Medientipp: Podcast „Aktiv Zugehört“ – Veränderungsperspektive*2

Coaching-Akademie-Gründer Timo Schlage und Psychotherapeutin Frauke Niehues bringen im gemeinsamen Podcast „Aktiv Zugehört“ (hier der Link zu Spotify) ihre Perspektiven in den Dialog miteinander.
Ihr gemeinsames (kostenloses) Angebot richtet sich an erfahrene Therapeuten und Coaches, angehende Coaches sowie Menschen, die neue Impulse für ihre eigene Entwicklung suchen. Aktuell (April 2026) sind über ein Dutzend Folgen online, darunter einige auch mit externen Gästen wie etwa Maja Storch und Gerald Hüther.

Gastbeitrag: Symposium zur Begabungsförderung in Lilienfeld

Autor: Prof. Dr. Wolfgang Ellmauer, KPH Wien/Niederösterreich

Von 10.-11. April fand im Stift Lilienfeld (NÖ) das „Symposium zur Begabungsförderung“ statt, das in einer Kooperation des Vereins ECHA (European Council for High Ability), der KPH Wien/NÖ und der PH NÖ veranstaltet wurde. Unter dem Motto „Begabende Schulen gemeinsam gestalten“ nahmen Lehrpersonen, Schulleitungen sowie Personen der Schulbehörden aus ganz Österreich teil.

Die drei Keynote-Vorträge von Prof. Heinz-Werner Wollersheim (Universität Leipzig), Prof. Katharina Heissenberger-Lehofer (PH Steiermark) und Judita Huber (ISTA Klosterneuburg) thematisierten den Kompetenzerwerb im Kontext von Begabungsförderung, Lesson Studies als Tool der personzentrierten Begabungsförderung und Angebote der Begabungsförderung am Institute of Science and Technology Austria (ISTA).
Zudem wurden neun Themenräume mit Workshops und Vorträgen angeboten (z.B. Begabungsgütesiegel GripS, PERMA.teach, Rolle der Schulleitung in der Begabungsförderung, Wege zur Potenzialentfaltung, Leseförderung, MINT für alle). Den Abschluss des zweitägigen Symposiums bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Schulentwicklung durch Begabungs- und Begabtenförderung – Was braucht es dazu?“ mit Vertreter:innen des Ministeriums, der Bildungsdirektion NÖ sowie der beiden niederösterreichischen Pädagogischen Hochschulen.

Über 120 interessierte Lehrpersonen, Schulleitungen sowie Personen der Schulbehörde und außerschulischer Organisationen nahmen an dieser gelungenen Veranstaltung teil. Eine Fortsetzung des Formats in zwei Jahren ist geplant.
Nähere Informationen finden Sie unter https://www.echa-oesterreich.at/cms/index.php/verein/214-1-symposium-zur-begabungs-und-begabtenfoerderung

 

Editorial zu Ausgabe 14: Intelligenz im Test und in der Praxis

Hallo zurück nach den Osterferien!
In den vergangenen Wochen hat sich viel getan – u.a. fand der 1. Community-Event am VISTA mit einer exklusiven Führung durch Christian Bertsch statt. Vielen Dank für die Gastfreundschaft, die Offenheit und die spannenden Diskussionen!

Neben dem Nachbericht dazu gibt’s in der aktuellen Ausgabe auch ein Fachbeitrag von Stefan Reichel über Intelligenztests, ein kurzes Interview mit Toni Kronke (Teach For Austria) sowie einen Terminhinweis auf die VAN-Konferenz in Göttingen.

Bereits am 8. April startet das Jahrestreffen von Mensa in Deutschland e.V. in München mit über 1.600 Gästen. Das Info-Team hat ein sehr vielseitiges (und ziemlich geniales) Programm zusammengestellt. Nachbericht folgt – in Ausgabe 15 in zwei Wochen!

FACHBEITRAG: IQ – testen, ignorieren oder transformieren?

von Stefan REICHEL (Psychologe, https://thomas-profiling.at)

 

Viele begabte Menschen stehen irgendwann vor der Frage: Soll ich meinen IQ testen lassen? Die Unsicherheit ist groß – was, wenn das Ergebnis enttäuschend ausfällt? Was, wenn der Test nicht das misst, was ich wirklich kann? Die Angst vor dem „Versagen“ bei einer solchen Testung ist weit verbreitet. Doch die entscheidende Frage ist nicht, ob man seinen IQ testen lässt, sondern was man mit dem Ergebnis anfangen möchte.

