in einer Zeit, in der spitze Expertise gefragt ist. Es gibt schon das Konzept vom „Neo-Generalisten“ das von Kenneth Mikkelsen und Richard Martin geprägt wurde. Ich bin davon überzeugt, dass das Verbinden von Themen statt Themeninseln gerade in der Ära der Künstlichen Intelligenz wertvoll und nützlich ist. Damit in Zeiten von Suchmaschinenoptimierung erfolgreich Marketing und Social Media zu bespielen, ist für mich sehr herausfordernd.
Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Herbstrith-Lappe: Ich liebe das Zitat von Henry van Dyke: „Nutze die Talente, die du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.“ Das sollte in jeder Bildungseinrichtung von der Elementarpädagogik über die Universitäten bis zur Erwachsenen-Weiterbildung hängen.
Und mit meinem WortWitz bin ich eine Gegnerin der FORTbildung, weil es nämlich eine HINbildung sein sollte: Es gibt das sehr empfehlenswerte Kinderbuch „Wenn die Ziege schwimmen lernt“. Das meine ich mit FORTbildung, die in die Durchschnittsfalle führt. HINbildung ist hingegen, wenn die Ziege Kräuterkunde lernt, der Affe Klettern übt und der Fisch schwimmen trainiert. Die FC-Bayern Kaderschmiede befolgt übrigens dieses Prinzip: Jede*r Spieler*in trainiert 3 Trainingsschwerpunkte, die auf den jeweiligen Stärken aufbauen.
Ich habe eine Formel der Zuversicht entwickelt:
1. Was ist mir schon gelungen? Insbesondere auch: Was habe ich leicht geschafft?
2. Welche Stärken und Strategien von mir haben sich dabei bewährt? Was ist mein selbstwirksamer Anteil daran?
3. Wie kann ich diese Stärken und Strategien zukünftig für gleiche, ähnlich und auch ganz andere Situationen nutzen?
So können wir vom Alten für Neues lernen. Unsere Gesellschaft im Welt des Umbruchs braucht ganz dringend den Geist von erfahrenen Anfänger*innen, die einerseits Erfahrungsschätze nutzen und andererseits diese an geänderte Umstände anpassen. Ein Generationenmix ist dafür höchst förderlich.