4 Fragen an … Rebecca Gischel, Künstlerin
Rebecca Gischel ist eine Münchner Künstlerin, die mit Medien wie abstrakter Malerei und interaktiver Installationskunst arbeitet. Ihre Werke kreisen um Themen wie Trost, Resonanz und Verbundenheit und öffnen Räume, in denen das Geheimnis der Existenz spürbar wird. Gezeigt wurden sie unter anderem beim Ars Electronica Festival in Linz sowie bei weiteren internationalen Ausstellungen. Sie versteht Kunst als Möglichkeit, existenzielle Fragen aufzuwerfen und Menschen darüber zu verbinden.
Von meiner Hochbegabung habe ich erst relativ spät, mit 33 Jahren, erfahren. Dieses Wissen hat mir in meinem künstlerischen und literarischen Schaffen viel Selbstvertrauen geschenkt. Noch wichtiger jedoch war mein Professor im Masterstudium 2013 in Schottland, der meine künstlerischen Fähigkeiten erkannte und sehr stark förderte. Er gewährte mir über den vorgegebenen Rahmen des Studiengangs hinaus alle Freiheiten, um meine Kunst zu finden, zu entwickeln und zu entfalten. Mit meiner Abschlussarbeit, einer interaktiven Kunstinstallation, wurde ich 2013 vom Ars Electronica Festival eingeladen – der Startschuss für meine berufliche künstlerische Laufbahn.
Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Auf der einen Seite hätte es mir damals wahrscheinlich sehr geholfen, wenn meine Hochbegabung frühzeitig erkannt und gefördert worden wäre. Das bestehende Schulsystem habe ich als sehr beengend empfunden – ich hatte das Gefühl, dass es meine Entfaltung und Inspiration eher verhinderte als förderte. Deshalb verweigerte ich mich und rebellierte dagegen, ohne zu wissen, warum ich so schlecht in das standardisierte System passte. Auf der anderen Seite bin ich heute auch sehr dankbar, dass ich so lange nichts von meiner Hochbegabung wusste und von außen nicht entsprechend gefördert wurde. So habe ich gelernt, mir immer einen freien Blick auf Normen, Systeme und Gesellschaft zu bewahren und mir darin zu vertrauen – selbst wenn ich damit alleine dastehe. Für mich als Künstlerin ist das essenziell.
Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Immer wieder stelle ich mir die Frage nach Verantwortung: Welche Verantwortung geht mit dem Geschenk der Hochbegabung einher? Wie kann man ihr gerecht werden, was kann man der Welt zurückgeben? Und wird man damit je „fertig“?
Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Ich wünsche mir, dass wir offener für die individuellen Begabungen und Seinsweisen der Menschen werden – und dass unsere Schulsysteme und Arbeitsumgebungen so gestaltet sind, dass jeder seine Fähigkeiten frei entfalten kann. Dabei denke ich nicht nur an Hochbegabung, sondern auch an jede Form von Neurodivergenz. Denn neben ihren Herausforderungen kann jede Andersartigkeit auch große Geschenke für die Gesellschaft bergen – wenn diese den Mut hat, die nötigen Freiheiten einzuräumen.