Ein Zahlenspiel mit Grenzen

Ein IQ-Wert von 130 gilt als Schwelle zur Hochbegabung, doch was bedeutet das wirklich? Im echten Leben macht es kaum einen Unterschied, ob jemand einen IQ von 129 oder 131 hat. Die Einteilung in „hochbegabt“ oder „nicht hochbegabt“ ist eine Grenze, die auf statistischen Normierungen basiert. Intelligenz ist komplexer, als eine einzelne Zahl es abbilden kann. Sie umfasst logisches Denken, Kreativität, emotionale Intelligenz und praktische Fähigkeiten – Aspekte, die ein standardisierter Test nur bedingt erfassen kann.
Dennoch kann ein IQ-Test wertvolle Impulse geben: Er kann Stärken aufzeigen, Unterforderung erklären oder den Weg zu passenden Förderangeboten ebnen. Wichtig ist, den Test nicht als endgültiges Urteil, sondern als einen von vielen Bausteinen der Selbsterkenntnis zu sehen.

Wie und wo testen lassen?

Wer sich für einen IQ-Test entscheidet, sollte auf seriöse Anbieter achten. Qualifizierte Psychologen oder spezialisierte Institute führen standardisierte Tests mit einer guten Normierung durch. Weiters sollte man vor allem darauf achten, in welchem Rahmen man die Testung durchführt und wie gut man sich darauf vorbereitet hat.

Vorbereitung? Es gibt keine „Lernliste“ für IQ-Tests, aber ein paar Tipps helfen:

  • Es gibt im Internet viele Angebote, IQ-Tests durchzuführen und Beispiele zu üben.
  • Ausgeschlafen und entspannt zum Termin erscheinen.
  • Kein Druck – der Test misst Fähigkeiten und nicht den Wert einer Person.
  • Im Vorfeld über den Ablauf informieren, um Nervosität zu reduzieren.

Was tun mit dem Ergebnis?

Ein IQ-Wert allein sagt wenig aus. Entscheidend ist, wie man ihn nutzt:

  • Schule/Beruf: Bei Unterforderung kann das Ergebnis als Argument für Enrichment-Programme oder spezielle Förderangebote dienen.
  • Selbstreflexion: Stärken und Schwächen bewusst machen – wo liegen meine Talente? Wo möchte ich mich weiterentwickeln?
  • Beratung: Fachleute helfen, die Ergebnisse einzuordnen und passende Fördermöglichkeiten zu finden.

Doch der IQ ist nur ein Puzzleteil. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: In welchen Begabungsdomänen bin ich stark? Manche Menschen glänzen in Mathematik, andere in Kreativität, Musik oder sozialer Intelligenz. Ein ganzheitlicher Blick auf die eigenen Fähigkeiten lohnt sich.

Fazit: Ob man seinen IQ testen lässt oder nicht, ist eine individuelle Entscheidung. Wichtiger als die Zahl ist die Frage: Was möchte ich erreichen – und wie kann ich meine Stärken dafür nutzen? Wer sich darauf konzentriert, findet Wege, sein Potenzial zu entfalten!

Mehr als nur eine Zahl

Wer nicht nur seinen IQ, sondern auch seine Persönlichkeit und Begabungen besser verstehen möchte, findet bei Cebras (www.thecebras.com) ein kostenloses Angebot: Neben einer ersten Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten können Nutzer ihre Persönlichkeitsstruktur und verschiedenen Begabungsbereiche erkunden. Denn wahre Begabung zeigt sich nicht in einer Zahl, sondern darin, wie wir unsere Talente einsetzen – im Beruf, in der Freizeit und im Umgang mit anderen.

Editorial zu Ausgabe 13: Starke Antworten auf Leadership-Fragen

Sabine Herlitschka, eine der bedeutendsten Managerinnen Österreichs, hat die Interview-Fragen zu ihrem Zugang zu Begabung beantwortet. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG und engagiert sich u.a. Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung. Ihre Antworten findest Du unten.

Außerdem wieder dabei: Ein Medientipp (human), ein Event und ein Gastbeitrag. In diesem beschreibt Gerlinde Heil (Gründerin und CEO sciencepool) sehr offen, wie sie als Neurodivergente andere Neurodivergente führt. Das bringt einen zum Nachdenken und vielleicht zum Nachmachen.

Finally: Die Anmeldung zum Community-Event am 25. März ist noch bis Freitag, 20. März, möglich. Mehr dazu in der Story.

Bleiben wir dran!

