Editorial zu Ausgabe 07: Rapid, Weisband und Jahreswechsel

Diesmal gibt es eine besondere Kombination von Beiträgen zu entdecken: Der österreichische Fußball-Rekordmeister SK Rapid gewährt Einblicke in die Auswahl und Förderung von Talenten. Im 4-Fragen-Interview erzählt Marina Weisband ihren persönlichen Zugang zu ihrer Begabung.
Und Positionierungs-Coach Cornelia dal Sasso bringt in einem Gastbeitrag ein paar Sichtbarkeits-Impulse für das neue Jahr.

Sichtbarkeit und Impulse sind zwei gute Stichworte. Auch für dich – geschätzte Leserin, geschätzter Leser! Damit verbinde ich eine Bitte. Dieses Newsletter-Projekt „lebt“ von Weiterempfehlungen. Persönlich, digital oder viral. Bitte unterstützte uns dabei und gib weiter was dir gefällt. Und was du zusätzlich haben möchtest, Gedanken etc. – die gib bitte an mich weiter, und zwar an redaktion@xlnttlnt.net

Am 7. Januar 2026 (ausnahmsweise einem Mittwoch) geht es hier wieder weiter.
Bis dahin wünscht alles Gute, frohe Weihnachtszeit und angenehmen Jahreswechsel:

Thomas Goiser

4 Fragen an … Marina WEISBAND (Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung)

Marina Weisband, geboren 1987 in der Ukraine, ist Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung. Von 2011 bis 2012 war sie politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Heute ist sie weiter politisch aktiv, engagiert sie sich bei den Grünen in den Themenbereichen Digitalisierung und Bildung und kämpft für Kinderrechte. 2020-2022 war sie Co-Vorsitzende des Digitalisierungsvereins D64 e.V.
Sie ist Autorin mehrerer Bücher, z.B. „Wir nennen es Politik – Ideen für eine Zeitgemäße Demokratie“ (2013, Tropen); „Frag uns doch – Ein Jude und eine Jüdin erzählen aus ihrem Leben“ (2020, Fischer, mit Eliyah Havemann), „Was uns durch die Krise trägt“ (2023, wbg, mit Frido Mann) und „Die neue Schule der Demokratie“ (2024, Fischer).

Hauptberuflich gestaltet sie seit 2014 das Projekt aula – inzwischen aula gGmbH – ein Konzept zur politischen Bildung und liquid-demokratischen Beteiligung von Jugendlichen an den Regeln und Angelegenheiten ihrer Schulen und außerschulischen Organisationen (www.aula.de)
Darüber hinaus hat sie eine regelmäßige Radiokolumne beim Deutschlandfunk und berät zu verschiedenen Aspekten von digitalem Wandel und Demokratie. Sie berät Unternehmen und Filmschaffende zu Fragen der Diversität und Beteiligung.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Ich war als Kind eher schüchtern und introvertiert. Erst Rollenspiel hat mir gezeigt, dass ich – in einer Rolle zunächst – auftreten, sprechen, Raum einnehmen kann. Fürs Rollenspiel habe ich Kunst, Handwerk, Nähen angefangen. Und dann konnte ich aus dem spielerischen Raum in den echten gehen und dort glänzen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Ich wäre froh, wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich ADHS habe und nicht „faul“ oder „respektlos“ bin. Mit den richtigen Werkzeugen kann ich mein Leben sogar fast so gut organisieren wie normale Menschen! Vor allem kann ich aber ganz andere Dinge gut. Und das hätte man früher als Stärke begreifen können.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich weiß noch immer nicht, was „Begabung“ ist. Was nützte es mir als Kind, „hochbegabt“ zu sein, wenn ich nicht die Aufmerksamkeitssteuerung hatte, wirklich etwas damit zu erreichen? Ist Begabung mehr wert als Passion und stetige Übung? Und wenn nicht, warum sprechen wir dann über sie?

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Jeder Mensch ist begabt. Wir neigen dazu, das im akademischen Bereich zu sehen und entlang einer eindimensionalen Schiene zu arrangieren – von Gut nach Schlecht. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht begabt war. Und alle diese Begabungen verdienen Förderung. 

