Reflections

Diese Wochen sind für mich voller Fülle, voller Leben in seinen unterschiedlichen Ausprägungen: Schmerzhafter Abschied und plötzlicher Neubeginn. Unerwarteter Verlust und unverhoffter Gewinn. Abar auch aufgenommen werden, sich integrieren, mit dabei sein in einem Verein und in einem neuen Projekt.
Und das alles „on top“ in einem bereits durchaus gedrängten Alltag.

Gefordert und gefragt sein ist schön.

Zwischendurch Reflektieren auch.

Vielleicht in ein paar Wochen dann, mit einem Buch (siehe Event-Tipp).
Oder jetzt gleich, mit dem wunderbaren Text von Monolinks Song „Reflections“.

4 Fragen an … Lisney Fernando, zivile Studentin an der Theresianischen Militärakademie

Lisney Fernando studiert zivil Militärische Führung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Zuvor absolvierte sie einen freiwilligen Ausbildungsdienst beim Österreichischen Bundesheer. Berufliche Erfahrung sammelte sie zuvor im Kabinett des österreichischen Finanzministers sowie im internationalen und diplomatischen Umfeld. Neben Studium und Beruf engagiert sie sich ehrenamtlich in verschiedenen Organisationen. Ihre besonderen Interessen gelten der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, internationalen Beziehungen und Diplomatie.”

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Fernando: Ich glaube, dass ich meine Talente vor allem dort entfalten konnte, wo ich Verantwortung übernehmen und zugleich unterschiedliche Seiten von mir einbringen durfte. Besonders prägend waren für mich meine bisherigen beruflichen Stationen, später auch meine Zeit beim Österreichischen Bundesheer. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, wie viel man über die eigenen Fähigkeiten erst erfährt, wenn man die eigene Komfortzone verlässt und sich bewusst auf neue, ungewohnte und mitunter herausfordernde Situationen einlässt. Ebenso wichtig waren für mich die Begegnungen mit Menschen, die mich inspiriert, mir neue Perspektiven eröffnet und mich auf meinem Weg bestärkt haben.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?
Fernando: Dass mein Weg nicht immer geradlinig verlaufen muss. Schon früh war ich sehr neugierig, konnte mich für eine große Bandbreite an Themen begeistern und hatte den Anspruch, Zusammenhänge zu verstehen und Antworten auf Fragen aus ganz verschiedenen Bereichen zu finden. Heute sehe ich diese Vielseitigkeit als Stärke: Verschiedene Interessen müssen einander nicht ausschließen. Oft zeigt sich erst mit der Zeit, wie sie sich ergänzen und miteinander verbinden lassen.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Fernando: Mich beschäftigt, wie viele Begabungen unerkannt bleiben, weil Menschen nie in ein Umfeld gelangen, in dem diese sichtbar und gefördert werden können. Für mich stellt sich zudem die Frage, wie man bei vielfältigen Interessen langfristig Schwerpunkte setzt, ohne andere Fähigkeiten aus dem Blick zu verlieren. Spannend finde ich dabei auch das Zusammenspiel von Begabung, persönlichem Interesse, Disziplin und der Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Fernando: Begabungsförderung sollte aus meiner Sicht nicht erst dort ansetzen, wo besondere Leistung bereits sichtbar ist. Entscheidend ist vielmehr, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen ihre Stärken erkennen, erproben und ausbauen können. Dazu gehören Vertrauen, die Übertragung von Verantwortung, ein konstruktiver Umgang mit eigenen Fehlern und die Offenheit, auch Wege zuzulassen, die zunächst vielleicht nicht naheliegend erscheinen.

Chain of Events

Manchmal ergibt sich aus mehreren Meldungen nach ihrer Fertigstellung ein Gesamtbild.

Diesmal ist es eine Art Ablaufkette: Das Erkennen von Talenten (Angebote des Talentcenter in Graz und Bozen), die Realisierung von Talenten individuell (siehe das Buch von Florentina Voboril) und durch das Kollektiv – wie es der Interview-Partner Moacir Schierscher in der von ihm geleiteten Organisation, dem Club Alpbach Liechtenstein, verwirklicht.