Portrait Gerlinde Heil - Foto: Manfred Baumann

Erfahrungsbericht: Neurodivergent Leadership in der Praxis – von Gerlinde Heil

Gerlinde Heil, Didaktikerin, Gründerin und CEO von Science Pool, einem privaten Bildungsunternehmen (KMU mit 50-60 Angestellten), das sich mit MINT-Vermittlung befasst. Das Angebot umfasst Schulworkshops im Haus Science Pool, Freizeitpädagogik, Ferienprogramme und Events österreichweit. 

Eigentlich wurde der Science Pool gegründet, um die Interessen begabter Kinder und Jugendlicher zu fördern. Dabei gibt und gab es Schnittstellen mit weiteren Neurodivergenzen – besonders AD(H)S und Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Die Grenzen sind, wenn sie überhaupt existieren, fließend. Eine „Kochrezeptmethodik“ gibt es nicht. Allerdings funktioniert eine gewissermaßen „gemeinsame Sprache“: Als selber Neurodivergente ist es schon recht viel einfacher, neurodivergente Kinder zu unterrichten, zu coachen, zu interessieren.
Als diese Kinder älter wurden, suchten sie Jobs. Und blieben auch während des Studiums im Science Pool als Vermittlungspersonen.

Das ist mittlerweile schon lange her, die damaligen Studierenden sind in ihren Brotberufen gelandet, die Arbeit im Science Pool ist kein Job mehr – was geblieben ist: Ich leite ein Unternehmen als Neurodivergente, das viele Neurodivergente angestellt hat und viele Neurodivergente unterrichtet.
Dass Unterschiede in der Form der Zusammenarbeit bestehen, wird mir nur selten bewusst. Die Hierarchien sind sehr flach, kaum erkennbar und fluid. Sie beruhen auf Spezialistentum. Andererseits greifen alle unsere Tätigkeiten, Events, Projekte, Kinderkurse, Workshops auf den gleichen Personenpool zu, daher kann jeder alles. Allerdings eben nicht immer gleich gut oder gleich gerne.

Hier muss die Einsicht in die Notwendigkeit bestehen, und auch darin, dass die Erfahrungen einer Person, die etwas nicht gern macht, für alle anderen sehr hilfreich sind. Wesentlich ist auch das Wissen um und die Akzeptanz der Besonderheit aller anderen: Offenheit ist eine Bring- und Holschuld. Leistung allerdings auch. Manchmal kommt bei einigen Personen die Leistungskurve in Wellen, das ist gut zu integrieren, wenn man es weiß und kennt und auch die betroffene Person damit gut umgeht. Oft helfen schon kleine Anpassungen der Arbeitsumgebung – Geräusche, visuelle Achsen, Kernzeiten.
Umso weniger das Team durch unnötige Kleinigkeiten belastet ist, umso lieber arbeitet es. Eustress leitet besser als ein Chef.
Allerdings „kracht“ es schon auch. Und gerade intelligente Menschen können gut abschätzen, wo es weh tut. Kritik tut immer weh, besonders klugen Leuten tut sie meist besonders weh. Viele sind nicht daran gewöhnt, Fehler zu machen, das alles weiß ich natürlich auch aus eigener Erfahrung: Wer viel arbeitet, macht auch entsprechend mehr Fehler. Und es interessiert mich im Normalfall nicht, wer den Fehler macht, sondern dass er kein zweites Mal passiert.

Wesentlich ist einerseits ein hohes Maß an Toleranz, andererseits auch, die Grenze zwischen Toleranz und Gefährdung zu definieren. Notfalls täglich neu.

Fazit: Eine „Kochrezeptkommunikation“ mit Mitarbeitenden gibt es auch nicht. Aber auch hier funktioniert die gewissermaßen „gemeinsame Sprache“. Und Diversität ist bei uns Norm.
Mikromanagement funktioniert unter Neurodivergenten nicht besonders gut – auch, weil ich es selber nicht gern ausübe. Der größere Frei- und Gestaltungsraum unterstützt bei den meisten auch ihren Willen, Verantwortung zu übernehmen, auch und vor allem für Kinder, die auf Grund ihrer Interessen und Besonderheiten auch besondere Förderung brauchen.
Als neurodivergente Person Rücksicht der anderen Teammitglieder zu verlangen, bloß weil man neurodivergent ist, funktioniert im Kontext unserer Tätigkeiten allerdings nicht pauschal. Neurodivergenzen nutzbringend einzusetzen, allerdings schon – niemand muss darunter leiden, schnell zu denken!

Editorial zu Ausgabe 12: Eine junge Stimme, Events und Inputs

Beeindruckend war die Präsentation von Ronja Woidig und ihrer Kollegin beim Karg Fachforum Schule vergangene Woche (am 26. Februar). Auch die Antworten der Schülerin des Begabtenförderprogramms an einem Bayreuther Gymnasium haben es in sich.