EDITORIAL zur Ausgabe 06

In dieser Ausgabe erwarten Dich zwei Porträts sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten – einmal aus der Schweiz, einmal aus Österreich/Tschechien.
Außerdem findest Du:
  • eine Planungshilfe für den Inspirationskalender 2026 und
  • einen Hinweis auf den „Tag der besonderen Talente“ (jährlich am 24.11.).
Denn wer besondere Talente hat, kann eigentlich jeden Tag feiern!

4 Fragen an … Pius M. Theiler, Physiker, Ingenieur, Material- und Nanowissenschaftler

Pius M. Theiler hat an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), dem MIT und der ETH Zürich studiert. Als Postdoctoral Researcher forscht er zur Zeit am National Renewable Energy Laboratory in Denver, Colorado, USA.
Als Physiker, Ingenieur und Materialwissenschaftler bewegt er sich an der Schnittstelle zu Mikro- und Quantenwelten. Neben seiner Forschung engagiert er sich für die Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte und absolviert eine Zweitausbildung zum Gymnasiallehrer für Physik.

Kürzlich wurde ein wissenschaftlicher Durchbruch veröffentlicht, an dem er maßgeblich mitgewirkt hat (Science, DOI: 10.1126/science.ady4885). Die Studie zeigt, wie das Fehlen von Spiegelsymmetrie in Molekülen und Materialien das Verhalten von Ladungsträgern verändert und dadurch magnetische Effekte entstehen lässt: Ganz ohne die sonst üblichen seltenen Elemente. Diese seltenen Erden haben eine zunehmend strategische Bedeutung, weshalb alternative Mechanismen von grossem Interesse sind.
Bemerkenswert ist, dass die Natur dieses Prinzip offenbar schon lange in biologischen Prozessen nutzt. Erstmals konnte gezeigt werden, dass dieser Effekt extrem schnell abläuft – in weniger als einer Billionstel Sekunde. In seiner Forschung versucht Theiler, den zugrunde liegenden quantenmechanischen Mechanismus zu entschlüsseln, um langfristig Wege zu finden, etwa pharmazeutische Wirkstoffe effizienter und nachhaltiger herzustellen.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend? 

Seit ich denken kann, habe ich die Freiheiten genutzt, die mir gegeben wurden und sie wohl auch manchmal etwas gedehnt, um meinem Entdeckergeist Raum zu geben. Mir wurde immer Vertrauen entgegengebracht, und das hat mir Selbstvertrauen geschenkt.
Ich bin immer dann aufgeblüht, wenn man mich einfach hat machen lassen. So habe ich auf intuitive Weise naturwissenschaftliche Gesetzmässigkeiten durch eigene Erfahrungen gelernt. Ich hatte fast immer ein Projekt am Laufen, das mich faszinierte, forderte und mich autodidaktisch weiterbrachte. Wenn die pröbeln einmal nicht ausreichte, war die Gemeindebibliothek direkt gegenüber meinem Elternhaus eine unerschöpfliche Quelle: kein Sachbuch war vor mir sicher. So habe ich mich selbst beschäftigt gehalten, wenn ich in der Schule „zu viel Zeit“ hatte, ohne je das Interesse am Entdecken zu verlieren.
Richtig entfalten konnte ich mich schließlich mit meiner Maturaarbeit. Durch die Unterstützung meiner Physik- und Chemielehrer erhielt ich wertvolle Kontakte zu Expertinnen, Experten und Mentoren an Universitäten.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Im Nachhinein war es wahrscheinlich gut, dass nicht alles zu früh erkannt wurde. So blieb Raum für eigene Wege und Erfahrungen. Gleichzeitig brachte das Anderssein auch Einsamkeit mit sich, wenn meine Fragen oder Gedanken nicht verstanden wurden.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich frage mich oft, wie man Begabung als Ressource steuert: Energie dort einzusetzen, wo sie Wirkung entfaltet, Herausforderungen anzunehmen, die zum persönlichen Wachstum beitragen, und zugleich zu lernen, nicht jede Gelegenheit zu verfolgen, um sich nicht zu verzetteln oder auszubrennen.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Ich beobachte, dass es in der Schweiz im Vergleich zu anderen Kulturen eine starke Orientierung zur Mitte gibt. Diese Haltung hat viele gesellschaftliche Vorteile, kann im schulischen Umfeld jedoch problematisch sein. Konformität führt dazu, dass leistungsschwächere Lernende überfordert sind, während besonders begabte Kinder oft unterfordert und desinteressiert bleiben.
Begabungsförderung lässt sich nicht nach einem festen Rezept gestalten, denn es gibt nicht die eine Form von Begabung. Sie muss nicht aufwändig sein, sollte aber kreativ, individuell und auf die intrinsische Motivation der Lernenden ausgerichtet sein. Wichtiger als reine Leistungsabfrage ist es, Selbstständigkeit und Eigeninitiative zu fördern.
Für Lehrpersonen kann es anspruchsvoll sein, besonders begabte Personen zu begleiten. Es braucht Mut, einzugestehen, wenn man selbst an Grenzen stösst. Gute Begabungsförderung bedeutet, zuzuhören, Orientierung zu geben und Brücken zu anderen Fachpersonen oder Mentoren zu schlagen, die weiteres Wachstum ermöglichen. Manche Lernende haben ein sehr breites Interessenspektrum und hier reicht eine einzelne Bezugsperson oft nicht aus. Doch nichts hemmt Begabung so stark wie ein Umfeld, das durch Konformitätsdruck natürliche Neugier und Entdeckergeist erstickt. So gehen nicht nur Talente verloren, sondern Menschen verlieren auch die Chance, ihr Potenzial wirklich kennenzulernen.