Möge es überall gelingen.

Talentcheck: Was Graz und Bozen verbindet

Es ist nie zu früh Talente zu erkennen und daran zu arbeiten. Das Talentcenter der Wirtschaftskammer Steiermark ist eines dieser Angebote: An insgesamt 48 Teststationen haben junge Menschen der 7. und 8. Schulstufe die Möglichkeit, ihre Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Klassenverband zu entdecken. In Kooperation mit der Universität Graz wurde eine adaptive Testung entwickelt, die die Jugendlichen an ihr Leistungsmaximum bringt. Hier können junge Menschen ihre kognitiven und motorischen Fähigkeiten erleben und neue Stärken erkennen.

Gearbeitet wird einerseits mit Listen von Berufsbildern, die persönliche Interessen berücksichtigen oder – alternativ – gar nicht darauf eingehen. So wird der Einfluss von sozialem Druck und eigene Prägungen und Vorstellungen minimiert. Hier ein Beispiel.

Neben Lehrberufen umfassen die Empfehlungen auch Berufe, die durch weiterführende Schulen oder tertiäre Bildungswege erreicht werden können, darunter auch soziale und künstlerische Berufe. Die Reflexion des Talentreports übernehmen jeweils die Lehrpersonen. Nachbesprechungen mit den BerufsInfoZentren des AMS an Schulen bieten ebenfalls die Möglichkeit zur Reflexion der Ergebnisse und Nachfragen.

Über 56.000 Jugendliche aus der Steiermark haben in den vergangenen zehn Jahren bereits ein Angebot des Talentcenters durchlaufen. Das Angebot der Talentchecks wurde in Kooperation mit der Handelskammer Bozen 2023 auch auf Südtirol ausgeweitet.

Neben den Talentchecks in der Klasse gibt es als weitere Angebote Einzeltestung, Futurechecks (Personen ab 15 Jahren mit keiner oder wenig Berufserfahrung) und umfangreichere Potenzialanalysen speziell für Maturierende (Abitur). Die Preise reichen aktuell von 15 Euro pro Person (Talentcheck im Klassenverband) bis 198 Euro für die Potenzialanalyse mit individueller Nachbesprechung.

4 Fragen an … Moacir Schierscher, Student und Präsident des Club Alpbach Liechtenstein

Moacir Schierscher studiert Business Innovation an der Universität St. Gallen und arbeitet parallel im eigenen Familienunternehmen mit. Neben seinem Studium engagiert er sich als Präsident des Club Alpbach Liechtenstein, der jungen Menschen die Teilnahme am European Forum Alpbach ermöglicht und den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fördert. Sein besonderes Interesse gilt unternehmerischen Fragestellungen, Innovation und der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung.

Ab wann im Leben hast du Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Moacir: Vor allem durch mein Engagement in unterschiedlichen Vereinen habe ich gemerkt, wie wichtig mir Freiräume sind, in denen ich mich selbst einbringen und Verantwortung übernehmen kann. Besonders motiviert mich das Gefühl, mit dem eigenen Einsatz tatsächlich etwas zu bewegen und andere Menschen mit einer Idee, Diskussion oder meiner eigenen Begeisterung anzustecken. Das erlebe ich beispielsweise auch beim Club Alpbach Liechtenstein und am EFA immer wieder.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über dich früher wissen sollen?

Moacir: Vielleicht, dass man sich bei Kindern mit einem frühen Urteil nicht zu sicher sein sollte. Nach der Grundschule war ich ein Wackelkandidat fürs Gymnasium und musste eine Übertrittsprüfung machen. Heute weiss ich, dass der akademische Weg sehr gut zu mir passt. Vielleicht sollten wir weniger danach fragen, ob jemand bereits in ein bestimmtes Raster passt, und mehr danach, wohin sich jemand noch entwickeln kann.