Auch diesmal gibt’s Medientipps und etwas Input zur außergewöhnlichen Sommerferiengestaltung (wieder im Süden Deutschlands, aber für alle offen).

Und weiterhin offen ist die Anmeldung zum 1. Community-Event am 25. März am VISTA in Klosterneuburg.

Viel Inspiration wünscht die Redaktion!

4 Fragen an … Ronja Woidig, Schülerin in einem Hochbegabten-Förderungsprogramm in Bayreuth

Ronja Woidig (*2009) ist Schülerin des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth und Teil des Hochbegabtenförderungsprogrammes. Sie besucht die Modellklasse, in welcher hochbegabte Schüler*innen besondere Förderungen erhalten.  Beim Karg Fachforum Schule Ende Februar berichtete sie von ihren Erfahrungen.

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Woidig: Für mich gab es zwei ausschlaggebende Faktoren: Das Umfeld und die Motivation. Besonders Kinder brauchen ein Umfeld, dass sie unterstützt, um sich sicher genug zu fühlen, ihre Begabungen zu zeigen und zu kultivieren; in einem solchen Umfeld befinde ich mich seit meinem Eintritt in die Hochbegabtenklasse im fünften Schuljahr. Jedoch ohne Motivation, ohne wirklichen Spaß an meinen Projekten hätte ich mich niemals so entfalten können – deshalb ist es die Aufgabe der Schule, Kindern Lust auf Wissen zu machen, anstatt ihnen Antworten auf Fragen zu geben, die sie nicht gestellt haben.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?
Woidig: Ich arbeite am besten, wenn ich das, was ich mache, selbst ausgewählt habe. Es ist wichtig für Schüler, Kontrolle darüber zu haben, worauf sie ihre Zeit und Energie verwenden. Ich habe viel Glück, da an meiner Schule auf Mitspracherecht der Schüler und freies Arbeiten großer Wert gelegt wird.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Woidig: Begabung ist – per Definition – das Potential einer Person. Wir sind keine Propheten, können nicht in die Zukunft blicken; wie können wir also darüber bestimmen, wer Potential hat und wer nicht? Jeder Mensch hat prinzipiell Potential; „hochbegabt“ ist nur ein Label, das uns vom Rest der Menschen abgrenzt. Ich wünsche mir eine Welt, in der man das Wort „Hochbegabung“ nicht braucht, weil jeder Begabungen besitzt.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Woidig: Ich wünsche mir, dass mehr Formen der Begabung allgemein anerkannt werden. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht jeden Tag Vorurteilen stellen müssen; dass wir nicht in allem perfekt sein müssen. Vor allem wünsche ich mir aber, dass unsere Gesellschaft erkennt, dass die Bildung unserer nächsten Generation eine der wichtigsten Pflichten unseres Staates ist.

Save the date: MHN-Camp von 22.-30. August 2026 in Boppard

Das neuntägige Zeltlager ist eine der beliebtesten Veranstaltungen des Mind-Hochschul-Netzwerk. Das Camp ist auch für (Noch-)Nicht-Mitglieder des MHN offen und wird in diesem Jahr am Jugendzeltplatz Boppard (nahe Koblenz) stattfinden.

Das Programm reicht von künstlerisch wertvollen Zeichenkursen über achtsame Meditationsrunden und intellektuelle Diskussionen bis hin zu sportlichen Aktivitäten. Beim MHN-Camp treffen sich rund 30 Personen aller Altersgruppen, um gemeinsam zu zelten, zu essen, zu spielen, zu diskutieren, zu lernen und Abenteuer zu erleben.

Die Anmeldung wird voraussichtlich im April 2026 geöffnet.
Anfang Oktober findet wieder die Mind Akademie des MHN in Mannheim statt.

Medientipp: Forschungspodcast zu Neuroscience der Uni Salzburg

Das Center of Cognitive Neuroscience der Universität Salzburg stellt in einem (Video-)Podcast seine Arbeit vor. Mittlerweile sind 13 Folgen erschienen, die aktuelle Folge mit Sophia Schnelzer.. Sie spricht darin über ihre Forschung zur Bedeutung von Schlafqualität beim Lernen von neuen motorischen Fähigkeiten.

Die einzelnen Episoden werden jeweils von Forscher:innen gestaltet. Im Dialog erklären einerseits sehr anschaulich ihre Forschungsarbeit, andererseits auch die Prozesse und Herausforderungen bei wissenschaftlichen Karrieren in diesem Arbeitsfeld.