4 Fragen an … Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria AG
DI Dr.in Sabine Herlitschka, MBA ist seit April 2014 Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG. Zuvor war sie in der industriellen Biotech‑Forschung tätig, verantwortete internationale Forschungs‑ und Technologiekooperationen und ‑finanzierung (u. a. bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft/FFG) und wirkte als Gründungs‑Vizerektorin der Medizinischen Universität Graz. Forschungsaufenthalte an US‑Institutionen und ein Fulbright‑Stipendium runden ihren Werdegang ab. Aktuell engagiert sie sich u. a. als Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung, Aufsichtsrätin der ÖBAG und im Wissenschaftlichen Beirat des Forschungszentrums Jülich. 2025 erhielt sie den Schumpeter‑Preis.
Ab wann im Leben haben Sie Ihre Talente und Begabungen so richtig entfalten können? Was war dafür ausschlaggebend?
Herlitschka: Rückblickend dort, wo ich Neugier in konkrete Wirkung übersetzen konnte. Ich hatte früh gute Bildungszugänge – aber entscheidend war die Erkenntnis, dass Wissen kein Selbstzweck ist, sondern gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung entfaltet. Forschung, Technologie und später Führung haben mir dafür den Rahmen gegeben. Ausschlaggebend waren Menschen, die mir Vertrauen, Verantwortung und Ambition zugleich gegeben haben
Was hätten Ihre Eltern (bzw. Lehrerinnen/Lehrer) über Sie früher wissen sollen?
Herlitschka: Dass ich am stärksten lerne, wenn Theorie und Blick auf deren mögliche Anwendungen besser zusammenfinden – und das projekt- oder themenorientiert und mit hohem Anspruch. Und dass Unterschiedlichkeiten in Teams mir Energie geben: verschiedene Blickwinkel, kontroverse Debatten – Fordern und Fördern als gemeinsamer Nenner.
Welche Fragen stellen sich für Sie – in Bezug auf Begabung – immer noch?
Herlitschka: Wie schaffen wir es, Begabung früh zu erkennen, Breite zu fördern und gleichzeitig Exzellenz konsequent zu entwickeln – ohne ideologische Scheindebatten? Die eigentliche Frage ist nicht entweder Chancengerechtigkeit oder Spitzenförderung, sondern wie wir beides systemisch verzahnen. Andere Länder zeigen, dass frühe Talentidentifikation und Leistungsdifferenzierung in Verbindung mit Forschung und Wirtschaft wirken.
Was möchten Sie zu dem Thema Begabungsförderung der Gesellschaft gerne weitergeben?
Herlitschka: Begabtenförderung ist kein Elitenthema, sondern eine strategische Frage für den Innovations‑ und Wirtschaftsstandort Europa. Wenn wir im globalen Wettbewerb bestehen wollen, brauchen wir mehr Tempo, mehr Tiefe und mehr Exzellenz – in Forschung, Technologie und Industrie. Das gelingt nur, wenn wir außergewöhnliche Talente früh erkennen und ihnen bestmögliche Rahmenbedingungen bieten. Breite Bildungszugänge schaffen Potenzial, aber Exzellenz entscheidet über Innovationsfähigkeit.