Welche Fragen stellen sich für dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Moacir: Wie viel von dem, was wir als Begabung wahrnehmen, ist tatsächlich individuelles Talent und wie viel entsteht erst dadurch, zur richtigen Zeit auf die richtigen Menschen, Förderung und Möglichkeiten zu treffen? Mich beschäftigt dabei besonders, wie viele Begabungen vielleicht nie sichtbar werden, weil genau diese Gelegenheiten fehlen.

Was möchtest du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Moacir: Begabungsförderung bedeutet für mich vor allem, Menschen Möglichkeiten zu geben und ihnen etwas zuzutrauen. Beim Club Alpbach Liechtenstein erleben wir immer wieder, wie viel entstehen kann, wenn junge Menschen ermutigt werden, selbst auf andere zuzugehen, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Oft braucht es gar nicht viel. Manchmal kann schon eine kleine Gelegenheit und ein kleiner positiver Zuspruch einen unerwartet grossen positiven Effekt auslösen.

 

Zyklisch aktueller Neubeginn

In diesen Wochen beginnt ein neues Schul- bzw. Studienjahr. Und auch eine neue politische Saison. Je nachdem, in welchen Bereichen man familiär, beruflich und persönlich unterwegs ist, ist eine Neustart-Stimmung spürbar.
So auch hier bei XLNTTLNT, das im September 2025 gestartet ist.

Was es mir bisher gebracht hat? Erfahrungen, Begegnungen und einen geschärften Blick über den österreichischen Tellerrand auf Entwicklungen. Und die Erkenntnis, dass sich der Fokus für Begabungs- und Talenteförderung lohnt. Ein besonderes Dankeschön an alle Gesprächspartner:innen und Autor:innen von Gastbeiträgen!

Dir bringt es hoffentlich weiterhin laufende Inspiration und die eine oder andere Erfahrung. Auch in der „2. Saison“, die jetzt beginnt.

4 Fragen an … Harry Lucas, Mentalist

Harry Lucas, professioneller Mentalist, Gedankenleser und Entertainer und neugieriger Kopf aus Wien. Kontakt: Harry Lucas – Mentalist Österreich & Wien – Firmenevent & Show buchen

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Lucas: Als Kind und Jugendlicher war ich spielerisch kreativ. Es hat Spass gemacht, im Möglichkeiten zu denken, sich Szenarien auszudenken und mit anderen zu spielen. Als Erwachsener hatte ich das große Glück, Mentoren aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie Mentalismus, Psychologie, Beobachten, Stimme, Hypnose und Entertainment zu finden. Sie haben mir geholfen, diese Interessen zu entwickeln, unter einen Hut zu bringen und in meine Shows fließen zu lassen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Lucas: Dass es sich auszahlt, seinem Bauchgefühl zu folgen und einen ungewohnten Weg zu gehen.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Lucas: Wie sehr Begabung mit Neugier zu tun hat. Manchmal beginnt es auch mit der einfachsten Frage: „Was passiert eigentlich, wenn ich es beim nächsten Mal so mache?“ 

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Lucas: Ich würde mir eine andere Fehlerkultur und mehr Platz für Neugier, Spielen und Ausprobieren wünschen. Was für eine Freude ist es, zu sehen, wenn Kinder ihre Begabungen entdecken und sie sich dann entfalten.

 

Ausgabe 22: Gelassen zielstrebig

„Das darf auch sein.“ Diesen Satz verdanke ich einer guten Freundin, sie hat ihn mir vor rund 15 Jahren mit auf den Lebensweg gegeben. Eine Verschiebung der neuen Ausgabe um eine Woche, wenn es darum geht ein aktuelles Buch zu rezensieren – das darf auch sein.

Und es hat gut getan, „Homo Universus“ von Matthias Strolz rasch zu lesen. Umso erfreulicher, dass gleichzeitig am vergangenen Wochenende der Interviewbeitrag von Susanne Glass eingetroffen ist.

