4 Fragen an … Ronja Woidig, Schülerin in einem Hochbegabten-Förderungsprogramm in Bayreuth

Ronja Woidig (*2009) ist Schülerin des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth und Teil des Hochbegabtenförderungsprogrammes. Sie besucht die Modellklasse, in welcher hochbegabte Schüler*innen besondere Förderungen erhalten.  Beim Karg Fachforum Schule Ende Februar berichtete sie von ihren Erfahrungen.

Ab wann im Leben hast Du Deine Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Woidig: Für mich gab es zwei ausschlaggebende Faktoren: Das Umfeld und die Motivation. Besonders Kinder brauchen ein Umfeld, dass sie unterstützt, um sich sicher genug zu fühlen, ihre Begabungen zu zeigen und zu kultivieren; in einem solchen Umfeld befinde ich mich seit meinem Eintritt in die Hochbegabtenklasse im fünften Schuljahr. Jedoch ohne Motivation, ohne wirklichen Spaß an meinen Projekten hätte ich mich niemals so entfalten können – deshalb ist es die Aufgabe der Schule, Kindern Lust auf Wissen zu machen, anstatt ihnen Antworten auf Fragen zu geben, die sie nicht gestellt haben.

Was hätten Deine Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Dich früher wissen sollen?
Woidig: Ich arbeite am besten, wenn ich das, was ich mache, selbst ausgewählt habe. Es ist wichtig für Schüler, Kontrolle darüber zu haben, worauf sie ihre Zeit und Energie verwenden. Ich habe viel Glück, da an meiner Schule auf Mitspracherecht der Schüler und freies Arbeiten großer Wert gelegt wird.

Welche Fragen stellen sich für Dich – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Woidig: Begabung ist – per Definition – das Potential einer Person. Wir sind keine Propheten, können nicht in die Zukunft blicken; wie können wir also darüber bestimmen, wer Potential hat und wer nicht? Jeder Mensch hat prinzipiell Potential; „hochbegabt“ ist nur ein Label, das uns vom Rest der Menschen abgrenzt. Ich wünsche mir eine Welt, in der man das Wort „Hochbegabung“ nicht braucht, weil jeder Begabungen besitzt.

Was möchtest Du zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Woidig: Ich wünsche mir, dass mehr Formen der Begabung allgemein anerkannt werden. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht jeden Tag Vorurteilen stellen müssen; dass wir nicht in allem perfekt sein müssen. Vor allem wünsche ich mir aber, dass unsere Gesellschaft erkennt, dass die Bildung unserer nächsten Generation eine der wichtigsten Pflichten unseres Staates ist.