4 Fragen an … Marina WEISBAND (Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung)

Marina Weisband, geboren 1987 in der Ukraine, ist Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung. Von 2011 bis 2012 war sie politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Heute ist sie weiter politisch aktiv, engagiert sie sich bei den Grünen in den Themenbereichen Digitalisierung und Bildung und kämpft für Kinderrechte. 2020-2022 war sie Co-Vorsitzende des Digitalisierungsvereins D64 e.V.
Sie ist Autorin mehrerer Bücher, z.B. „Wir nennen es Politik – Ideen für eine Zeitgemäße Demokratie“ (2013, Tropen); „Frag uns doch – Ein Jude und eine Jüdin erzählen aus ihrem Leben“ (2020, Fischer, mit Eliyah Havemann), „Was uns durch die Krise trägt“ (2023, wbg, mit Frido Mann) und „Die neue Schule der Demokratie“ (2024, Fischer).

Hauptberuflich gestaltet sie seit 2014 das Projekt aula – inzwischen aula gGmbH – ein Konzept zur politischen Bildung und liquid-demokratischen Beteiligung von Jugendlichen an den Regeln und Angelegenheiten ihrer Schulen und außerschulischen Organisationen (www.aula.de)
Darüber hinaus hat sie eine regelmäßige Radiokolumne beim Deutschlandfunk und berät zu verschiedenen Aspekten von digitalem Wandel und Demokratie. Sie berät Unternehmen und Filmschaffende zu Fragen der Diversität und Beteiligung.

Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?

Ich war als Kind eher schüchtern und introvertiert. Erst Rollenspiel hat mir gezeigt, dass ich – in einer Rolle zunächst – auftreten, sprechen, Raum einnehmen kann. Fürs Rollenspiel habe ich Kunst, Handwerk, Nähen angefangen. Und dann konnte ich aus dem spielerischen Raum in den echten gehen und dort glänzen.

Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?

Ich wäre froh, wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich ADHS habe und nicht „faul“ oder „respektlos“ bin. Mit den richtigen Werkzeugen kann ich mein Leben sogar fast so gut organisieren wie normale Menschen! Vor allem kann ich aber ganz andere Dinge gut. Und das hätte man früher als Stärke begreifen können.

Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?

Ich weiß noch immer nicht, was „Begabung“ ist. Was nützte es mir als Kind, „hochbegabt“ zu sein, wenn ich nicht die Aufmerksamkeitssteuerung hatte, wirklich etwas damit zu erreichen? Ist Begabung mehr wert als Passion und stetige Übung? Und wenn nicht, warum sprechen wir dann über sie?

Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?

Jeder Mensch ist begabt. Wir neigen dazu, das im akademischen Bereich zu sehen und entlang einer eindimensionalen Schiene zu arrangieren – von Gut nach Schlecht. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht begabt war. Und alle diese Begabungen verdienen Förderung.