Mit dem Start der neuen „Saison“ (auch das politische Jahr folgt z.B. dem Schuljahreszyklus) geht XLNTTLNT nun ins 2. Jahr. Danke fürs Dabeisein, danke fürs Dranbleiben.

Ich freue mich über Weiterempfehlungen, Ideen und was noch kommt!

Event-Tipp/Ausstellung: Gefördertes Potenzial in Venedig

Wer nach Venedig kommt, sollte die kostenlos zugängliche Mitmach-Ausstellung „A World of Potential“ einplanen. Direkt am Markusplatz gelegen, eröffnet es einen Raum für alle Generationen der Inspiration. In den Alten Prokuratien – am Sitz der gemeinnützigen Stiftung der Generali „The Human Safety Net“ – ist dieser Platz immer wieder einen Besuch wert.

 

4 Fragen an … Susanne Glass, Bayerischer Rundfunk

Dr. Susanne Glass, (*1970 in Schwäbisch Gmünd) ist Kriegsreporterin, Hörfunk- und Fernsehjournalistin. Von 1999 bis 2015 berichtete sie für die ARD als Studioleiterin in Wien über Österreich und Südosteuropa. Von 2006 bis 2016 war sie Präsidentin des Verbandes der Auslandspresse in Wien. Sie ist Mitinitiatorin des Europäischen Mediengipfels. Von 2016 bis 2021 war sie als Studioleiterin und Chefkorrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv zuständig für Israel und die palästinensischen Gebiete. Derzeit leitet Susanne Glass die Redaktion Ausland und politischer Hintergrund beim Bayerischen Rundfunk.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Glass: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie es mir schon ab dem Kleinkind-Alter ermöglicht haben, mich in möglichst vielen Bereichen auszuprobieren und meine Interessen und Begabungen gefördert haben. Sie haben mir vermittelt, dass sie an mich glauben, dass sie Leistung und Disziplin schätzen aber dass auch Scheitern erlaubt ist – wenn man danach wieder aufsteht. Ausschlaggebend war damals wie heute für mich, dass ich meine Talente dann so richtig entfalten kann, wenn ich Menschen an meiner Seite weiß, die mich in ihrer Unterstützung nicht einengen, sondern mich selbstbestimmt und mutig agieren lassen.    

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Glass: Wenn mir etwas ungerecht oder ungerechtfertigt erscheint, begehre ich dagegen auf. Am liebsten so lange, bis ich zu einer Veränderung beigetragen habe. Zumindest aber, bis ich mir sicher bin, dass meine Argumente bei den richtigen Stellen gelandet sind.
Misserfolge schmerzen mich. Aber ich verschmerze sie auch, weil ich sie als Ansporn nehme, mich weiterzuentwickeln.    

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Glass: In Bezug auf meine eigene bedaure ich manchmal, dass ich einen Teil meiner künstlerischen Begabung vernachlässigt habe, weil der Tag leider nur 24 Stunden hat. Viel mehr Gedanken, die ich mir mache, betreffen aber den allgemeinen Umgang mit Begabung und damit die nächste Frage.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Glass: Leider ist es weiterhin so, dass Finanzstärke und Beziehungen der Familien ausschlaggebend dafür sind, wie sich Kinder entwickeln können – das bedeutet, nicht die Begabtesten setzen sich durch, oft eher im Gegenteil. Ich fürchte außerdem, dass wir noch zu häufig unter monetären Erfolgsversprechen beurteilen, ob eine Begabung förderungswürdig ist – statt danach, ob sie unsere Gesellschaften in Zeiten bedrohter Demokratien moralisch und ethisch weiterbringt. Wer in Analogie zu der mir ohnehin suspekten Modefloskel „Work-Life-Balance“ glaubt, dass es eine „Begabungs-Life-Balance“ geben sollte, verkennt, dass zu einer erfolgreichen und erfüllenden Talent-Förderung Leidenschaft, Leistungs- und Leidensbereitschaft rund um die Uhr gehören.