Talent so what? Ein Feiertag zum Nachdenken

Am 24. November ist einer dieser „kuriosen Feiertage“: Der Feier-dein-einzigartiges-Talent-Tag/Celebrate Your Unique Talent Day. Wie viele andere dieser Feiertage ist er eine willkürliche Setzung (aber sind das staatliche oder kirchliche Festtage nicht auch in gewisser Weise?).

Ein Talent-Tag regt einerseits zum Schmunzeln an, aber vielleicht auch zum Austausch untereinander: Was ist Dein besonderes Talent – und was möchtest du gerne perfektionieren?
2026 fällt der Tag auf einen Dienstag und wird dann vielleicht auch bei/von uns mit spannenden Veranstaltungen begangen.

Inspiration delivered – eine Planungshilfe für 2026

TEDx ist eine weltweite Bewegung von Freiwilligen, die an den verschiedensten Locations inspirierende Speaker-Events organisiert. Nach dem Motto „ideas worth spreading“ gibt es im kommenden Jahr von Bozen über Schaan, Luxemburg, Göttingen … dutzende Events im gesamten deutschsprachingen Raum (und hunderte weltweit).

Hier die Landkarte zur leichteren Planung – vielleicht lässt sich ein Städtetrip mit einem TEDx-Besuch verbinden!

In der Zwischenzeit ist auch die Library früherer TED Talks eine (kostenlose) Fundgrube.

Nina Hlava: Weibliche Solo-Pantomime mit Tiefgang

Nina Hlava ist die weltweit einzige weibliche Solo-Pantomimin. Sie studierte bei Prof. Boris Hybner an der Akademie der darstellenden Künste in Prag die tiefgründige slawische Schule für nonverbales Theater und Komödie. Nachdem sie Marcel Marceau in einer lebensverändernden Meisterklasse kennengelernt hatte, beschloss Nina, der Tradition der Interpretation der melancholischen Figur des Pierrot zu folgen und studierte daher bei Meisterlehrern wie Martin Sochor, Stevo Capko und Petr Pachl an der HAMU Praha (Akademie múzických umění), Ivan Bacciocchi (Ecole Internationale de Mime Corporel Dramatique in Paris, Frankreich) und Richard Weber (Scuola Teatro Dimitri, Verscio, Schweiz) zu studieren.

Petr Zámostný schickte sie in die USA, um bei den ursprünglichen amerikanischen Meistern des Stepptanzes zu studieren. Sie wurde Schülerin von Katherine Kramer. Seit 2005 lebte Nina in der Tschechischen Republik und den USA und begann mit ihrer Solo-Show „Pantomime is back in town” durch Europa, Asien und die USA zu touren und an mehreren Universitäten wie der University of Miami, der Florida International University und dem Miami Dade College zu unterrichten. Seit 2017 ist sie zurück in ihrem Geburtsland Österreich. – www.kunst-hstein.at

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Ich habe meine Talente schon früh entfalten können, weil ich als Kind bereits viel Konsequenz, Konzentration und Ausdauer mitbrachte. Ausschlaggebend war weniger ein natürlicher „Genius“, sondern meine Bereitschaft, dranzubleiben und mich stetig zu verbessern.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Als Linkshänderin betrachte ich vieles aus einer etwas anderen Perspektive, weil meine Haptik und die Vernetzung meines Gehirns anders funktionieren. Diese Besonderheiten sind ein wichtiger Teil meiner Kreativität und meines Lernens.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Seit ich selbst Mutter bin, frage ich mich oft, wie ich meine eigene Bequemlichkeit überwinden kann, um meinen Sohn ihn in entscheidenden Momenten wirklich zu fördern. Dabei beschäftigt mich, wie ich seine Begabungen früh erkennen und ihm die Unterstützung geben kann, die ihn langfristig prägt – auch indem ich sein freies Spiel und seine Alltagsübungen nicht unnötig störe, damit er seinen eigenen Entwicklungsraum behalten kann.

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Ich möchte der Gesellschaft mitgeben, dass Kinder nicht zu früh ausschließlich Gleichaltrigen ausgesetzt werden sollten. Sie lernen weit mehr, wenn sie mit vielen unterschiedlichen erwachsenen Menschen in Kontakt kommen, die verschiedene Interessen, Fähigkeiten und Sichtweisen mitbringen. So entsteht ein natürlicher, vielfältiger Raum für echte Begabungsförderung.

Neue Publikation: Künstliche Intelligenz in der schulischen Begabtenförderung (Karg Stiftung)

Ende Oktober veröffentlichte die Karg Stiftung die 56seitige, kostenlose Publikation „Künstliche Intelligenz in der schulischen Begabtenförderung – neue Fördermöglichkeiten, neue Herausforderungen“ (Link zur Website/Download).

In einem ersten Teil befassen sich die beiden Autoren Olaf Steenbuck (Karg Stiftung) und Andreas Terfloth (Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Hamburg) gemeinsam mit den Grundlagen; dabei betrachten sie KI aus dem fachlichen Blickwinkel der Begabungs- und Begabtenförderung. Nutzerinnen und Nutzer lernen – aufbauend auf ihr individuelles Basiswissen zur Anwendung von KI im Bildungswesen – fokussiert die fachliche Perspektive der Begabtenförderung kennen.
In die Praxis geht es dann im zweiten Teil der Publikation, die von Andreas Terfloth gestaltet wurde. Das umfasst einsatzfertige Materialien und Chatbots sowie zusammenfassende Informationsblätter.

Von Andreas Terfloth stammt auch der begleitende Fachartikel „Neue Möglichkeiten durch KI im begabungsfördernden Unterricht: Impulse für die Praxis.

Editorial zu Ausgabe 05: Novembernebel? Mitnichten!

Das waren nun zwei intensive Wochen: Mit einem inhaltlich beeindruckenden ÖZBF-Kongress in Salzburg, spannenden Kontakten und Begegnungen.
Und mit großer Offenheit für das Thema Begabungs- und Talenteföderung bei allen, die ich dazu anspreche.
Das bringt hier eine Reihe von spannenden Persönlichkeiten und Themen – in dieser Ausgabe und „in der Pipeline“ für die nächsten.

Machen wir mehr daraus. Bleib dran!

ÖZBF-Kongress hat positiv emotionalisiert; Terminausblick 2026-2028

Der ÖZBF-Kongress 2025 hat auf Emotion und Hochbegabung gesetzt, und seinen Zweck erfüllt: Mehr als 400 Gäste an drei Tagen erleben 120 Beiträge, die das gesamte Spektrum abdeckten, von frühkindlicher Bildung bis zur Förderung akademischer Talente an Universitäten. Der Tagungsband, der im Waxmann Verlag erscheinen soll, wird voraussichtlich Anfang 2027 vorliegen.

Aktuell sind bereits die Folien von zwei der vier Hauptvorträge online:

Als nächstes bietet sich für die Reise- und Terminplanung der begabungs-engagierten Community an: